"Brösel" wird 60! : Tass Kaff statt Flaschbier

Schuf eine Kultfigur - mittlerweile ist er selber eine: Rötger Feldmann alias 'Brösel' mit seinem 'Werner'. Foto: Kiosz
Schuf eine Kultfigur - mittlerweile ist er selber eine: Rötger Feldmann alias "Brösel" mit seinem "Werner". Foto: Kiosz

Seine Comicfigur "Werner" ist Kult. Am Mittwoch wurde Rötger "Brösel" Feldmann 60. Doch gefeiert wird nicht, denn: "60 ist ne dumme Zahl."

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18. März 2010, 01:59 Uhr

Kiel | Vier Haare, zwei Zähne und die berühmte Nase - "Werner", die vom Comiczeichner Rötger Feldmann (alias " Brösel") geschaffene Kultfigur, hält seit Ende der 70er Jahre dem bundesdeutschen Spießbürgertum den Spiegel vor die Nase. Generationen von Jugendlichen haben sich zum Entsetzen ihrer Eltern an den Geschichten um Werner, seine Motorräder, Eskapaden im Straßenverkehr und Trinkgelage amüsiert. Sein großzügiger Umgang mit Orthografie und Grammatik wurde bewundert und Wortschöpfungen wie "Bullerei" für Polizei, "Bölkstoff" für Bier, "Gas, Wasser, Scheiße" für einen Installateurbetrieb oder "Hau wech die Scheiße!" statt Prost gingen in den Sprachschatz der Jugendkultur über. Jetzt wird der gebürtige Lübecker 60 Jahre, arbeitet "wie verrückt" in seinem restaurierten Bauernhof in der Nähe von Kiel und fiebert dem neuen Film entgegen. "Werner - Eiskalt" heißt er und soll im Herbst in die Kinos kommen.
Eine der legendären "Flaschbier"-Partys wird es heute nicht geben. "60 ist ne dumme Zahl. Gefeiert wird nicht, ich bin kein Goldener-Hochzeit-Typ", grummelt der Schleswig-Holsteiner. Eine "Tass Kaff" und ein Stück Kuchen nach der Arbeit im Hamburger Filmstudio, das reicht - "gekesselt" und "geploppt" wird also nicht. Momentan beiße er sich akribisch durch seine Aufträge, digitalisiere die millionenfach verkauften Werner-Bücher und habe kaum Zeit, sich aktuellen Problemen zu widmen - auch nicht seinen Motorraderfindungen. "Geschraubt wird nicht. Warum auch. Ich habe schon alles gemacht." Eigentlich schade, wenn man an sein legendäres Rennen mit der selbstgebauten Horex gegen einen Porsche 1988 auf dem Flugplatz Hartenholm (Kreis Segeberg) denkt. Oder an die Revanche 2004 auf dem brandenburgischen Lausitzring, diesmal mit einem Motorrad, das von 24 Motorsägen-Motoren betrieben wurde, der Dolmette.
"Gorleben und Kirchenfuzzi Ratzinger"
Spaß muss sein - aber bei allem Witz und Klamauk bewegen Brösel auch immer ernsthafte Themen. Seine Werner-Bücher der 80er Jahre seien heute so aktuell wie damals. "Ich sach nur Gorleben und Kirchenfuzzi Ratzinger." Tonnenweise laufe der Atommüll in den Salzstöcken aus, doch die Politik beschäftigte sich mit Banalitäten. "Das ist nach wie vor absolut wahnsinnig, was heute abläuft", meint Feldmann und bedauert, dass sich "die Leute alles so gefallen lassen".
Selbst wenn die erste Generation seiner Bewunderer schon bald ins Corega-Tabs-Alter kommt - auch die Kids von heute können mit seiner Art von Humor und Satire noch was anfangen, ist sich der Comic-Star sicher.

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