Skandinavien-Hoch „Irenäus“ : Sturmflutwarnung an der Ostsee, Zug fährt auf Hindernis

Kräftiger Ostwind hat in Flensburg den Pegel der Förde ansteigen lassen und das Wasser über die Kaimauer gedrückt.

Kräftiger Ostwind hat in Flensburg den Pegel der Förde ansteigen lassen und das Wasser über die Kaimauer gedrückt.

In Flensburg schwappt die Förde über, in Kiel wird ein Dach abgedeckt und die Insel-Fähren fahren eingeschränkt.

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16. März 2018, 20:23 Uhr

Kiel/Flensburg/Sylt | Der kräftige Ostwind mit teils orkanartigen Böen hat Teile Schleswig-Holsteins seit Donnerstagabend fest in Griff. Vielerorts an der Ostsee sorgte Hochwasser für Probleme, während an der Nordsee Niedrigwasser für Behinderungen im Fährverkehr sorgte. Sturmschäden hielten die Feuerwehren unter anderem in Kiel auf Trab, wo ein großes Dach abgedeckt wurde.

Sturmflutwarnung für Schleswig-Holsteins Ostseeküste
An einer Gaststätte nahe der Fördespitze in Flensburg wurde eine Hochwassersperre montiert.
Karsten Sörensen

An einer Gaststätte nahe der Fördespitze in Flensburg wurde eine Hochwassersperre montiert.

Das BSH gab am Freitagnachmittag eine Sturmflutwarnung für die schleswig-holsteinische Ostseeküste heraus. Bis Samstagvormittag werden dort maximale Wasserstände von bis zu 90 Zentimeter über dem mittleren Wasserstand erwartet. Laut BSH sind in Flensburg Spitzenwerte von 110 Zentimetern über dem mittleren Wasserstand möglich. Im Verlauf des Samstags wird in der Kieler und der Lübecker Bucht mit Wasserständen um einen Meter über dem mittleren Wasserstand gerechnet.

Sturmfluten an der deutschen Ostseeküste werden in folgende Klassen eingeteilt:

Sturmflut 1,0 bis 1,25 Meter über mittlerem Wasserstand
mittlere Sturmflut 1,25 bis 1,50 Meter über mittlerem Wasserstand
schwere Sturmflut 1,50 bis 2 Meter über mittlerem Wasserstand
sehr schwere Sturmflut mehr als 2 Meter über mittlerem Wasserstand

Rendsburger Hochbrücke: Zug fährt auf Hindernis

Zwischenfall Freitagnachmittag auf der Bahnstrecke von Kiel nach Husum: Ausgerechnet auf der Eisenbahn-Hochbrücke über dem Nord-Ostsee-Kanal war ein Regional-Express mit etwa 100 Reisenden  an Bord gegen mehrere Metallteile gefahren. „Wegen des Sturms hatten sich  eine Metalkabeltrommel und eine Metalleiter gelöst“, teilte Hanspeter Schwartz, Sprecher der Bundespolizeiinspektion Flensburg, mit. „Trotz Lansamfahrt und sofort eingeleiteter Bremsung konnte der Zug nicht mehr rechtzeitig stoppen.“ Glück im Unglück: Der Regional-Express habe dennoch langsam  bis in den Bahnhof Rendsburg weiterfahren können. Hier seien die Reisenden ausgestiegen. Der Schaden am Zug habe sich in Grenzen gehalten, er sei nach der Begutachtung von Rendsburg nach Kiel zurückgeleitet worden, sagte  Schwarz weiter. Wer dafür verantwortlich ist, dass die Teile auf der  Hochbrücke nicht gesichert waren, müsse nun ermittelt werden.

Leichte Überschwemmungen in Flensburg
  

In Flensburg drückte der Sturm das Ostseewasser in die Flensburger Förde: Am Freitagmorgen hat es deshalb leichte Überschwemmungen am Hafen gegeben. An der Nordsee sorgte Niedrigwasser für Einschränkungen im Fährverkehr auf die Inseln. Wie ein Sprecher der Polizei mitteilte, erreichte der Pegel in Flensburg seinen Höchststand mit 6,23 Metern gegen 4.30 Uhr. Das ist rund einen Meter über dem Mittelwert. Seitdem ist das Wasser wieder auf dem Rückmarsch. Etwa drei Stunden später stand der Pegel noch etwa auf Höhe der Kaimauer.

Das Wasser schwappte über die Ufer und umspülte einige geparkte Autos an der Schiffbrücke.
Gerrit Hencke

Das Wasser schwappte über die Ufer und umspülte einige geparkte Autos an der Schiffbrücke.

 

Insgesamt waren die Überflutungen jedoch unterhalb der Knie, wie eine Polizeisprecherin sagte. Demnach standen zwar einige Autos am Hafen auf der Seite der Museumswerft im Wasser, mussten jedoch nicht abgeschleppt werden. Schäden wegen des übergetretenen Wassers sind laut Polizei nicht zu erwarten. Der aktuelle Wasserstand an der Flensburger Förde lässt sich im Internet auf den Seiten des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrografie (BSH) nachsehen.

Land unter an der Schlei
 

Der Ostwind hat auch an der Schlei für einen um 1,40 Meter höheren Pegelstand als normal gesorgt. Der Stadthafen von Schleswig musste gegen das Hochwasser gesichert werden. In Maasholm lag der Pegel noch einen halben Meter höher.

Die aufgepeitschte Schlei am Ufer der Freiheit.
Sven Windmann
Die aufgepeitschte Schlei am Ufer der Freiheit.

In der Knud-Laward-Straße schwappte das Wasser über die Ufer.

Wasser steht auf der Knud-Laward-Straße.
Sven Windmann
Wasser steht auf der Knud-Laward-Straße.

Am Ufer der Freiheit wurde das Wohnschiff „Aquarius“, das normalerweise in der Kleinen Breite ankert, losgerissen. Es lief am Ufer auf Grund. Die Seenotretter waren im Einsatz, um das Schiff zu sichern.

Das Wohnschiff „Aquarius“ ist auf Grund gelaufen.
Sven Windmann
Das Wohnschiff „Aquarius“ ist auf Grund gelaufen.

Land unter herrschte auch an den Königswiesen. Der Steg des Domschul-Ruderclubs hatte sich da bereits aus der Verankerung gelöst, die Sportanlagen der Schule waren allesamt überflutet. Die Stadt sperrte den Strandweg ab Strandhalle – ebenso wie den Holmer Noorweg (von der Freiheit Richtung Ilensee).

In Eckernförde fegte der Sturm ebenfalls heftig. Zu größeren Schäden kam es aber bislang nicht. Die Stadt sagte vorsichtshalber die für Samstag geplante Aktion „Sauberes Schleswig-Holstein“ ab – zu gefährlich für die freiwilligen Müllsammler. Ob die Aktion nachgeholt wird, steht noch nicht fest. In Kappeln trat das Wasser am Nordhafen über die Ufer.

Niedrigwasser an der Nordsee behindert Fährverkehr


Während in Flensburg Hochwasser herrscht, drückt der Ostwind an der Nordsee das Wasser aus den Häfen. So kommt es auf der Föhr-Amrum-Linie am Freitag zu Änderungen im Fahrplan.

Ab Föhr fahren die Fähren folgendermaßen:

  • 17.40 Uhr und 18.40 Uhr nach Dagebüll: Fähre fällt aus
  • 19.40 Uhr und 20.55 Uhr nach Amrum: Fähre fällt aus
  • 21.30 Uhr Zusatzverbindung nach Dagebüll
  • 23.25 Uhr Zusatzverbindung nach Amrum
     

Die Fähren ab Dagebüll fahren folgendermaßen:

  • 18.45 Uhr und 20 Uhr nach Föhr und Amrum: Fähre fällt aus
  • 22.30 Uhr Zusatzverbindung nach Föhr und Amrum

Die Fähren ab Amrum fahren eingeschränkt:

  • 17.25 Uhr Föhr und Dagebüll: Fähre fällt aus
  • 20.30 Uhr Zusatzverbindung nach Föhr und Dagebüll

Auf der Hallig-Linie fährt die „Hauke Haien“ wegen des Niedrigwassers den Fahrplan wie samstags. Aktuelle Infos zu den Fährlinien finden Sie auch hier.

Alte Kastanie in Kiel umgefallen

Eine kräftige Sturmboe hat am Freitagabend an der Kiellinie beim Schülerbootshaus in Kiel eine alte Kastanie umgeweht. 
Dabei wurde das Gebäude beschädigt. Menschen wurden zum Glück nicht verletzt. Die Polizei hat den gefährdeten Bereich mit Flatterband abgesperrt. 

Der Baum beschädigte das Bootshaus.
Peter Wüst
Der Baum beschädigte das Bootshaus.
 

Kieler Innenstadt: Sturm beschädigt Dach des Howe-Hauses

Der Sturm hat in der Kieler Innenstadt am Freitagvormittag für einen Einsatz von Feuerwehr und Polizei gesorgt. Das Dach des Howe-Hauses wurde durch den Wind stark beschädigt. Passanten hatten die Feuerwehr und die Polizei alarmiert, nach dem sich das Dach immer wieder anhob und wieder absenkte.

Die Feuerwehr ist am Freitagmittag am Europaplatz im Einsatz.
Rolf Dunkel

Die Feuerwehr ist am Freitagmittag am Europaplatz im Einsatz.

 

Der Bereich um den Europaplatz und die Holstenstraße zwischen Europa- und Asmus-Bremer-Platz wurde umgehend weiträumig abgesperrt. Kurz darauf flogen große Teile des Daches bereits auf den Platz.

 

Nach Angaben der „Kieler Nachrichten“ wird die Holstenstraße noch Stunden gesperrt bleiben. Aus Sicherheitsgründen kletterten keine Feuerwehrleute mehr auf das Dach. Eine Person wurde nach Angaben der Polizei leicht verletzt.

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Universität setzt Lehrbetrieb aus Sicherheitsgründen aus
 

An der Christian-Albrechts-Universität in Kiel ist aufgrund der Wetterprognosse der Dienst-, Lehr-, und Veranstaltungsbetrieb in den Anger-Bauten (Ludewig-Meyn-Straße 2, 4, 6, 10, 12, 14, 16 und Hermann-Rodewald-Straße 5, 7, 9) und den angrenzenden Parkplätzen an der seit 14 Uhr bis Samstag um 9 Uhr eingestellt.

Die sechs roten Anger-Bauten vorn sind bei starkem Wind nicht mehr standsicher – sie werden bis 2020 geräumt. Vier Neubauten sollen entstehen.
sh:z
Die sechs roten Anger-Bauten vorn sind bei starkem Wind nicht mehr standsicher – sie werden bis 2020 geräumt. Vier Neubauten sollen entstehen.
 

Alle anderen Gebäude und Flächen der Kieler Universität bleiben regulär geöffnet.

Sturm und technischer Defekt verzögern Ankunft der Stena Scandinavica


Der Einlauf des schwedischen Fährschiffs „Stena Scandinavica“ in den Kieler Hafen hat sich wegen des Sturms am Freitagvormittag ebenfalls verzögert. Die Ankunft am Schwedenkai um 9.15 Uhr sollte zunächst wie geplant stattfinden, doch das Schiff drehte und steuerte auf die Mönkeberger Bucht zu. Dort ging das Schiff auf Reede.

Der „Stena Scandinavica“ machen Sturm und ein defekter Stabilisator zu schaffen.
Rolf Dunkel

Der „Stena Scandinavica“ machen Sturm und ein defekter Stabilisator zu schaffen.

 

Grund ist nach Angaben eines Sprechers der Reederei der derzeitige Sturm, der schwere Sturmböen von bis zu Windstärke 10 aus östlicher Richtung der Kieler Förde beschert sowie ein technischer Defekt der Hydraulik am Stabilisator, der sich nach weiteren Angaben derzeit noch nicht einholen lässt. Die Fähre kann bei stürmischer See Stabilisatoren ausfahren, damit die Passsagiere an Bord nicht so starken Schiffsschwankungen ausgesetzt sind.

Durch den Defekt war ein Anlegen auf der entsprechenden Schiffsseite nicht möglich. Rückwärts habe die „Stena Scandinavica“ wegen des Wellengangs nicht in den Hafen fahren können. Gegen Mittag konnte das Fährschiff dann am Schwedenkai anlegen.

Weitere Sturmschäden

Auch in Itzehoe rückte die Feuerwehr aus. Hier wurde das Dach eines Supermarktes beschädigt. Mit Hilfe der Drehleiter wurden große Teile des Vordaches abmontiert.

Auf einem Kranausleger nähern sich die Feuerwehrleute der beschädigten Fassade.
Pierre Boom

Auf einem Kranausleger nähern sich die Feuerwehrleute in Westerland auf Sylt der beschädigten Fassade.

 

Und auch auf Sylt gab es Sturmschäden. Gegen zehn Uhr musste erstmals die Sylter Feuerwehr ausrücken: An einem Haus unmittelbar hinter dem bekannten Bistro „Leysieffer“ in der Friedrichstraße hatten sich durch den Wind Fassadenteile gelöst. Einige der Kunststoffplatten fielen in die Fußgängerzone. Um Gefahren für Personen zu vermeiden, wurde der Bereich großräumig abgesperrt. Anschließend begann die Feuerwehr damit, weitere lockere Fassadeteile an der Außenwand des Gebäudes mit zusätzlichen Schrauben zu sichern.

Es bleibt kalt im Norden – vereinzelter Schneefall an der Ostsee

Das winterliche Wetter soll sich an den kommenden Tagen noch fortsetzen. Am Wochenende kann es in SH erneut schneien. Bei stürmischem Wind aus dem Osten kann es am Samstag an der Ostsee zu lokalen Schneefällen kommen, wie ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes am Freitag sagte.

Demnach können verbreitet fünf bis zehn Zentimeter Schnee fallen. In Küstenregionen muss außerdem mit schweren Sturmböen gerechnet werden. Bei Dauerfrost sind in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern am Samstag Temperaturen zwischen -2 und 0 Grad zu erwarten. In der Nacht zum Samstag wird es den Angaben nach bei bis zu minus 9 Grad noch einmal richtig kalt.

Ein Lichtblick: Am Sonntag klart es im ganzen Norden tagsüber auf und es wird meist sonnig. Auch der Ostwind schwächt im Laufe des Sonntags ab. Die Höchstwerte liegen bei etwa 2 Grad.

(mit Material der dpa)

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