"Abyss" aus Kiel : Tauchroboter orten Air-France-Wrack

'Abyss' im Einsatz: In 4000 Metern Tiefe fotografierte der Roboter ein Fahrwerk des abgestürzten Airbus. Fotos: IfM Geomar/BEA
1 von 9
"Abyss" im Einsatz: In 4000 Metern Tiefe fotografierte der Roboter ein Fahrwerk des abgestürzten Airbus. Fotos: IfM Geomar/BEA

Wrackteile und Leichen des Air-France-Fluges 447 wurden im Atlantik vor Brasilien gefunden. Zum Erfolg hat auch der Kieler Tauchroboter "Abyss" beigetragen.

Avatar_shz von
06. April 2011, 09:31 Uhr

Fast zwei Jahre nach dem Absturz von Air-France-Flug AF447, bei dem 228 Menschen starben, haben Tauchroboter das Wrack des Airbus A330 im Atlantik gefunden und fotografiert. An der Ortung in 4000 Metern Tiefe waren drei autonome U-Boote beteiligt, darunter eines des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM Geomar). Ob "Abyss", der deutsche Roboter, das Wrack gefunden hat, wird nicht mitgeteilt. "Das ist eine Gemeinschaftsleistung des ganzen Forscherteams", erklärte IfM Geomar-Sprecher Dr. Andreas Villwock.
Die erst vor wenigen Tagen begonnene vierte Suchaktion wurde von Air France und Airbus mit 9,2 Millionen Euro finanziert. Ihr Ziel ist es, den Flugschreiber zu finden, um die Ursache für den Absturz in einer Gewitterfront zu klären. Triebwerke, Tragflächen und ein Teil der Kabine sind entdeckt. In nur zehn Metern Entfernung glitten die Roboter über das Wrack und fotografierten auch, womit keiner der Meereskundler gerechnet hatte: tote Passagiere. "Wir haben mehr als nur Spuren, wir haben Leichen", sagte Frankreichs Verkehrsministerin Nathalie Kosciusko-Morizet. "Identifizierungen sind möglich." Der hohe Wasserdruck und die niedrige Temperatur hätten die Toten relativ gut konserviert.

Die Wrackteile liegen dicht beieinander, verteilt auf 600 mal 200 Metern. Alain Bouillard, Chefermittler der französischen Unfallermittlungsbehörde BEA sprach von einem "Garten" von Trümmern - ein Hinweis darauf, dass der Airbus nicht in der Luft zerbrach, sondern erst beim Aufprall auf dem Wasser.

In einem Monat sollen drei Schiffe Wrackteile und auch den Flugschreiber heben. Ob die Toten vom Grund des Meeres geborgen werden, ist unklar. Technisch wäre es möglich. Andreas Villwock vom IfM Geomar: "Wir haben einen Tiefsee-Roboter mit Greifarmen, der per Kabel ferngesteuert werden kann." Gegenstände bis zu 100 Kilogramm Gewicht könnten so gehoben werden. Noch liegt dem IfM Geomar aber keine Anfrage aus Frankreich vor. Für die Angehörigen der Opfer wäre es eine Erlösung. 28 Deutsche starben auf dem Todesflug von Rio nach Paris, darunter Architekt Moritz Kock (54), Sohn des Bildhauers Hans Kock aus Kiel. Nur 51 Opfer trieben auf dem Meer, und nur ihre Angehörigen konnten an einem Grab trauern. Die Familie von Moritz Kock zählte, wie so viele andere, nicht dazu.

Aus dem shz.de-Archiv:


(dpa, ge, shz)
zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen