Flensburger Landgericht : Sylter Feuerteufel wird der Prozess gemacht

Er versetzte die Region in Angst und Schrecken: Ab Donnerstag steht Thomas R. vor dem Flensburger Landgericht und muss sich für zehn gelegte Feuer verantworten.

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08. Februar 2011, 08:55 Uhr

Westerland/flensburg | Feuer in einem Hotel, einer Appartementanlage, der renommierten Akademie Klappholttal und sogar in der Nordseeklinik. Hunderte evakuierte Urlauber, hunderte Feuerwehrleute im Dauereinsatz, die Gründung von Bürgerwachen. Mitten in der Hauptsaison versetzte der Sylter Feuerteufel Gäste und Insulaner auf Schleswig-Holsteins beliebtester Ferieninsel nachts in Angst und Schrecken. Der Ausnahmezustand mit bis zu acht Bränden in einer Nacht dauerte vom 11. bis zum 21. August 2010. Ab Donnerstag wird dem Sylter Feuerteufel vor dem Flensburger Landgerichts der Prozess gemacht. Sechs Verhandlungstage sind gegen den Taxi fahrer Thomas R. angesetzt. Der 46-Jährige hat die Taten bereits gestanden. Angeklagt wird er wegen zehn zum Teil schwerer Brandstiftungen und fünf Sachbeschädigungen.
Dass die Brandanschläge von Thomas R. nur einige Rauchvergiftungen und keine Schwerverletzten oder gar Tote zur Folge hatten, ist in manchen Fällen nur dem glücklichen Zufall zu verdanken. Besonders in der Nacht zum 21. August vorigen Jahres. In dieser legte der Feuerteufel fünf Brände. Auch in einem Reetdachhaus. Wäre dort um 2.30 Uhr nachts der 13-jährige Andreas Reuß nicht noch wach gewesen und hätte gehört, wie der Brandstifter das Gartentor ins Schloss fallen ließ, hätte diese Nacht für 14 Menschen schlimm enden können. Doch der 13-Jährige, der mit seinen Eltern Urlaub machte, sah Rauch, weckte alle Hausbewohner und rief die Feuerwehr. Kurze Zeit später wurde der mutmaßliche Brandstifter nur wenige Straßen entfernt in Westerland festgenommen. Er will die Taten allein begangen haben. Den größten Sachschaden verursachte er in der Akademie am Meer (Klappholttal). Auf 500 000 Euro wird der Verlust durch das Abbrennen von zwei Gebäuden beziffert. Insgesamt verursachten die Brände einen Schaden in Millionenhöhe. Die Festnahme von Thomas R. sorgte auf ganz Sylt für große Erleichterung. Endlich könnten Einwohner und Urlauber wieder ruhig schlafen gehen, sagten die verantwortlichen Einsatzkräfte.
Beim ersten großen Feuer zählte der mutmaßliche Brandstifter selbst zu den Opfern, die für einige Tage in Notunterkünften wohnen mussten. Sein Motiv ist bisher nicht bekannt. Nähere Erkenntnisse dazu soll der Prozess ans Licht bringen. Beginn ist um 9.15 Uhr.
(shz , wer)

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