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Offener Brief : Streit um Wölfe in SH: Nabu kritisiert Carstensen scharf

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Ein Naturschutz-Experte wirft dem Ex-Ministerpräsidenten „Angstmacherei“ vor. Der spricht von „geheimen Aktivitäten“.

shz.de von
erstellt am 29.Apr.2015 | 12:41 Uhr

Neumünster/Kiel | Vor gerade einmal zwei Wochen wurde eine Schafherde bei Blumenthal im Kreis Rendsburg-Eckernförde massiv attackiert, 28 Tiere starben. Der Angreifer war ein Wolf. Dies ergaben die genetischen Untersuchungen des Senckenberg-Instituts in Gelnhausen, wie das Landwirtschaftsministerium am Mittwoch in Kiel mitteilte.

Seit diesem bislang einschneidendsten Zwischenfall im Norden hat die lange Zeit schwelende Debatte um die Zukunft des nach Schleswig-Holstein wieder einwandernden Wolfs rasant an Fahrt gewonnen. Während Jäger und Nutztierhalter seine Bekämpfung fordern, sprechen sich Umweltministerium und Naturschützer für den Schutz des seltenen Säugers aus.

Jetzt sorgt ein offener Brief des stellvertretenden Nabu-Landesvorsitzenden Fritz Heydemann für Wirbel, in welchem er fordert, „das spannungsgeladene Thema mit der gebotenen Sachlichkeit und lösungsorientiert zu bearbeiten“ und „kein Öl ins Feuer zu gießen“.

Gerichtet ist das Schreiben an Ex-Ministerpräsident und Jäger Peter Harry Carstensen. Jener hatte gegenüber den Kieler Nachrichten Vermutungen geäußert, „ob der Wolf nicht aktiv hierher gebracht wurde“, da er ohne Hilfe nicht „über mehrere Autobahnzäune“ steigen könne. Außerdem verdächtigte Carstensen das Umweltministerium kürzlich auf dem Landesjägertag der Mitwisserschaft bei „geheimen Aktivitäten ..., den Wolf in Schleswig-Holstein bewusst anzusiedeln“, verdächtigt.

Selbst die bisherige Annahme, ein Wolf habe die Schafe gerissen, rechtfertige nicht, „diesen Vorfall derartig polemisch und politisch einseitig auszuschlachten, wie Sie es über die Medien in den letzten Tagen versucht haben“, so Heydemann. Der Versuch, damit Naturschützern die Schuld an den Schafsrissen zuschieben zu wollen, sei leicht durchschaubar und „eine an den Haaren herbeigezogene Legende, mit der man sich nur lächerlich machen kann“. Wölfe müssten nicht über Autobahnzäune steigen, denn die Autobahnen seien längst nicht durchgehend mit Wildschutzzäunen gesäumt.

Carstensen hatte zudem Besucher des von der Attacke betroffenen Naturparks Westensee vor dem Verlassen der Wege gewarnt. „Diese Wiederbelebung der alten Mär vom Rotkäppchenfresser ist in jeder Hinsicht unseriös und ohne Realitätsbezug“, so Heydemann. Zu Problemen könne es nur kommen, wenn Wölfe durch unbedachte Anfütterung an den Menschen gewöhnt und dann aufdringlich werden. „Eine solche Angstmacherei ist völlig inakzeptabel.“

Schäfer Jan Siebels war sich schon vor dem Ergebnis der Gentests anhand der gefundenen Spuren sicher: „Es war ein Wolf“. Doch Siebels befürchtet eine Vertuschung der wahren Hintergründe. Die Politik habe kein Interesse an einer Kehrtwende im Umgang mit dem Wolf. „Es geht um Wählerstimmen – und die Wähler sind wolfsfreundlich.“

Ein 90 Zentimeter hohes vom Wildpark Eekholt zur Verfügung gestelltes Netz schützt derzeit die angefallene Herde – laut Siebels reine Symbolpolitik. „Der Zaun ist viel zu niedrig, außerdem habe ich 14 weitere Herden, die ungeschützt sind, da kann sich der Wolf bedienen.“ Zäune seien wegen des Aufwands beim Aufstellen und ständiger Standortwechsel der Tiere ohnehin keine praktikable Lösung. Für Siebels gibt es nur eine Möglichkeit: „Der Wolf muss ins Jagdrecht aufgenommen und bejagt werden.“ Dies fordern auch die Jäger.

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