Verkehr : Systemgrenzen hemmen deutsch-dänischen Bahnverkehr

Seit zehn Jahren für die LVS in Schöeswig-Holstein engagiert: Wolfgang Seyb. Foto: Heesch
Seit zehn Jahren für die LVS in Schöeswig-Holstein engagiert: Wolfgang Seyb. Foto: Heesch

Seit Jahren erhöht sich die Zahl der Fahrgäste im regionalen Zugverkehr in Kiel. Der Mann hinter dem Erfolg: Wolfgang Seyb - und er sieht auch Chancen für den Grenzverkehr.

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23. Mai 2008, 03:29 Uhr

Wolfgang Seyb ist der stellvertretende Geschäftsführer der Landesweiten Verkehrsservicegesellschaft Schleswig-Holstein (LVS), die im Auftrag der Landesregierung in Kiel den regionalen Zugverkehr organisiert - mit Erfolg, denn seit Jahren erhöht sich die Zahl der Fahrgäste. Durch einen abgestimmten Taktverkehr, besseren Service und Kostensenkung durch Ausschreibungen wird ein Aufschwung ermöglicht. Der Verkehrsexperte sieht auch Chancen im grenzüberschreitenden Verkehr, der aber auch unter Systemgrenzen leidet.
"Generell weisen die grenzüberschreitenden Verbindungen in Europa eher schwächeren Verkehr auf, das gilt auch für den deutsch-dänischen Bahnverkehr", berichtet der stellvertretende Leiter der Landesweiten Verkehrsservicegesellschaft Schleswig-Holstein (LVS), Wolfgang Seyb, der von Kiel aus auch für grenzüberschreitende Züge zwischen Nordschleswig und Schleswig-Holstein zuständig ist. Es gibt dabei Fortschritte wie vor fünf Jahren mit der ganzjährigen Wiedereröffnung des 1978 stillgelegten Personenreiseverkehrs zwischen Niebüll und Tondern sowie den Einsatz des alle zwei Stunden fahrenden Schleswig-Holstein Express’ zwischen Pattburg und Hamburg Hauptbahnhof. "Wir sind allerdings nur für den Regionalverkehr zuständig. Den Fernverkehr wickeln Deutsche Bahn AG und die Dänischen Staatsbahnen in eigener Regie ohne Finanzierung durch die Landesregierung ab", so Seyb.
Besser sieht es da schon an der Westküste aus
Besser sieht es da schon an der Westküste aus,Und da ist das Angebot momentan recht dünn. Neben zwei täglichen ICE-Angeboten rollt nur ein Nachtzug aus der Grenzregion im Rahmen des internationalen Verkehrs bis Århus beziehungsweise Kopenhagen sowie nach Hamburg, Berlin und entferntere Metropolen. Und seit einigen Monaten gibt es nördlich der Grenze nur in Pattburg die Möglichkeit, in die Fernzüge einzusteigen, denn in Woyens, Rothenkrug und Tingleff gibt es keinen Halt, alle größeren Städte einschließlich Sonderburg sind international abgehängt worden. Inlands-Intercityzüge fahren von Sonderburg über Tingleff nach Kopenhagen, ab Flensburg gibt es am Wochenende einzelne Intercityverbindungen Richtung Süden. Besser sieht es da schon an der Westküste aus, wo die Nordostseebahn den Fahrplan Tondern-Niebüll gut auf die Intercityzüge im Verkehr von und nach Sylt abgestimmt hat.
"Unsere Regionalzüge in der Grenzregion sind auch die Zubringer zum Fernverkehr“, erklärt Seyb. Er berichtet, dass sich die LVS regelmäßig mit der dänischen Verkehrsbehörde Trafikstyrelsen zusammensetzt, um die Verbindungen über die Grenze zu optimieren.
Aufwärts gehe es auch Jahr für Jahr zwischen Tondern und Niebüll

So wäre eine gemeinsame Ausschreibung des Verkehrs Hamburg-Flensburg-Patt-burg-Fredericia möglich. Bisher ist die Grenze der unterschiedlichen Bahnstromsysteme ein echtes Hindernis auf dieser Route, denn es gibt im Gegensatz zum Beispiel zur Öresundregion im deutsch-dänischen Grenzland keine Zweisystem-Triebwagen oder -Lokomotiven.
"Der Vertrag Schleswig-Holsteins mit der Deutschen Bahn für die Züge Pattburg-Hamburg läuft noch bis 2014", so Seyb. Vorher sieht er kaum Chancen, Zweisystemmaterial im Rahmen einer grenzüberschreitenden Ausschreibung einzusetzen. Eine solche Forderung müsste in die Ausschreibungsmodalitäten eingebaut werden. Seyb sieht durchaus Potenzial für deutlich mehr Reisende auf der umweltfreundlichen Schiene im grenzüberschreitenden Bahnverkehr, seitdem viele tausend Grenzpendler täglich die Grenze passieren. Aufwärts gehe es auch Jahr für Jahr zwischen Tondern und Niebüll, wo Seyb weiter hofft, dass es schon im Sommer klappt, Züge durchgehend zwischen Niebüll und Esbjerg einzusetzen.
Ziel: die Menschen vom Auto weg in Bahn und Busse zu bewegen

Der Verkehrsexperte verweist darauf, dass es in Schleswg-Holstein gelungen ist, auch durch Wiedereröffnung von Bahnhöfen, zum Beispiel Husby, Flensburg-Weiche, Süderlügum und Uphusum neben optimierten Umsteigemöglichkeiten die Menschen vom Auto weg wieder in die Bahn und in die Busse zu bewegen.
Er verweist darauf, dass gerade auch die hohen Treibstoffpreise und die Klimaschutzdebatte unterstreichen, dass die Bahn als Alternative eine Zukunft hat. Auch im ländlich strukturierten deutsch-dänischen Grenzgebiet.

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