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WC-Regelung : Supermärkte: Kunden fordern Pflicht-Toiletten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In Schleswig-Holstein wird über eine WC-Regelung für den Einzelhandel debattiert. Denn immer wieder werden Kunden mit ihrem dringenden Bedürfnis schroff abgewiesen.

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erstellt am 25.Okt.2014 | 18:11 Uhr

So schnell wurde aus dem natürlichen Bedürfnis eine Notlage: Als Jaschka Zimmermann in der Flensburger Innenstadt unterwegs war, musste ihr vierjähriger Sohn plötzlich auf die Toilette. Öffentliche WCs waren nicht in der Nähe. Also fragte Zimmermann in der Filiale einer großen Drogeriekette. „Dort antwortete man mir nur unhöflich: ,Wir sind hier nicht die Wohlfahrt‘“, beschwert sich die Floristin. Den Weg zum nächsten Karstadt schaffte ihr Sohn nicht mehr. „Wir mussten uns dann ein Taxi nach Hause nehmen, damit er sich in den nassen Hosen nicht erkältet“, sagt Zimmermann.

Immer wieder wünschen sich Kunden wie die junge Mutter Toiletten beim Einkaufen. Berliner Politiker haben jetzt reagiert: Wer in Zukunft eine Baugenehmigung für einen 800 Quadratmeter großen Supermarkt bekommen möchte, muss auch ein Kunden-WC einplanen. Das haben die Leiter der Bezirksbauaufsichten beschlossen, nachdem in einigen Stadtteilen Forderungen danach laut wurden.

Ein Vorbild für Schleswig-Holstein? Wenn es nach dem Landesseniorenrat geht: Ja. „Wir haben viele Beschwerden von älteren Menschen bekommen, die in Supermärkten vergeblich nach einer Toilette gesucht haben“, berichtet Dr. Heinz-Dieter Weigert, Vorsitzender des Vereins. Als Arzt kennt er sich mit den Bedürfnissen älterer Menschen aus. Sie bräuchten länger für einen Einkauf. „Für Blasenkranke oder Prostatageschädigte ist das ein Problem.“

Die Vertreter für Senioren in Schleswig-Holstein haben deshalb im Altenparlament des Landtags einen Beschluss gefasst. „Wir haben den Landtag und die Landesregierung aufgefordert verbindliche Vorgaben für kostenfreie und zugängige Toiletten in Verkaufsbereichen in die Landesbauverordnung aufzunehmen“, sagt Weigert.

Von der Größe des Marktes will er diese Pflicht nicht abhängig machen: „Bei 799 Quadratmetern muss man genauso auf Toilette wie bei 800.“ Weigert sieht die Verantwortung nicht nur bei den Märkten sondern auch bei den Vermietern der Immobilien. „Dort fängt das Problem bei der Planung ja schon an.“

Für Toilettenräume in Supermärkten gibt es in der Landesbauordnung keine Reglung, heißt es aus dem zuständigen Innenministerium. „Das Ministerium erarbeitet derzeit eine Stellungnahme zu dem Beschluss des Altenparlaments“, sagte Pressesprecher Thomas Giebeler. Sie soll am 19. Dezember an den Präsidenten des Schleswig-Holsteinischen Landtags übersendet werden. Das Altenparlament wird jährlich vom Landtagspräsidenten eingeladen, um in Kiel über Probleme und Wünsche zu diskutieren. Die Beschlüsse sind nicht bindend. Trotzdem prüfen die Parteien die Forderungen. „Wir begrüßen den Vorstoß. Gerade auch für Senioren oder für Eltern von kleinen Kindern ist das super“, sagte Marret Bohn, sozialpolitische Sprecherin der Grünen, unserer Zeitung.

Der Einzelhandel lehnt Vorgaben wie in Berlin ab. „Durch den demografischen Wandel ist das Müssen müssen für uns ein Thema. Es sollte aber eine unternehmerische Entscheidung bleiben“, sagte Monika Dürrer, Geschäftsführerin des Einzelhandelsverband Nord (EHV). Viele Händler würden das generationenfreundliche Einkaufen bereits als Wettbewerbsvorteil erkannt haben. Eine Kunden-Toilette gehöre zu diesem Konzept dazu. Doch nicht immer würden die örtlichen Begebenheiten eine öffentliche Toilette zulassen.

Ob Kunden die Mitarbeiter-Toilette nutzen dürfen, sei eine Kulanz-Entscheidung. „Die meisten sagen: ,Ja‘“, so Dürrer. Komplizierter wird es in Läden mit Hygienevorschriften: „Hier muss der Unternehmer sicherstellen, dass zum Beispiel Lebensmittel nicht kontaminiert werden. Diese Pflicht wird keiner aufs Spiel setzen.“

 

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