Sommersturm in SH : Sturmtief „Zeljko“: Straßen überflutet, große Schäden bleiben aus

Ein Pkw fährt am 25. Juli 2015 in Flensburg im Stadtteil Weiche über einen nach Starkregen überfluteten Ochsenweg unter einer Brücke hindurch. Sturmtief „Zeljko“ zog mit Sturm, Gewitter 
und Starkregen über den Norden hinweg.
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Ein Pkw fährt am 25. Juli 2015 in Flensburg im Stadtteil Weiche über einen nach Starkregen überfluteten Ochsenweg unter einer Brücke hindurch. Sturmtief „Zeljko“ zog mit Sturm, Gewitter und Starkregen über den Norden hinweg.

Einigen Sommerfesten macht „Zeljko“ einen Strich durch die Rechnung. Bäume knicken ab, Keller stehen unter Wasser. Doch der Sommersturm zeigt sich insgesamt gnädig.

shz.de von
26. Juli 2015, 11:12 Uhr

Flensburg | Sturmtief „Zeljko“ hat dem Norden eine ungemütliche Nacht bereitet. In zahlreichen Gebieten Schleswig-Holsteins gab es Probleme mit den enormen Wassermengen von oben. Größere Schäden richtete der Sturm aber nicht an, wie die Polizeireviere am Sonntagmorgen mitteilten. „Wir hatten ein bisschen mehr Wasser als sonst - aber das war's“, resümierte ein Sprecher der Polizei Flensburg. In der Flensburger Neustadt war es zu einigen Straßenüberschwemmungen gekommen. Zudem waren am Samstag eine ganze Reihe Volksfeste und Festivals abgesagt worden.

Der starke Wind brachte am Samstag die Fahrpläne zwischen der Hochseeinsel Helgoland und dem Festland sowie zwischen Neuwerk und Cuxhaven durcheinander. Die Fähren zu den Nordfriesischen Inseln und Halligen sowie die Elbfähre Glückstadt-Wischhafen und der Sylt-Shuttle fuhren jedoch fahrplanmäßig.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte bereits im Vorfeld besonders an der Nordsee vor orkanartigen Böen mit Windstärken von rund 110 Stundenkilometern gewarnt - zwischen 85 und 100 Stundenkilometer erreichte „Zeljko“ schließlich. Das sei für Ende Juli schon außergewöhnlich gewesen, sagte ein Sprecher des Wetterdienstes am Sonntag.

In Hamburg rückten nach Polizeiangaben Einsatzkräfte in der Nacht rund 50 Mal aus, weil Straßenlaternen oder Bauzäune umfielen oder zu fallen drohten, Äste abbrachen und sich in Kellern Wasser ansammelte. Alles in allem sei das Einsatzaufkommen aber weit hinter dem zurückgeblieben, was befürchtet wurde, sagte ein Polizeisprecher. In Heimfeld war am Samstag zudem ein Güterzug trotz Schnellbremsung gegen einen auf das Gleis gestürzten Baum geprallt. Dabei wurde die Oberleitung auf 400 Metern beschädigt. Einige Masten knickten um.

Bereits in der Nacht zu Samstag war in Hamburg-Francop ein Reetdachhaus in Flammen aufgegangen - vermutlich hatte dort ein Blitz in Folge des Unwetters eingeschlagen.

In Hamburg-Francop brannte ein Reetdachhaus nieder. Die drei Bewohner wurden gerettet.
Foto: Daniel Bockwoldt/dpa
In Hamburg-Francop brannte ein Reetdachhaus nieder. Die drei Bewohner wurden gerettet.
 

Einsatzkräfte hatten in der Hansestadt die Zelte für rund 2000 Flüchtlinge sturmfest gemacht. Zwischenzeitlich war eine Evakuierung der Zelte an sechs Standorten in Erwägung gezogen worden. „Wir haben die Wetterprognosen fortlaufend verfolgt und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass dies nicht erforderlich ist“, berichtete Björn Domroese von der Innenbehörde am Samstag nach einer Beratung von Polizei und der Katastrophenschutz. Die Nacht zu Sonntag sei dann auch ohne große Probleme verlaufen, hieß es.

Auch in Niedersachsen entwurzelte der Sturm Bäume, beschädigte Oberleitungen der Bahn und löste Streckensperrungen aus. Zuvor war das Tief über die Niederlande hinweggefegt. Dort wurde ein Autofahrer von einem umstürzenden Baum getötet. Die dänische Ortschaft Skrydstrup bei Hadersleben meldet einen Rekord: Am Vormittag wurden 32 Millimeter Niederschlag registriert, am Nachmittag kamen weitere 36 hinzu, so dass mit 68 Millimetern innerhalb von zwölf Stunden mehr Regen vom Himmel fiel als im gesamten Monat Juli. Innerhalb einer halben Stunde verzeichnete man dort eine Niederschlagsmenge von 20 Millimeter.

Sturmtief „Zeljko“ ist auch über Hessen hinweggefegt: Dieses Auto wurde in Kassel von einem herabstürzenden Ast beschädigt.
Foto: we Zucchi /dpa
Sturmtief „Zeljko“ ist auch über Hessen hinweggefegt: Dieses Auto wurde in Kassel von einem herabstürzenden Ast beschädigt.
 

Am Sonntag herrscht in Deutschland die Ruhe nach dem Sturm. Es wird ein Mix aus Sonne, Wolken und Wind erwartet, wie der Deutsche Wetterdienst mitteilte. Die Landwirte wird diese Wetterlage freuen, denn nach den starken Niederschlägen muss die reife Gerste möglichst schnell trocknen, damit die Erntearbeiten weitergeführt werden können. In der Nacht von Montag auf Dienstag könnte es laut Prognose des dänischen Wetterdienstes DMI allerdings erneut zu heftigen Regenfällen kommen.

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