Nach „Felix“ und „Elon“ : Tief „Hermann“ bringt noch mehr Regen – und was kommt dann?

Hermann wird vor allem die nordfriesischen Inseln durchpusten.
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Hermann wird vor allem die nordfriesischen Inseln durchpusten.

„Hermann“ ist der letzte Sturm aus einer ganzen Serie in Schleswig-Holstein. shz.de erklärt, wie es dann weiter geht.

shz.de von
15. Januar 2015, 11:59 Uhr

Kiel | Nach „Elon“ und „Felix“ klopfte am Donnerstag der nächste ungebetene Gast in Form von Sturmtief „Hermann“ bei uns an. Doch trifft er den Norden weniger stark als seine Vorgänger und bringt Schleswig-Holstein vor allem eines: milde Temperaturen und Regen, Regen, Regen. An Schleswig-Holsteins Küsten und Binnengewässern wird es deshalb langsam wieder kritisch.

Wie die beiden Stürme vom vergangenen Wochenende hat „Hermann“ seinen Ursprung im Nordatlantik. Auch die Zugbahn des Unwetters ist sehr ähnlich, wie bei den Vorgängerstürmen. Doch trotz der vielen Parallelen der Stürme betont Meeno Schrader von der WetterWelt GmbH in Kiel: „Schon ,Elon' und ,Felix' haben uns nur gestreift. Von ,Hermann', einem ausgewachsenen Orkantief, bekommt der Norden noch weniger ab“. „Felix“ hatte am vergangenen Wochenende vor allem an der Westküste für größere Schäden gesorgt.

Anders als seine Vorgänger hat „Hermann“ Wind aus südlicher Richtung im Gepäck – positiv  ist das vor allem für die sturmflutgeplagte Westküste. Trotzdem bleibt Schleswig-Holstein nicht ganz verschont. „Die nordfriesischen Inseln bekommen mal wieder am meisten ab“, erklärt Schrader. „Hier sind Sturmböen der Windstärke 10 möglich“. Im Binnenland und an der Flensburger Förde kann es mit Böen der Windstärke 8 bis 9 ebenfalls sehr pustig werden. Nach Süden hin ist mit vereinzelten stürmischen Böen zu rechnen.

Im Laufe des Donnerstags soll der Wind zunächst abnehmen. In der Nacht zum Freitag und am Freitagmorgen erwarten Meteorologen dann den Höhepunkt des Sturms über Norddeutschland.   

0 Beaufort - Windstille

Es ist kein Wind zu bemerken, die See ist spiegelglatt.

1 Beaufort - leiser Zug

1 Beaufort ist kaum zu bemerken. Rauch treibt leicht ab, Wasser kräuselt sich, Fahnen bleiben aber unbewegt

2 Beaufort - leichte Brise

Blätter rascheln, auf See zeigen sich kleine Wellen.

3 Beaufort - schwache Brise

Blätter und dünne Zweige bewegen sich, Wimpel werden gestreckt.

4 Beaufort - mäßige Brise

Zweige bewegen sich, loses Papier wird vom Boden gehoben.

5 Beaufort - frische Brise

Größere Zweige und Bäume bewegen sich,  der Wind deutlich hörbar.

6 Beaufort - starker Wind

Dicke Äste bewegen sich, hörbares Pfeifen an Drahtseilen.

7 Beaufort - steifer Wind

Bäume schwanken beim beim Gehen merkt man den Widerstand gegen den Wind.

8 Beaufort - stürmischer Wind

Schon bei Windstärke 8 kann es im Wald gefährlich werden: Zweige brechen von Bäumen, große Bäume durchgeschüttelt. Auf See kommt es zu hohen Wellenbergen.

9 Beaufort - Sturm

Äste brechen und es entstehen oft kleinere Schäden an Häusern: Ziegel und Rauchhauben werden von Dächern gehoben, Gartenmöbel werden umgeworfen und verweht. Windstärke 9 macht sich auf See mit hohen Wellen und Gischt bemerkbar.

10 Beaufort - schwerer Sturm

Schon ein schwerer Sturm von Stärke 10 kann hohe Schäden verursachen: Bäume werden entwurzelt, Baumstämme brechen. An Häusern können größere Schäden entstehen. Was nicht fest ist, kann vom Sturm erfasst werden: Häufig werden Gartenmöbel weggeweht. Auf See kommt es zu Brechern.

11 Beaufort - orkanartiger Sturm

Heftige Böen können  schwere Sturmschäden verursachen. In Wäldern können Bäume gefällt werden. In schlimmen Fällen werden Dächer abgedeckt und selbst dicke Mauern werden beschädigt. Vorsicht auch im Straßenverkehr: Autos werden aus der Spur geworfen -  Gehen wird nahezu unmöglich gemacht. Stärke 11 kommt fast nur an den Küsten und auf See vor, selten im Landesinneren. Sehr hohe Wellen erschweren die Seefahrt.

12 Beaufort - Orkan

An Land können durch Orkane schwerste Sturmschäden und Verwüstungen entstehen. Sie  sind  aber sehr selten im Landesinneren. Stärke 12 sorgt auf dem Meer für außergewöhnlich schwere See - die Sicht ist durch Gischt nahezu unmöglich.

Ab Freitag ist die Sturmserie dann erst einmal überstanden. „Ab Samstag rechnen wir mit kälteren Temperaturen und einer großräumigen Umstellung der Wetterlage im Norden“, sagt Schrader. Der Winter könnte Schleswig-Holstein dann am Sonntag erreichen, die Wetterentwicklung sei laut Schrader aber noch zu unsicher, um Winterfans Versprechungen zu machen.

Währenddessen stellt sich vielen die Frage, ob die Wetterkapriolen der letzten Wochen eigentlich noch normal sind. „Zu warm, zu nass, kein Winter“, resümiert eine unserer Leserinnen auf Facebook. „Astreines Novemberwetter“, scherzt eine andere. Ein Leser erinnert sich: „Das Wetter ist definitiv nicht mehr so wie vor 20 Jahren“. Auch auf Twitter wird über „Hermann“ geschimpft:

Laut Meeno Schrader sind solche markanten Sturmserien im Winter zwar selten, aber nichts komplett Neues. „Außergewöhnlich ist, dass gleich mehrere Tiefdruckgebiete in Folge über dem Nordatlantik zu Orkantiefs reifen.“

Die Sturmtiefs „Elon“ und „Felix“ haben der Hamburger Feuerkasse zugesetzt. Auf rund sechs bis sechseinhalb Millionen Euro wird der Gesamtschaden geschätzt, teilte das Unternehmen am Donnerstag in Hamburg mit. „Wir rechnen inzwischen mit 4000 bis 4500 Schäden“, sagte Torsten Schönhof, Leiter der Schadenabteilung. Dabei handele es sich überwiegend um kleinere Schäden wie umgestürzte Bäume und herabgefallene Dachziegel. Die Wohngebäudeversicherung deckt etwa Gebäudeschäden durch umgefallene Bäume und Äste, abgedeckte Dächer sowie Folgeschäden durch eindringenden Regen ab.

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