zur Navigation springen

Integration : Syrische Flüchtlinge unterstützen Freiwillige Feuerwehren in SH

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

„Wir möchten anderen Menschen im Notfall helfen“ – immer mehr Flüchtlinge engagieren sich in Freiwilligen Feuerwehren. Ein Beispiel aus Kalübbe im Kreis Plön.

shz.de von
erstellt am 21.Aug.2015 | 08:15 Uhr

Kalübbe | Die Freiwilligen Feuerwehren in Schleswig-Holstein verstärken ihre Reihen zunehmend mit Flüchtlingen aus Bürgerkriegsregionen. Das sei für beide Seiten ein Gewinn, betont der Landesfeuerwehrverband (LFV) in Kiel. „Ich höre mittlerweile immer wieder von solchen Fällen“, sagt Sprecher Holger Bauer. Für die Flüchtlinge sei es eine hervorragende Möglichkeit, sich in Dörfern und Städten zu integrieren. Die Feuerwehren könnten mit dem ehrenamtlichen Einsatz der Flüchtlinge ihre Dienste sicherstellen.

Landesweite Zahlen über den Einsatz von Flüchtlingen bei den 1371 Freiwilligen Feuerwehren im Land lägen dem Verband derzeit nicht vor, sagt Bauer. Aber es gibt bereits ermutigende Beispiele wie etwa in der 600 Einwohner zählenden Gemeinde Kalübbe, (Kreis Plön). Dort bereiten sich die Syrer Feysal al Kador (26) und Abdul Kareem al Mohammad (25) für die Grundausbildung zum Feuerwehrmann vor. Die beiden Flüchtlinge leben seit rund einem Jahr in Kalübbe, waren zuvor über die Türkei nach Deutschland gekommen.

„Im Juli tauchten sie plötzlich auf dem örtlichen Feuerwehrball auf“, berichtet Gemeindewehrführer Frank Schnathmeier. „Wir sind ins Gespräch gekommen und am gleichen Abend ging es schon um den Eintritt in die Feuerwehr und es gab eine Besichtigung des Feuerwehrautos. Sie wollten sich integrieren, und wir haben die Chance genutzt“, freut er sich. „Anlässlich der nächsten Übung wurden sie mit Helmen und Schutzjacken eingekleidet und wir haben die Aufnahmebögen zusammen ausgefüllt.“ Die Feuerwehr in Kalübbe brauche dringend Einsatzkräfte. Zwar sei man mit 40 Aktiven in der Feuerwehr gut aufgestellt. „Unser großes Problem ist aber die Tagesverfügbarkeit, viele Kameraden arbeiten außerhalb“, so Schnathmeier. Die beiden Syrer seien eine große Hilfe, weil sie fast immer im Ort sind.

Feysal al Kador und Abdul Kareem al Mohammad wollen in Deutschland bleiben, sind mittlerweile als Asylsuchende anerkannt. Nun lernen die beiden Männer als Feuerwehrmann-Anwärter Kommandos wie „Wasser marsch“ und leisten bei Einsätzen Hilfsarbeiten. „Es fehlt noch an Fachwissen, und Begriffe wie Tragkraftspritze muss man ihnen erklären. Aber sie begreifen fix und arbeiten sehr schnell mit den Geräten und Maschinen“, so Schnathmeier. Im kommenden Jahr beginnt die Grundausbildung.

„Wir sind sehr glücklich mit den Kollegen“, sagt Feysal al Kador. „Die Arbeit zusammen mit der Mannschaft gefällt uns, wir möchten alles richtig machen und anderen Menschen im Notfall zu helfen.“ Der 26-Jährige absolviert gerade ein vierwöchiges Praktikum in einer Senioreneinrichtung. In seiner Heimat hat er Ökonomie studiert, aber bereits auf der Flucht im türkischen Lager als Krankenhelfer gearbeitet. „Dieses Jahr mache ich einen Deutschkurs, sagt Feysal al Kador. „Danach möchte ich eine Ausbildung als Krankenpfleger anfangen – oder als Bankkaufmann.“
 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen