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Leere Bäume im Kreis Dithmarschen : Süßmostereien fehlen die Äpfel

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Leere Bäume: In Schleswig-Holstein gibt es 71 Prozent weniger Äpfel als im Vorjahr. Die Preise steigen um 20 Prozent. „Es ist eine Katastrophe, seit 20 Jahren habe ich so etwas nicht erlebt“, sagt Frank Schmidt, Chef einer Süßmosterei im Kreis Dithmarschen.

In guten Jahren sind die riesigen Lagerboxen übervoll mit Äpfeln und die automatische Presse der Süßmosterei „Deutsche Eiche“ in Burg (Dithmarschen) verarbeitet bis zu zehn Tonnen Obst in der Stunde. Doch in dieser Saison geht fast gar nichts.

„Uns fehlen die Äpfel. Es ist eine Katastrophe, seit 20 Jahren habe ich so etwas nicht erlebt“, berichtet Firmenchef Frank Schmidt (54) und schwärmt vom Spitzenjahr 2000. Damals mussten Gartenliebhaber manchmal fünf Stunden warten, bis ihnen ihre Ernte abgenommen wurde. „Wir hatten am Tag 120 Tonnen, heute sind es vielleicht 150 Kilo“, sagt Schmidt, der in diesem Herbst mit einem Rückgang von etwa 80 Prozent rechnet.

Erste Schätzungen des Statistischen Bundesamtes bestätigen dies: Die gesamte Apfelernte in Schleswig-Holstein soll nur 2900 Tonnen bringen, im Vorjahr waren es etwa 10 000 Tonnen – das ist ein Minus um 71 Prozent. Entsprechend steigen die Preise, heimische Äpfel werden laut Händlerangaben in diesem Jahr zwischen 10 und 20 Prozent teurer sein als 2012.


Schuld ist der Winter


Schuld an den miserablen Erträgen sind der harte Winter – viele Knospen sind erfroren – sowie die Regenperiode im Mai. Schmidt: „Die Bienen flogen nicht, es war einfach zu kalt. So wurden die Blüten nicht bestäubt.“ Besonders an der Westküste litt die Blüte, da zusätzlich ein heftiger Wind wehte. „An den Bäumen an der Küste hängen nur ein paar Früchte, alles, was dem Wind ausgesetzt war, ist kaputt. Nur vereinzelt sind Bäume voller Äpfel.“ So wie bei Holger Tiedemann (37) aus Farnewinkel (Dithmarschen), der im Garten einen ganz alten Baum stehen hat. „Ich habe schon gehört, dass es woanders wenig Äpfel gibt. Aber unser Baum ist voll.“

Aus ganz Schleswig-Holstein und auch aus dem Gebiet südlich von Hamburg liefern Hobbygärtner ihre Ernte bei der Dithmarscher Süßmosterei an. Aus ihren eigenen Äpfeln erhalten sie den Saft aber nicht – alle Anlieferungen kommen auf eine Halde und wenn genügend Äpfel vorhanden sind, bringt Schmidt seine Presse in Schwung. „Gemischt wird alles, es gibt darunter Sorten, die es eigentlich schon gar nicht mehr gibt.“


Hoffnung: Die späten Äpfel


Gemostet wird sei fast 75 Jahren nach dem gleichen Verfahren. „Wir pressen immer noch kalt“, betont Schmidt. Erst beim Abfüllen werden Saft und Flasche kurzfristig bei 80 Grad pasteurisiert. „Werden die Flaschen im Dunkeln gelagert, halten sie mehrere Jahre.“ Für 100 Pfund Äpfel erhält der Kunde 40 Flaschen Saft, als Lohnkosten nimmt die Mosterei derzeit 70 Cent pro Flasche. In diesem Jahr begann die Ernte mit zweiwöchiger Verspätung, am 16. September nahm Schmidt die ersten Lieferungen entgegen. Gepresst hat er bislang aber nur einmal. Und dies auch nur, weil die wenig gelieferten Äpfel ansonsten vergammelt wären. Der Mosterei-Chef setzt ein wenig darauf, dass die Spätäpfel reichlicher sein werden und er rechnet damit, dass die Most-Saison nicht wie üblich in der ersten Oktober-Woche zu Ende geht, sondern erst Mitte November. „Denn viele Apfelsorten sind noch gar nicht reif.“

Magerer als im Vorjahr wird die Ernte auch im Alten Land ausfallen, wenn auch lange nicht so mager wie in Schleswig-Holstein. Wurden 2012 an der Elbe noch 33 500 Tonnen Äpfel geerntet, so sind es in diesem Jahr nur 27 800 Tonnen – ein Minus von 17 Prozent.

Damit liegt der Norden im Trend: Insgesamt werden bundesweit 794 000 Tonnen Äpfel geerntet, 2012 waren es noch 972 000 Tonnen (minus 18 Prozent). Nur in Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen sollen die Erträge steigen. Frank Schmidt richtet derweil an alle Gartenbesitzer den Appell, auch die kleinste Ernte nicht vergammeln zu lassen, sondern daraus naturreinen Saft pressen zu lassen, der übrigens nie gleich schmeckt. „Zucker- und Säuregehalt sind immer unterschiedlich – wir machen Natur“.

 

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erstellt am 25.09.2013 | 18:45 Uhr

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