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Erziehung : Studie: 1700 Erzieher fehlen in Kitas in SH

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Ein Erzieher muss sich meist um zu viele Kita-Kinder kümmern, sagt eine Studie. Das sorge für ungleiche Chancen der Kinder.

shz.de von
erstellt am 29.Jun.2016 | 07:48 Uhr

Kiel | Trotz Verbesserungen fehlen an den Kitas in Schleswig-Holstein für ein kindgerechtes Betreuungsverhältnis nach Ansicht der Bertelsmann-Stiftung 1700 vollzeitbeschäftigte Fachkräfte. Zwar habe sich der Personalschlüssel leicht verbessert, teilte die Stiftung am Mittwoch mit. Ähnlich wie in den meisten anderen Bundesländern auch sei aber noch kein pädagogisch sinnvoller Wert erreicht. Im Norden ist eine vollzeitbeschäftigte Fachkraft zum 1. März 2015 durchschnittlich für 3,7 ganztags betreute Krippen- oder 8,6 Kindergartenkinder zuständig gewesen. Im Bundesmittel betrug das Verhältnis 1 zu 4,3 und 1 zu 9,3.

Die Wissenschaftler befürworten bundeseinheitliche Bedingungen für Kitas, um mehr Chancengerechtigkeit herzustellen.

Im nördlichsten Bundesland besuchen 24 Prozent der unter Dreijährigen und 92 Prozent der drei- bis sechsjährigen Kinder eine Kita. Um all diesen Kindern eine gute Kita-Qualität zu bieten, sei ein kindgerechtes Betreuungsverhältnis nötig, teilte die Bertelsmann-Stiftung weiter mit. Deren Experten empfehlen, dass sich eine Erzieherin höchstens um drei unter Dreijährige oder 7,5 Kindergartenkinder kümmern soll. „Der Kita-Besuch allein verbessert nicht die Bildungschancen der Kinder. Es kommt auf die Qualität der Angebote an“, sagt Stiftungsvorstand Jörg Dräger.

Die zur Verbesserung des Schlüssels notwendigen 1700 Vollzeitstellen kosten nach Berechnungen der Stiftung jährlich rund 78 Millionen Euro. Dies wäre verglichen mit den derzeit anfallenden Personalkosten im Kita-Bereich in Höhe von 527 Millionen Euro ein Anstieg von 15 Prozent, rechnet die Stiftung vor.

Zwischen den Bundesländern unterscheidet sich der Personalschlüssel nach wie vor stark. Die Folge sei: „Der Wohnort bestimmt die Bildungschancen eines Kindes“, heißt es bei der Stiftung. Die Akteure im Kita-System müssten sich auf kindgerechte Standards für die Personalausstattung verständigen. Bundesweit fehlten rund 107.000 zusätzliche Fachkräfte. Diese würden 4,8 Milliarden Euro pro Jahr kosten.

In Hamburg ist eine Fachkraft für durchschnittlich 5,1 Krippen- oder 8,7 Kindergartenkinder zuständig. Damit gehöre der Hamburger Personalschlüssel für die jüngeren Kinder im westdeutschen Ländervergleich zu den ungünstigsten. Der Hamburger Personalschlüssel für Kinder ab drei Jahren hingegen sei hinter Baden-Württemberg, Bremen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein der bundesweit fünftbeste.

Insgesamt hätten sich laut der Studie die Personalschlüssel in Hamburgs Kindertageseinrichtungen stark verbessert. 2012 kamen in Hamburg auf eine Erzieherin noch 5,7 Krippen- beziehungsweise 9,4 Kindergartenkinder.

Bundesweiter Spitzenreiter ist Baden-Württemberg sowohl im Krippen- (1 zu 3) als auch im Kindergartenbereich (1 zu 7,3). Schlusslicht bei den jüngeren Kindern ist Sachsen (1 zu 6,4) und bei den älteren Kindern Mecklenburg-Vorpommern (1 zu 14,1).

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