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Mehrere Tote in Deutschland : Sturmtief „Niklas“: Das große Aufräumen in SH und Hamburg

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Die Feuerwehren sind auch am Mittwoch wieder im Einsatz. Und Bahnkunden brauchen Geduld. Donnerstag kann es glatt werden.

shz.de von
erstellt am 01.04.2015 | 14:00 Uhr

Hamburg/Kiel | Schleswig-Holstein und Hamburg haben den Durchzug von Orkan „Niklas“ vergleichsweise glimpflich überstanden. Ernsthaft verletzt wurde im Norden niemand. Im Gegensatz zu früheren Stürmen gab es in den Wäldern Schleswig-Holsteins keine großflächigen Schäden. Nur einzelne Bäume seien von Sturmböen geknickt worden, sagte Sprecher Sönke Wendland vom Kieler Umweltministerium.

„Niklas“ war einer der stärksten Stürme der vergangenen Jahre in Deutschland. Mit Böen von bis zu 192 Stundenkilometern entwurzelte er am Dienstag vielerorts Bäume, er beschädigte Autos, Häuser und Stromleitungen. Es gab mehrere Tote. Auch SH und Hamburg waren teilweise vom Sturmtief stark betroffen, im Vergleich zu anderen Teilen des Landes ging es für den Norden aber glimpflich aus.

Die Feuerwehren waren auch am Mittwoch mit Aufräumarbeiten beschäftigt. In Hamburg und im südlichen Schleswig-Holstein gab es Dutzende wetterbedingte Einsätze. Vor allem umgestürzte Bäume hätten geräumt werden müssen, sagte Hamburgs Feuerwehrsprecher Hendrik Frese. Am Dienstag hatten die Feuerwehrleute in Hamburg und Schleswig-Holstein weit mehr als 1000 Mal wegen Sturmschäden ausrücken müssen. Allein im Kreis Pinneberg gab es 238 Einsätze. Das waren sogar mehr als im Dezember 2013 bei Sturmtief „Xaver“, wo es 209 Einsätze gab.

In Hamburg gehörten die Evakuierung einer U-Bahn mit 200 Fahrgästen in Farmsen und die Sicherung von Booten im Holzhafen in Moorfleet zu den größeren Einsätzen. An der Elbphilharmonie stürzte ein Baugerüst aus 30 Meter Höhe auf den Kai und Teile davon in die Elbe. „Es hätte Tote geben können“, sagte Frese. Zum Glück sei aber niemand verletzt worden.

Ein Baugerüst wurde in Hamburg im Stadtteil Winterhude von Sturmböen aus der Verankerung gerissen worden.
Ein Baugerüst wurde in Hamburg im Stadtteil Winterhude von Sturmböen aus der Verankerung gerissen worden. Foto: dpa

Am Hamburger Flughafen fielen am Mittwoch noch zwei Ankünfte und neun Abflüge aus, wie eine Sprecherin mitteilte. Der Flugbetrieb sollte sich aber im Tagesverlauf genauso normalisieren wie der Schienenverkehr. Die Hamburger U-Bahnen fahren nach Angaben eines Hochbahn-Sprechers wieder nach Plan. „Beim Regionalverkehr läuft in Schleswig-Holstein und Hamburg alles normal“, sagte ein Bahnsprecher.

Aber wer mit der Bahn in die Ferne fahren wollte, brauchte auch am Mittwoch Geduld. Weil einige Züge in der Nacht sturmbedingt gestoppt worden waren, verspäteten sich Abfahrten. Wegen eines auf die Oberleitung gestürzten Baumes hatte ein mit 400 Passagieren besetzter ICE am Dienstagabend auf freier Strecke zwischen Reinbek und Schwarzenbek (Kreis Herzogtum Lauenburg) eine Notbremsung einleiten müssen. Ein Reisender wurde dabei leicht verletzt. Die Passagiere mussten knapp vier Stunden ausharren, bevor der Zug mit einer Diesellok gegen 22 Uhr in den Bahnhof von Schwarzenbek geschleppt werden konnte.

Eine erwartete Sturmflut an der Elbe blieb in der Nacht aus. Der Wasserstand erreichte nur 1,29 Meter über dem normalen Hochwasser. An der Nordseeküste genossen am Mittwoch zahlreiche „Sturmtouristen“ den Nachhall von Orkantief „Niklas“.

Die Lage im Schiffsverkehr entspannt sich zusehends. Bei blauem Himmel und Sonnenschein fuhren im Wattenmeer ein Teil der Fähren wieder und verbanden die Nordfriesischen Inseln und Halligen mit dem Festland.

Unsere Kollegen haben in einem Video ein paar stürmische Impressionen von Dienstag von Sylt festgehalten.

Die Fährverbindungen zwischen Helgoland und Büsum beziehungsweise dem niedersächsischen Cuxhaven fielen jedoch wegen des stürmischen Wetters weiterhin aus. Auch die Fahrten zwischen Cuxhaven und der Insel Neuwerk fanden nicht statt. Einschränkungen gab es am Mittwoch beim Sylt-Shuttle, der wegen weiterhin kräftigen Windes nur noch Pkw und beladene Lastwagen mitnimmt.

„Niklas“ sei für Hamburg der schwerste Orkan seit „Christian“ am 28. Oktober 2013 gewesen, sagte Frank Böttcher vom Institut für Wetter- und Klimakommunikation. „Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen hat es ein so schweres Orkantief so spät in Mitteleuropa noch nicht gegeben.“ Böttcher erwartete nicht, dass die Sturmböen am Mittwoch noch größere Schäden anrichten. Er warnte jedoch für den Donnerstagmorgen vor Straßenglätte. In Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern sei mit Nachtfrost zu rechnen.

Wie „Niklas“ bis Donnerstagabend verläuft, erfahren Sie in diesem „Strömungsfilm“ des Deutschen Wetterdienstes (DWD):

Das passierte außerhalb von SH und Hamburg:

Während des Sturmtiefs kamen in Deutschland, Österreich und der Schweiz mindestens neun Menschen ums Leben. Zwar flaute der Sturm in der Nacht langsam ab - Bahnreisende müssen sich am Mittwoch aber auf weitere Behinderungen einstellen. „Denn unser Personal ist noch nicht überall an den Bahnhöfen, wo es planmäßig sein sollte“, sagte eine Bahnsprecherin der Deutschen Presse-Agentur.

In Bayern und Rheinland-Pfalz wurden eine Frau und zwei Männer erschlagen, als Bäume auf ihre Autos stürzten. In Sachsen-Anhalt tötete eine umgewehte Mauer einen Mann. Auch in Österreich und der Schweiz gab es zwei Unwettertote. Außerdem gab es mindestens drei Tote bei wetterbedingten Unfällen: Im baden-württembergischen Ostalbkreis starben zwei Männer auf einer schneebedeckten Straße. In Bayern wurde ein Mann bei starkem Hagel auf der Autobahn 95 getötet.

Vielerorts gab es Verletzte: In Weimar kippte ein Baum auf eine Mutter und ihre zwei Töchter, die auf einem Gehweg liefen. Eines der Mädchen im Alter von neun Jahren wurde dabei am Dienstag schwer verletzt.

Bundesweit waren Polizisten und Feuerwehrleute im Dauereinsatz. Am Flughafen in Frankfurt am Main fielen mehr als 180 Starts und Landungen aus. Angesichts der Wetterlage müsse auch für Mittwoch mit Einschränkungen im Flugbetrieb gerechnet werden, sagte ein Sprecher. In Hamburg waren 63 Flüge betroffen.

Für gestrandete Fahrgäste hatte die Bahn in mehreren Städten Übernachtungszüge bereitgestellt. In der Nacht zu Mittwoch seien aber viele Oberleitungen repariert worden, erklärte die Bahn. Im schwer von „Niklas“ getroffenen Nordrhein-Westfalen sagte eine Bahn-Sprecherin am Mittwochmorgen: „Alle Hauptstrecken sind wieder befahrbar.“ Einzelne Verbindungen fielen aber noch aus oder seien verspätet. Nicht alle Züge stünden am richtigen Einsatzort.

Zerstörter Triebwagen des Regionalexpresses Bayreuth-Nürnberg: Der Zug war in einen Baum gefahren, der zuvor durch Windböen des Sturmtiefs „Niklas“ umgeworfen worden war.
Zerstörter Triebwagen des Regionalexpresses Bayreuth-Nürnberg: Der Zug war in einen Baum gefahren, der zuvor durch Windböen des Sturmtiefs „Niklas“ umgeworfen worden war. Foto: dpa
 

Auf der Schiene ging am Dienstag vielerorts nichts mehr. In Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-vorpommern, Brandenburg und Berlin ruhte der Regionalverkehr teilweise seit dem Vormittag ganz. In Deutschlands größtem Bundesland Bayern wurde der Fernverkehr am Nachmittag komplett eingestellt. Anderswo rollte der Verkehr stark gedrosselt.

„Der Orkan Niklas hat die Bahn mit voller Wucht getroffen“, sagte Bahn-Sprecher Achim Stauß. „Wichtig ist, dass wir zum Osterreiseverkehr ab Donnerstag wieder alles in Schuss haben.“ Doch die Bahn ist mit schweren Sturmfolgen konfrontiert: „Die Sturmschäden vor allem an den Oberleitungen sind so großflächig und erheblich, dass es noch mehrere Tage dauern kann, bis wieder alle Linien bedient werden können“, teilte die Bahn am späten Dienstagabend mit.

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