Warnung vor umstürzenden Bäumen : Sturmtief „Grischa“: In Schleswig-Holsteins Wäldern besteht Lebensgefahr

Sturmtief „Xavier“ richtete Anfang Oktober große Schäden im Norden an und sorgte für Ausfälle bei der Bahn.
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Sturmtief „Xavier“ richtete Anfang Oktober große Schäden im Norden an und sorgte für Ausfälle bei der Bahn.

Nasse Böden und belaubte Bäume, dazu Sturmböen: Spaziergänger sollten Samstag und Sonntag Wälder meiden.

shz.de von
28. Oktober 2017, 07:30 Uhr

Kiel | Spaziergänger, aufgepasst! Für die Wälder im Norden prognostizieren Experten für die kommenden Tage ein beispielloses Risiko umstürzender Bäume. Als Grund nennt Jens Fickendey-Engels, Geschäftsführer des Schleswig-Holsteinischen Waldbesitzerverbandes, das ungewöhnliche Aufeinandertreffen gleich dreier Sonder-Faktoren: Am Samstag und Sonntag steht innerhalb von nur drei Wochen bereits der zweite Sturm ins Haus. Zugleich sind die Bäume noch zum Großteil belaubt, „so dass sie dem Wind wie ein Segel eine viel größere Angriffsfläche bieten als im Winter.“ Zudem ist der Boden durch die Rekord-Regenmengen „aufgeweicht ist wie ein Pudding“, so der Waldexperte. „Das Wasser kann nicht mehr nach unten. Der Boden ist vollgesogen wie ein Schwamm, und obendrauf steht auch noch Wasser.“

Folge: „So kann das Feinwurzelwerk manche Bäume nicht mehr halten – die Standfestigkeit ist stark herabgesetzt“, erklärt Fickendey-Engels. Deshalb warnt der Verband vor dem Betreten baumbestandener Flächen während des Wochenendsturms mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 130 Stundenkilometern. Aber auch in den Tagen danach rät Fickendey-Engels dringend, Wälder zu meiden: „Halbgelockertes kann dann nachrutschen.“

Auch fürs Aufräumen seien die Aussichten schlecht: Wegen durchmatschter Wege befürchten die Waldbesitzer, die 65 Prozent der 170.000 Hektar Forst im Land bewirtschaften, herabgestürztes Holz nicht räumen zu können. Und kommt es zu großen Schäden, „dann brächte das nach den massiven Verlusten bei den Stürmen Xaver und Christian vor vier Jahren für viele Betriebe das Fass zum Überlaufen“, sagt Fickendey-Engels.

Mit der Sturmvorhersage steigt zugleich die Ungewissheit für Bahnreisende, ob erneut Strecken gesperrt werden.

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