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Katzen in SH : Streunende Katzen: 150.000 Euro für Kastration

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Freilebende Katzen werden zunehmend zum Problem. Am Montag wurde eine Vereinbarung zum Schutz der Tiere unterzeichnet. shz.de hat Fragen und Antworten rund um die Tiere im Schleswig-Holstein zusammengestellt.

shz.de von
erstellt am 13.Okt.2014 | 15:08 Uhr

Kiel | Das beliebteste Haustier der Deutschen ist die Katze. Ingesamt leben in Deutschland mehr als 8,2 Millionen Stubentiger. Das heißt: Etwa jeder sechste Haushalt beherbergt eine Katze – auch in Schleswig-Holstein.

Um die Zahl der 75.000 freilebenden Katzen in Schleswig-Holstein zu senken, wurde am Montag in Kiel ein Pilotprojekt gestartet. Bis Ende 2015 sollen rund 5000 Katzen kastriert werden. Dafür stehen insgesamt 150.000 Euro von Tierschutzverbänden, dem Umweltministerium und eine Einzelspende bereit.

Für Kastrationen gibt es Zuschüsse zwischen 25 Euro für weibliche Katzen und der gesamten Höhe des Eingriffs - etwa für Tiere von Hartz IV-Empfängern. Geplant sind drei geförderte Aktionen: Vom 15. Oktober bis 14. November, vom 15. Februar bis 31. März und vom 1. bis 30.September 2015.

Die Zeiträume sind so gelegt, dass möglichst keine trächtigen Tiere zum Tierarzt gebracht werden. „Wir wollen die Halterinnen und Halter von Katzen motivieren, ihre Tiere kastrieren, chippen und in einer Datenbank erfassen zu lassen“, erklärte Staatssekretärin Silke Schneider bei der Unterzeichnung der Vereinbarung. Die Halter trügen so dazu bei, dass Populationen freilebender Katzen wieder kleiner würden und das Leiden der Tiere abnehme.

„Dies ist zugleich ein Beitrag zum Schutz von Wildvögeln und Kleintieren.“ Tierschutzverbände betonten, „die Probleme, die von großen Populationen freilebender Katzen ausgehen - kranke und schlecht versorgte Tiere - sind regional teilweise sehr drängend“.

shz.de hat Fakten und Hintergründe zu Katzen in Schleswig-Holstein zusammengetragen.

Wie viele wildernde Katzen leben in SH?

Im Moment leben nach Schätzungen von Strassentiger Nord e.V. rund 75.000 wildernde Katzen in Schleswig-Holstein, die sich keinem Halter zuordnen lassen. Gemeinsam mit den Hauskatzen sorgen die wildernden Katzen für stetigen Nachwuchs. Viele der Kitten leiden unter Mangelernährung, Parasitenbefall und Infektionen.

Warum wurde das Gesetz zum Abschuss von Katzen eingeführt?

Im § 23 des Bundesjagdgesetzes ist der Abschuss von Heimtieren geregelt. Mit diesem Gesetz soll das Wild vor Heimtieren geschützt werden. Herrenlose Katzen und Hunden stellen ein Naturschutzproblem dar, da der Druck auf Wildtiere wie etwa Vögel, Lurche und andere Kleintiere auf unnatürliche Weise erhöht wird.

In welchem Bezirk ist das Abschießen von Katzen gesetzlich erlaubt?

In Schleswig-Holstein erlaubt das Landesjagdgesetz das Abschießen von Hauskatzen, die in einem Jagdbezirk in einer Entfernung von mehr als 200 Metern zum nächsten Haus angetroffen werden. Als Jagdjahr gilt die Zeit zwischen dem 1. April und 31. März des folgenden Jahres.

Wie viele wildernde Katzen wurden in der letzten Jagdsaison in SH erschossen?

Jäger haben in der Jagdsaison 2013/2014 knapp 4.000 streunende Katzen in Schleswig-Holstein erschossen, sagte Nicola Kabel vom Kieler Umweltministerium. Das waren 1.400 weniger als im Jagdjahr 2012/2013. Damit habe sich der in den vergangenen zehn Jahren beobachtete starke Rückgang fortgesetzt: In der Jagdsaison 2003/2004 seien noch rund 10.000 Katzen beim Wildern erschossen worden. Gespräche mit Besitzern, ihre Hunde und Katzen besser zu beaufsichtigen, hätten an Bedeutung gewonnen. Katzen jagen neben kleineren Tieren wie Junghasen und -kaninchen auch zum Teil seltene und geschützte Singvogelarten. Nach Angaben von Jägern kann eine streunende Katze im Jahr bis zu 1000 Vögel, Kleinsäuger und Amphibien erbeuten.

Wie äußert sich der Tierschutz zu den Abschüssen von wildernden Katzen?

„Schießwütige Jäger knallen bundesweit weiterhin Hunde und Katzen grundlos ab und sehen sich dabei auch noch im Recht. Das Bundesjagdgesetz muss überarbeitet werden, damit diesem Auswuchs ein Riegel vorgeschoben wird“, fordert der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes Thomas Schröder.

Welche Probleme birgt der Heimtierabschuss für Wildtierarten?

Mittlerweile gefährdet der Heimtierabschuss nach Bundesjagdgesetz geschützte Wildtierarten. Für viele Jäger ist eine Unterscheidung zwischen Wildkatze – Hauskatze und Wolf – Hund aus der Ferne kaum möglich, wodurch immer wieder Wildtiere von Jägern versehentlich getötet werden.

Welche Alternativen gibt es, um die Katzenproblematik zu verringern?

Die einfachste Lösung, den Nachwuchs der Tiere zu verringern, ist die Kastration. Das Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein hat das Problem erkannt und dazu den Flyer „Kastration von Katzen ist Tierschutz“ herausgegeben. In dem Flyer heißt es: „Zu einer verantwortungsbewussten Katzenhaltung gehört heute neben den medizinischen Maßnahmen wie Impfungen und Parasitenbehandlungen also auch die Kastration vor der Geschlechtsreife.“

Was passiert bei einer Kastration?

Bei einer Kastration werden den Tieren die Eierstöcke oder Hoden entfernt. Dadurch können sich die Tiere nicht mehr fortpflanzen und verlieren ihren Sexualtrieb. Bei einem Kater wird durch die Kastration zusätzlich das Markierverhalten unterbunden.

Was kostet eine Kastration?

Die Kosten für die Kastration einer weiblichen Katze liegen nach Angaben des Deutschen Tierschutzbundes bei etwa 100 Euro. Für einen Kater belaufen sich die Kosten auf etwa 60 Euro.

Wie kann ich mein Tier trotz geringer finanzieller Mittel kastrieren lassen?

Mittlerweile bieten einige Organisationen Hilfe bei der Kastration von Katzen und Katern an. Im südlichen Schleswig-Holstein ist die Organisation Strassentiger Nord e.V ansässig. Die Hilfsorganisation bezuschusst Kastrationen von Tieren aus den Bereichen Norderstedt, Henstedt-Ulzburg, Kaltenkirchen, Ellerau, Kaltenkirchen-Land, Amt Kisdorf und Amt Itzstedt mit 30 Euro für Katzen und mit 20 Euro für Kater. Mehr Details über die Bezuschussung finden Sie unter http://www.strassentiger-nord.de/.

Warum sollte ich mein Tier kennzeichnen lassen?

Vermisste und gefundene Tiere können über zentrale Datenbanken schneller und leichter zu ihrem ursprünglichen Halter zurückkehren. Sobald die Halter eines Tieres unauffindbar sind, gelangt das Tier in ein Tierheim.

Wie kann ich mein Tier kennzeichnen?
  1. Chip: Die heute gängigste Methode, ein Tier zu kennzeichnen, ist das Einsetzen eines Mikrochips – auch Transponder genannt. Mit einer Spritze wird dem Tier hierbei ein 12x2 Millimeter großer Chip ins Gewebe der linken Nackenseite injiziert. Der Chip kann mit einem Lesegerät, das über den Nacken des Tieres gehalten wird, aktiviert werden. Auf dem Chip ist eine 15-stellige, nur einmal vergebene Nummer gespeichert. Seit 2012 ist das Chippen der Tiere für Reisen ins europäische Ausland Pflicht.
  2. Tätowierung: Eine Tätowierung wurde vor allem früher zur Kennzeichnung der Tiere verwendet. Unter Narkose wurde das Tier im Ohr oder Schenkel mit einer Nummer tätowiert. Im Zusammenhang mit der Tätowierung fehlt eine einheitliche Regelung, die die Vergabe der Nummern- und Buchstabenkombination festlegt.
Was passiert nach der Kennzeichnung meines Tieres?

Eine Kennzeichnung des Tieres alleine reicht nicht. Um eine Verbindung zwischen dem Tier und dem Halter herstellen zu können, ist eine Registrierung in einer zentralen Datenbank notwendig. Die Zentralen www.tasso.net und www.tierregistrierung.de bieten online die Möglichkeit, Tiere zu registrieren.

 

 mit dpa

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