Südweststrom : SWS baut kein Kohlekraftwerk in Brunsbüttel

So sollte es aussehen, das neue Steinkohlekraftwerk in Brunsbüttel. Gebaut wird es nun allerdings doch nicht. Grafik: SWS
So sollte es aussehen, das neue Steinkohlekraftwerk in Brunsbüttel. Gebaut wird es nun allerdings doch nicht. Grafik: SWS

Sie wollten die großen Atomstromkonzerne ärgern und ein eigenes Kraftwerk an der Elbe bauen. Doch nun geben die Stadtwerke aus dem Südwesten auf.

shz.de von
20. Juli 2012, 05:19 Uhr

Tübingen/Brunsbüttel | Das zurzeit größte schleswig-holsteinische Industrieprojekt, ein 1800-Megawatt-Kohlekraftwerk, das der Tübinger Energiekonzern Südweststrom (SWS) in Brunsbüttel bauen wollte, ist der Energiewende zum Opfer gefallen. Donnerstag wurde das 3,2 Milliarden Euro teure Vorhaben offiziell beerdigt. Damit sind Planungskosten in Höhe von 20 Millionen Euro in den Sand gesetzt; 120 direkte Arbeitsplätze und 200 weitere im Umfeld werden nicht entstehen.
SWS, ein Zusammenschluss von 61 regionalen Stadtwerken, begründete den Schritt im Anschluss an eine außerordentliche Gesellschafterversammlung mit einer fehlenden bundespolitischen Perspektive für die Stromerzeugung aus fossilen Quellen sowie der Ablehnung des Projekts durch die neue Küstenkoalition in Kiel. "Bisher hat die Landesregierung unser Projekt stets unterstützt, dies hat sich mit dem Regierungswechsel geändert", sagt der SWS-Aufsichtsratsvositzende Rainer Kübler in dem Ausstiegsbeschluss: "Wir bauen kein Kraftwerk gegen den Willen der Landesregierung."
Energiewendeminister begrüßt Entscheidung
So begrüßte der Kieler Energiewendeminister Robert Habeck (Grüne) denn auch umgehend die Entscheidung aus Tübingen: "Kohlekraft hat keinen Platz in der künftigen Energieversorgung in Schleswig-Holstein. Für die Energiewende setzen wir dagegen unter anderem auf effiziente Speichertechnologie." Gleichzeitig setzt er auf SWS als "willkommenen Partner, um die Erneuerbaren Energien im Land voranzubringen". Die neue Koalition aus SPD, Grünen und SSW hatte sich dagegen ausgesprochen, neue Kohlekraftwerke im Land zu bauen.
Brunsbüttel gehöre aber weiterhin zu den attraktivsten Standorten für ein Steinkohlekraftwerk in Deutschland, bescheinigt das Unternehmen dem Industriegebiet an der Unterelbe. Zugleich hebt es die "hohe Kompetenz der Behörden und der Standortgemeinde" hervor. Man habe großen Respekt vor den Behörden der Stadt, die das Vorhaben immer fair begleitet hätten, sagte SWS-Geschäftsführerin Bettina Morlok. Auch mit den wenigen Gegnern vor Ort habe man immer gut zusammenarbeiten und offene Diskussionen führen können. "Es ist schade, dass die ständigen Richtungswechsel und die Verzögerungen von Entscheidungen in der bundesdeutschen Energiepolitik letztendlich zu dem Beschluss geführt haben, das Projekt nicht mehr zu realisieren."
Leistungsstarkes Kraftwerk für Industrie von Bedeutung
Mit einer in zwei Blöcken erzeugten elektrischen Leistung von 1800 Megawatt und einem Wirkungsgrad von mehr als 46 Prozent hätte die Anlage zu den modernsten Steinkohlekraftwerken Europas gehört. Für die in Brunsbüttel ansässigen Unternehmen der chemischen und anderer Grundstoffindustrien ist ein leistungsstarkes Kraftwerk von großer Bedeutung. Zurzeit ist einzig das Kernkraftwerk Brokdorf am Netz. Der Atommeiler Brunsbüttel ist abgeschaltet. Pläne für ein Kohlekraftwerk des belgischen Electrabel-Konzers sind ebenfalls geplatzt.
Die Umweltorganisation Greenpeace begrüßte das Ende der Pläne: "Das ist ein guter Tag für die Energiewende", sagte Daniel Plöger von Greenpeace. "Südweststrom hat endlich eingesehen, dass klimaschädliche Kohlekraftwerke in Deutschland keine Zukunft haben."

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