Abschied von der Sommergarderobe : Swap-Party oder Altkleidercontainer: Wohin mit alter Kleidung?

Jetzt kommen sie wieder zum Vorschein: Fehlkäufe und Schrankleichen. shz.de zeigt, wie man die ausgediente Textilien loswird.

Avatar_shz von
03. Dezember 2014, 20:16 Uhr

Wenn die Temperaturen – so wie heute Morgen – unter Null fallen, wird auch der letzte von uns in Erwägung ziehen, seine Sommergarderobe einzumotten. Vielen fällt dabei ganz hinten im Schrank der immer größer werdende Haufen ins Auge, der sich durch seine Nichtgetragenheit auszeichnet: von Band-Shirts, die aus nostalgischen Gründen aus der Teenagerzeit herübergerettet wurden bis hin zum pompösen Abendkleid, das seinen einzigen glänzenden Auftritt auf der Silberhochzeit der Eltern hatte.

Doch auch zerrissene Jeans, unmodische Oberteile und löchrige Socken müssen nicht im Hausmüll enden. shz.de zeigt, wie man ausgedienten Textilien zu einem Leben nach dem Tod im heimischen Kleiderschrank verhelfen kann.

 

Verkaufen

Vor allem neuwertige oder modische Kleidungsstücke, gut erhaltene Kinderkleidung, Markenkleidung und besondere oder ausgefallene Stücke finden leicht auch zahlende Abnehmer. An manch einem Vintage-Schätzchen lässt sich auch nach Jahrzehnten noch eine annehmbare Summe verdienen – man muss nur wissen, wo.

Flohmarkt

imago63214784h.jpg
Imago/Levine-Roberts

Der Flohmarkt ist ein Second-Hand-Klassiker – aber auch ein Ort für Schnäppchenjäger. Hier ist kaum einer bereit, mehr als ein paar Euro für getragene Kleidungsstücke zu berappen. Entsprechend hat man auf dem Flohmarkt vor allem mit günstiger, aber gut erhaltener Kinderkleidung und preiswerten Stücken Erfolg. Bei der Preisgestaltung und Auswahl der zu verkaufenden Stücke sollte aber auch die Standmiete im Auge behalten werden – diese liegt in der Regel bei um die 20 Euro.

Im Winter werden in Schleswig-Holstein größtenteils Indoor-Flohmärkte veranstaltet – danach sollte man sich richten, wenn man selbst nicht stundenlang in der Kälte stehen möchte, und auch die Kaufkraft der Flohmarktbummler ist größer, wenn die Finger nicht kurz vorm Abfrieren sind. Aktuelle Termine für Schleswig-Holstein stehen online.

In den letzten Jahren haben unter Second-Hand-Enthusiasten speziell zielgruppenorientierte Märkte an Popularität dazugewonnen. Einer dieser besonderen Flohmärkte ist der „Mädelsflohmarkt“, der sich an Frauen und deren Kleiderschränke richtet. Die Idee stammt aus dem Norden: Zwei Hamburgerinnen haben 2009 erstmals einen Mädelsflohmarkt organisiert. Aktuelle Termine für Hamburg sind auf der Facebook-Page des Events zu finden.

Kleidungsstücke präsentiert man potentiellen Kunden am besten nach Größen sortiert an einer Kleiderstange. Besondere Stücke sollten als „Kundenfänger“ separat auf dem Verkaufstisch platziert werden.

Online-Bekleidungsportale

Kleiderkreisel-Screetshot.JPG
Kleiderkreisel Screetshot
 

„Kämpfe stilvoll gegen Verschwendung”, ist das Motto der derzeit angesagtesten deutschen Online-Modebörse Kleiderkreisel. Der riesige Katalog dort umfasst nach derzeitigem Stand fast 12.800.000 Kleidungsstücke aus zweiter Hand, die zum Verkauf stehen oder untereinander getauscht werden können.

Bisher lief ein Verkauf auf der Plattform gebührenfrei und allein über das Vertrauenssystem, was in einigen Fällen leider ausgenutzt wurde. Nun wollen die Gründer aus dem einstigen Studenten-Start-Up ein profitables Unternehmen machen – und sorgten mit der Ankündigung eines gebührenpflichtigen Bezahlsystems für massiven Gegenwind aus der eigenen Community. Inzwischen wurde auf Kleiderkreisel wieder zurückgerudert. Vorerst soll das Bezahlsystem von den Verkäufern optional wählbar sein.

Kinderkleidung und Spielzeug kann man auf dem noch relativ jungen Ableger Mamikreisel verkaufen. Alternativen zu Kleiderkreisel sind Plattformen wie Kleiderkorb oder Mädchenflohmarkt, die nach einem ähnlichen Prinzip funktionieren.

Ebay

Ebay und Ebay Kleinanzeigen gelten nach wie vor als die wichtigsten Verkaufsplattformen für gebrauchte Waren aller Art – auch ungeliebte Kleidungsstücke lassen sich hier zu Geld machen. Während auf Ebay eine vom Startgebot des Artikels abhängige Gebühr anfällt, ist die kleine Schwester Ebay Kleinanzeigen für Verkäufer kostenlos. Hier wird direkt ein Festpreis bestimmt. 

Verkaufsentscheidend ist bei Ebay neben einem ansprechenden Artikelfoto eine geschickte Beschreibung, damit das entsprechende Stück von Interessenten und Bietern leicht gefunden werden kann. Vor allem bei Kinderkleidung sind Pakete aus mehreren Stücken einer Größe sehr beliebt – das spart auch dem Verkäufer Zeit und Nerven.

Da Ebay-Auktionen in der Regel nicht viel länger als eine Woche laufen, sollten Anbieter sich nach der jeweiligen Saison richten. Winterjacken finden derzeit wohl eher einen dankbaren Abnehmer als Sommerkleidchen.

Second-Hand-Shops

secon-hand-kleidung.
Imago/Reporters
 

Second-Hand-Kleidung ist wieder im Kommen – vor allem ausgefallene Retromode oder Designerstücke werden von Second-Hand-Boutiquen deshalb mit Kusshand genommen. „No Name“-Kleidung und Basics hingegen werden meist direkt aussortiert. Wer gefragte Kleidung anzubieten hat, wird hier große Mengen auf einmal los und spart so Zeit, die sonst für Fotos, Artikelbeschreibungen und das Verschicken der Kleidung draufgehen würde.

Jedoch müssen die Betreiber von Second-Hand-Läden durch ihre Verkäufe eigene Kosten decken, daher ist der Verdienst für den Anbieter eher gering. Einige Läden bieten zusätzlich die Möglichkeit, Kleidungsstücke in Kommission zu geben. Wer Kleidungsstücke zum Ankauf anbieten möchte, sollte vorher telefonisch einen Termin mit der Second-Hand-Boutique seiner Wahl vereinbaren.

 

Tauschen

Kampf dem Kommerz heißt es auch, wo alte Kleidung gegen neue eingetauscht wird. Neben den bekannten Onlineplattformen findet der Tausch von gut erhaltenen Kleidungsstücken vermehrt auf organisierten Events statt.

Tauschparties

imago58535168h.jpg
Imago/Ralph Peters
 

„Stoffwechsel“ und „Farinopoli“ – so heißen die zahlreichen Kleidertausch-Zusammenkünfte für den nachhaltigen Konsum, die sich auch in Schleswig-Holstein und Hamburg immer größerer Beliebtheit erfreuen. Von kleinen, privat organisierten Events über den Hochschulkleidertausch zwischen den Seminaren bis hin zu großen Veranstaltungen in Kulturzentren wie dem Flensburger Kühlhaus oder im Hamburger Schanzenviertel hat sich das Konzept des Kleiderauftragens inzwischen im Norden Deutschlands etabliert. 

Das Prinzip ist einfach: Jeder Teilnehmer nimmt ein paar ausrangierte Stücke in gutem Zustand mit und bekommt dafür Marken, die er dann gegen andere zum Tausch stehende Schätze einlösen kann. Eine grobe Übersicht über künftige und vergangene Events in ganz Deutschland gibt es auf der Facebook-Seite von Klamottentausch.net.

Umsonstläden

Umsonstladen-Berlin
Imago/Steinach

Das Prinzip „Umsonstladen“ ist im Norden Deutschlands bisher noch nicht sehr präsent. Dabei stammt der erste deutsche Umsonstladen sogar aus Hamburg-Altona. Im Kieler Lessingbad war 2011 der „Klamotten-Tausch-Laden“ für eine begrenzte Zeit ansässig und erfolgreich – in der Schinkeler Möhl im Kreis Rendsburg-Eckernförde bekommt man seit 2006 neben Kleidung auch Bücher, Spielzeug und Haushaltsartikel umsonst. Auch in der Flensburger Luftschlossfabrik gibt es einen kleinen Umsonstladen. Solche Organisationen können sich nur mit ehrenamtlichen Mitarbeitern und Tauschgütern halten – gebrauchte Kleidung kann also auch in Umsonstläden abgegeben werden. Ein direkter Tausch ist hier übrigens nicht vorgeschrieben. Wer etwas findet, darf es behalten. Ob nun im Gegenzug etwas abgegeben wurde oder nicht.

In Hamburg betreibt der Arbeitskreis Lokale Ökonomie Hamburg inzwischen zwei Läden: Einen im Gängeviertel und einen in der Stresemannstraße. Damit verfolgt der Arbeitskreis zum einen gesellschaftliche, zum anderen ökologische Interessen. So steht der Umsonstladen jedem offen – genau wie die Anregung, das eigene Konsumverhalten zu reflektieren und anzupassen. Weitere Informationen finden sich auf der Homepage des Arbeitskreises.

Kleidung, die bei den Umsonstläden abgegeben wird, sollte an die aktuelle Jahreszeit angepasst sein. Mehr als fünf gut erhaltene Stücke auf einmal werden nicht benötigt.

Swapping-Portale

Unbenannt.JPG
Screenshot Zamaro
 

Neben Kleiderkreisel und Co. gibt es online auch sogenannte Swapping-Portale, die ausschließlich auf den Kleidertausch ausgelegt sind. Das 2012 gegründete Portal Zamaro ist der deutsche Marktführer unter den reinen Tauschportalen. Dort wird gebrauchte Kleidung eingeschickt und je nach Marke und Qualität in Punkte umgewandelt, mit denen wiederum andere Kleidung aus dem Katalog ausgewählt werden kann. Das Fotografieren und Einstellen sowie den Versand der Artikel werden von Zamaro übernommen. Das Ganze ist nach Unternehmensangaben bis auf eine Abgabe für Versand und Verpackung für den Tauschwilligen gebührenfrei. 

H&M – „Garment Collecting“

Was viele nicht wissen: Beim schwedischen Bekleidungsriesen H&M kann man nicht nur neue Schrankleichen anschaffen, sondern auch alte entsorgen – dafür gibt es sogar Prozente.  Pro Tag kann man in jeder Filiale bis zu zwei Tüten voll mit alten Textilien abgeben und gegen 15 Prozent-Gutscheine für je einen Artikel eintauschen. Der Zustand der eingereichten Textilien ist dabei egal: Die Kleidung darf löchrig, verfärbt und verdreckt sein. Und auch die Herkunft des Textils spielt keine Rolle – Hauptsache ist, dass es sich um Stoff handelt.

Die eingereichte Kleidung wird später ihrem Zustand entsprechend verwertet: Gute, tragbare Kleidung wird weltweit als Second-Hand-Kleidung verkauft. Textilien, die nicht mehr getragen werden können, werden recycelt – etwa als Putzlappen, aber auch als Dämm- und Isolierstoff. Das Unternehmen verdient an der Aktion nach eigenen Angaben nicht. Deutschlandweit konnten so bereits 1.715.260 Kilogramm Kleidung verwertet werden. Mehr Informationen gibt es auf der Webseite des Unternehmens.

Spenden

Gerade in der Weihnachtszeit überkommt den ein- oder anderen vermehrt der Wunsch nach guten Taten. Was eignet sich da besser als eine großzügige Kleiderspende? Nicht aus jedem ausgedienten Kleidungsstück muss maximaler Profit herausgeholt werden. Es gibt viele Möglichkeiten, gut erhaltene Kleidung an Bedürftige weiterzuleiten – doch nicht alle Varianten sind seriös.

Altkleidercontainer

Altkleidercontainer-DRK
Imago/Schöning
 

Ein Großteil der Altkleider landet noch immer im Container. Bis zu 750.000 Tonnen Textilien werden so deutschlandweit jährlich entsorgt. Doch nicht alle Sammelcontainer wurden legal aufgestellt. Oft stecken dubiose Organisationen und gewerbliche Kleidersammler hinter dem vermeintlich karitativen Zweck. Ein Indiz für unseriöse Organisationen ist eine unzureichende Kontaktangabe auf Containern oder Flugzetteln – so finden sich dort oft nur Handynummern und keine Adressen. Hinter Straßensammlungen mit Wäschekörben und Flugzetteln stecken ebenfalls häufig rein kommerzielle Sammlungen, die unter dem Vorwand der Gemeinnützigkeit agieren.

Ist ein Siegel des Dachverbandes FairWertung e.V. auf dem Container, kann man ihn jedoch mit gutem Gewissen füttern. Kleidung, die in so markierte Container gegeben wird, kommt immer sozialen Projekten zu Gute – entweder durch die Ausgabe der Kleider an Bedürftige oder durch den Erlös aus Verkäufen ins Ausland. Auch Container des Deutschen Roten Kreuzes sind vertrauenswürdig.

Da auf diesem Weg jährlich sehr viel mehr Altkleider gespendet werden, als in Deutschland für soziale Zwecke tatsächlich benötigt werden, landet ein Teil der Altkleider im Ausland – auch solche aus karitativen Sammelcontainern. Nach Angaben des Dachverbandes FairWertung werden diese Kleider hauptsächlich nach Osteuropa, Afrika und in den Mittleren Osten verkauft. Dort wird die Kleidung auf Märkten und in Second-Hand-Läden weiterverkauft. Kaputte oder stark verschmutzte Kleidung wird zu Putzlappen oder Dämmmaterial recycelt.

Obwohl die Erlöse aus den Verkäufen sozialen Projekten in Deutschland zu Gute kommen, gibt es auch Gegner der Altkleiderspende: Viele kritisieren, dass die Kleidungsimporte aus Europa sich negativ auf die Textilwirtschaft in Entwicklungsländern auswirken.

Kleiderkammern/Karitative Einrichtungen

Kleiderkammer
Imago/Lars Reimann

Wer ganz sicher gehen will, dass gespendete Kleidung bei bedürftigen Menschen in Deutschland landet, kann sich an eine der vielen Kleiderkammern im Land wenden. Dort werden die Kleidungsstücke für einen geringen Betrag an Geringverdiener oder Hartz IV-Empfänger weiterverkauft oder verschenkt. In ganz Schleswig-Holstein betreiben beispielsweise Caritas, AWO und das DRK solche Anlaufstellen. Auf der Webseite des DRK lässt sich die nächste Kleiderkammer über eine Suchmaske ermitteln.

Auch Sozialkaufhäuser, Bahnhofsmissionen, Flüchtlingsunterkünfte und andere karitative Einrichtungen freuen sich über Kleiderspenden. Bei den entsprechenden Einrichtung sollte am besten direkt nachgefragt werden, ob und welche Spenden benötigt werden. Auskunft über Einrichtungen kann bei der Stadtverwaltung eingeholt werden.

Packmee – Kleiderspende im Karton

Pressefoto_Sola_u_Schmitz_Texforcare-packmee.jpg
Packmee

Seit 2012 können mit Packmee, einem neuartigen Sammel- und Spendensystem, gut erhaltene Kleidung, Haushaltstextilien, Accessoires und Schuhe direkt an der Haustür dem Paketboten übergeben werden. Die Spende mit Packmee ist also nicht nur bequem, ab fünf Kilo ist der Versand von alten Kleidern zudem kostenlos.

Das Unternehmen will sich vor allem in Sachen Transparenz von der Konkurrenz abheben. Gespendete Kleidung wird verkauft, der Erlös wird dann zu mindestens 50 Prozent an karitative Einrichtungen weitergeleitet. Auf der Webseite des Unternehmens lässt sich einsehen, wie viel Geld welchem Zweck aus den Erlösen der Kleiderspenden zugekommen ist. Paketaufkleber können auf der Webseite der Organisation ausgedruckt werden.

 

Upcycling

Aus Hose wird Tasche, Aus Hemd wird Kleid – ausgediente Kleidung muss gar nicht zwingend den eigenen Haushalt verlassen. Beim Upcycling verwerten handwerklich Begabte ausgediente Kleidungsstücke zu neuen Kunstwerken. Mit Schere und Nähmaschine wird dabei alten Stoffen zu Leibe gerückt, um ihnen in einem anderen Kontext neues Leben einzuhauchen. Inspiration finden kreative Köpfe beispielsweise in dem sozialen Netzwerk Pinterest

Upcycling-Nähen-Schneidern
Imago/epd

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen