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Schäden in Schleswig-Holstein : Sturm „Christian“ kostet 300 Millionen Euro

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Dieses Jahr ist teuer für Versicherungen: Naturkatastrophen haben in Europa bereits 17 Milliarden Euro gekostet. Nach dem Hochwasser im Juni müssen deutsche Versicherungen jetzt für Sturmschäden zahlen.

shz.de von
erstellt am 30.Okt.2013 | 18:25 Uhr

Der Herbststurm „Christian“ wird die Versicherungsbranche nach Experteneinschätzung 200 bis 300 Millionen Euro kosten. Diese Summe für die versicherten Schäden nannte der weltgrößte Rückversicherungsmakler Aon Benfield am Mittwoch in Hamburg. Dagegen erklärte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft in Berlin, für eine Schätzung sei es noch zu früh, weil erst die einzelnen Versicherungsunternehmen die Schäden erheben müssten. Die Provinzial in Kiel geht für Schleswig-Holstein weiterhin von einer zweistelligen Millionensumme aus, die Feuerkasse Hamburg von etwa fünf Millionen Euro.

Der Orkan hatte am Montag vor allem in Norddeutschland gewütet. Er deckte Dächer ab und ließ Bäume auf Bahnstrecken stürzen. Autobahnen und Flughäfen wurden gesperrt, allein in Deutschland starben acht Menschen. Der Sturm traf auch Großbritannien, Frankreich und die Niederlande stark.

In diesem Jahr gab es nach einer Übersicht der Branche aber schon eine teurere Naturkatastrophe: Das Hochwasser im Juni schlug mit 1,8 Milliarden Euro zu Buche. Die gleiche Schadenshöhe wurde für die Elbe-Flut 2002 errechnet.

Noch kostspieliger war der Sturm „Kyrill“ im Jahr 2007, für dessen Schäden die Versicherer 2,06 Milliarden Euro berappten. Das Hagelunwetter im vergangenen Juli könnte diesen Schaden noch übertreffen, jüngste Prognosen erwarten rund 2,5 Milliarden Euro Belastung für die Versicherungsbranche.

In ganz Europa haben Naturkatastrophen in diesem Jahr bereits immense Schäden verursacht. Nach Berechnungen des weltgrößten Rückversicherers Munich Re summierten sie sich nach den ersten neun Monaten auf 17 Milliarden Euro, davon mussten Versicherer 5,8 Milliarden Euro tragen.

Welche Versicherung für welche Schäden aufkommt, lesen Sie hier:

Kaskoversicherungen

Durch die Kaskoversicherungen werden alle unmittelbaren Sturm- und Hagelschäden an Autos abgedeckt. Wird das Fahrzeug beispielsweise durch umherfliegende Dachpfannen, herabstürzende Äste oder umgestürzte Bäume beschädigt, tritt die Teilkaskoversicherung ein. Sie zahlt die notwendigen Reparaturen oder ersetzt im Bedarfsfall den Zeitwert des Wagens. Die Teilkasko kommt allerdings nicht für mittelbare Sturmschäden auf, hier bedarf es einer Vollkaskoversicherung. Diese ersetzt Schäden, auch am eigenen Fahrzeug, die durch eigenes Verschulden entstanden sind: Wenn z.B. ein unachtsamer Fahrer bei einem Wagen auffährt, der zuvor gegen einen vom Sturm umgestürzten Baum geprallt ist.

Welche Auswirkungen die Inanspruchnahme auf die Schadenfreiheitsklasse hat, sollte vor dem Einreichen des Schadens geklärt werden, rät Michael Herte von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Laut Holger N. Koch, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute, Bezirksverband Kiel, zahlen die Kaskoversicherungen in der Regel „zwar abzüglich vereinbarter Selbstbehalte, aber ohne Rabattrückstufung“.

Hausratversicherung

Neben Standardleistungen wie beispielsweise Einbruch, Brand- und Leitungswasserschäden ersetzt sie auch Sturmschäden an Möbeln und anderen Einrichtungsgegenständen. Auch hier sind die Folgeschäden am Hausrat mitversichert, wenn das Dach durch den Sturm beschädigt oder abgedeckt wurde. Die Glasversicherung deckt Bruchschäden an Fenster- und Türscheiben sowie Glasdächern – einschließlich der Kosten für eine eventuell erforderliche Notverglasung. Für Gebäude, die sich noch im Bau befinden, ist eine Bauleistungsversicherung notwendig.

Wohngebäudeversicherung

Die heute übliche Wohngebäudeversicherung deckt alle Sturmschäden am Gebäude ab. Sie schließt ebenfalls Feuer-, Leitungswasser-, Hagelschäden mit ein. Auch Folgeschäden sind mitversichert – wenn beispielsweise durch ein abgedecktes Dach Regenwasser ins Haus eindringt und Wände, Decken oder Fliesen beschädigt. Die Versicherung übernimmt die Kosten, um das Haus nach einem Sturm wieder in Stand zu setzen. Für Hauseigentümer ist sie eine Pflichtversicherung. Die Gebäudeversicherung für Eigentumswohnungen wird in der Regel von der Hausverwaltung abgeschlossen. Die Höhe der Versicherungsbeiträge richtet sich nach der Region, in der man wohnt. Deutschland ist dabei in verschiedene Gefahrenzonen aufgeteilt: In Gebieten, in denen es häufiger stürmt, ist es demzufolge teurer, sich gegen Sturmschäden zu versichern.

Schäden durch Bäume

Ein immer wiederkehrender Streitpunkt sind umstürzende Bäume oder abknickende Äste, die parkende Autos beschädigen. Experten der Arag-Versicherung weisen auf einen Fall hin, bei dem ein Pkw durch einen herabgefallenen Platanen-Ast beschädigt worden ist. Die Ausbesserung der im Fahrzeugdach entstandenen Dellen kostete rund 1500 Euro. Der erboste Autofahrer verklagte die Gemeinde auf Schadensersatz. Diese habe ihre Verkehrssicherungspflicht verletzt und dadurch den Schaden verschuldet, meinte er. Sie wäre dazu verpflichtet gewesen, den 15 Meter hohen Baum nicht nur – wie geschehen – vom Boden aus, sondern mithilfe eines Hubwagens eingehend auf trockene Äste zu untersuchen. Das zuständige Gericht sah den Fall nicht so (OLG Frankfurt, AZ: 1 U 30/07; ähnlich OLG Brandenburg AZ: 2 U 58/99). Anders sieht es allerdings aus, wenn der Baum trotz äußerer Krankheitszeichen nicht auf seinen Zustand hin untersucht wurde (OLG Nürnberg, AZ: 4 U 1761/95).

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