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Facebook-Reaktionen : Tag der Deutschen Einheit - „Praktisch, dass man frei hat“

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Die einen erinnern sich an die Trabbis im Westen, die anderen ärgern sich über Mauern in den Köpfen. Und manche verbinden ganz persönliche Erlebnisse mit dem Tag der Deutschen Einheit. Was unsere Facebook-Fans über den 3. Oktober denken.

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erstellt am 03.Okt.2013 | 09:48 Uhr

Flensburg | Nationalfeiertag, Zeit für persönliche Erinnerungen - oder einfach nur ein freier Tag? Unsere Facebook-Fans haben geteilte Meinungen zum Tag der deutschen Einheit. „Ich freue mich dass diese menschenverachtende Grenze inmitten Deutschland niedergerissen wurde“, schreibt zum Beispiel Inka Erdmann. „Ich erinnere mich noch gut - zu der Zeit arbeitete ich als Volunteer in einem israelischen Kibbuz und glaubte einfach nicht die Berichte, die in der „Jerusalem Post“ zu lesen waren. Erst als ich Fotos mit tanzenden Menschen auf der Mauer sah, dämmerte mir, dass ich gerade einen historischen Moment erlebte. Beziehungsweise verpasste, weil ich ja in Israel war. Als ich dann ein paar Wochen später in Frankfurt landete und mit dem Auto die Strecke nach Kiel fuhr,war ich überwältigt von den Trabbis überall. Ich fand und finde es toll!“ Die Nutzerin Schar Lotte erzählt, wie sie mit Freunden und einem gemieteten Wohnmobil spontan zum ersten Einheitstag. „Standen auf der Wiese und haben Helmut Kohl gehört.“

So viel Einheitseuphorie teilen nicht alle. Ein Nutzer mit dem Namen Big Bounty Bruhn wendet ein: „Aber leider gibt es die Mauer immer noch in Köpfen der Menschen und Politiker.“ Und Anke Christensen erzählt, dass sie die Maueröffnung in Hamburg erlebte und „das damals nicht alles so schön“ fand. „Die ersten Tage waren wundervoll und mit vielen schönen Momenten und Begegnungen.  Dann kam der Alltag. Alle haben ständig nur versucht Kapital aus der Geschichte zu schlagen. Ich war schon damals der Meinung: Grenzen auf!“ Aber jeder Mensch sollte das Recht und die Möglichkeit haben, sich sein Leben selber zu aufzubauen.“

Gleich mehrere Nutzer sagen, der 9. November sei als Datum sinnvoller. Schließlich fiel an diesem Tag die Mauer, Menschen tanzten auf dem „antifaschistischen Schutzwall“, wie die DDR-Propaganda das Bauwerk nannten. Doch der 9. November gilt als „Schicksalstag der Deutschen“ – und wird vor allem mit der Pogromnacht im Jahr 1938 in Verbindung gebracht. In Nazi-Deutschland brannten Synagogen, jüdische Geschäfte wurden zerstört, Hunderte von Juden wurden innerhalb weniger Tage umgebracht. In den folgenden Jahren wurden Millionen von Menschen im Holocaust ermordet. Ein Nationalfeiertag an diesem Tag – aus historischer Sicht unmöglich. Und so mutmaßt Michael Dalkowski auf der shz.de-Facebook-Seite: „Die DDR-Führung hat ihre „Kapitulation“ an diesem Tag geschehen lassen, weil die wussten, dass wir aus historischen Gründen den 9. November niemals zum Feiertag erklären können...“

Für viele stehen ohnehin persönliche Erlebnisse im Vordergrund des 3. Oktober: Michael Hein feiert den Tag jedes Jahr, denn er hat der Wende seine große Liebe zu verdanken. Tosa Ditosimus schreibt: „Mein Sohn wird13 Jahre alt, das ist einer von zwei Tagen im Jahr, an denen ich unendlich glücklich war und immer wieder bin. Zwei so tolle Jungs bekommen zu haben... das ist für mich der 3. Oktober.“ Und einer der Jungen hat Glück gehabt: Wer am Feiertag Geburtstag hat, kann jedes Jahr ausschlafen. Für Philipp Brügmann ist der Tag der deutschen Einheit „ein Tag wie jeder andere. Aber praktisch, dass man frei hat.“

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels sind uns Fehler zur Pogromnacht am 9. November 1938 unterlaufen - in der Rechtschreibung und bei der Jahreszahl. Das hätte nicht passieren dürfen. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

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