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Längste Stromautobahn : Streit um Stromtrasse von SH nach Bayern

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Für Deutschlands längste Stromautobahn von Schleswig-Holstein bis Bayern liegen die Trassenpläne auf dem Tisch. Sofort ist politischer Streit entbrannt. Bayerns Ministerpräsident Seehofer fordert einen Ausbaustopp.

Kiel | Die jetzt vorgestellten Pläne für Deutschlands größte und längste Stromtrasse von Schleswig-Holstein bis Bayern haben einen politischen „Nord-Süd-Konflikt“ ausgelöst. Nachdem Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) wegen der Drosselung der Energiewende einen vorläufigen Stopp des Netzausbaus forderte, verlangte Schleswig-Holsteins Landesregierung am Mittwoch ein klares Bekenntnis der Bundesregierung zum notwendigen Ausbau der Stromautobahnen in Deutschland.

„Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) müssen hier deutliche Worte finden.“ Eine unnötige Verzögerung beim Netzausbau verlängere nur die Lebensdauer von Atom- und Kohlekraftwerken, sagte Energieminister Robert Habeck (Grüne) Habeck in Kiel.

Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) betonte: „Wer Atom nicht will, wer Treibhausgase nicht will, der braucht Windenergie. Windenergie braucht aber neue Netze - sonst steht unser Land bald ohne Strom dar. Das Südlink-Kabel ist dafür unverzichtbar.“ Ohne die bayerischen Kommunalwahlen im März zu nennen, meinte Albig:

„Es steht zu befürchten, dass immer die nächste Wahl der Grund für den nächsten Stillstand ist.“ So komme nur Murks raus. „Wir müssen den Menschen doch ehrlich und mit Arsch in der Hose sagen, dass der Ausstieg aus der Atomenergie auch Folgen hat. Auch Folgen, die wir alle persönlich nicht mögen. Aber an diesen Folgen stirbt keiner wegen Verstrahlung.“ 

Die Trassenpläne für die „Hauptschlagader der Energiewende“ wurden am Mittwoch in Berlin vorgestellt. Die Trasse soll durch mindestens fünf Bundesländer führen. Die Netzbetreiber Tennet und TransnetBW schlugen vor, dass die Hauptstrecke des insgesamt 800 Kilometer langen „SuedLink“-Projekts ab 2022 von Schleswig-Holstein über Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen nach Bayern verlaufen könnte. Sie soll große Mengen Windstrom vom Norden in den Süden bringen und dort die Stilllegung mehrerer Atomkraftwerke kompensieren. Der noch nicht geplante zweite Abschnitt soll von Brunsbüttel (Kreis Dithmarschen) nach Großgartach in Baden-Württemberg führen.

Der Trassenvorschlag soll nun mit Bürgern diskutiert werden. Tennet ist für den Hauptteil der Trasse verantwortlich, die Kosten liegen im „unteren einstelligen Milliardenbereich“. „Wir sind startbereit“, sagte Tennet-Geschäftsführer Lex Hartman. Die Masten sollen 60 bis 70 Meter hoch sein, man habe schon geschaut, „wie sieht die Natur aus, wo wohnen die Menschen“. TransnetBW-Geschäftsführer Rainer Joswig sagte: „Wir sprechen hier von der Hauptschlagader und dem Rückgrat der Energiewende.“ 2016 soll das Baugenehmigungsverfahren starten, 2022 soll die Leitung stehen.

Der Vorschlag führt von Wilster (Schleswig-Holstein) aus an Verden vorbei, zwischen Hannover und Lehrte durch, vorbei an Hildesheim. Danach geht es in südwestlicher Richtung an Höxter, Warburg (NRW) und westlich an Kassel vorbei. Von dort an Bad Hersfeld vorbei Richtung Süden, um Fulda passierend in das bayerische Grafenrheinfeld zu münden.

Die Trasse ist eine von drei großen Neubauprojekten im Zuge der Energiewende. Als Gesamtkosten werden mindestens zehn Milliarden Euro für insgesamt 36 Ausbau- und Netzverstärkungsprojekte veranschlagt. Wenn die Leitungen als Erdkabel verlegt werden, wird es jedoch teurer werden. Insgesamt sollen 2800 Kilometer neu gebaut und 2900 Kilometer optimiert werden.

In Bayern gibt es gegen eine andere der drei geplanten neuen langen Höchstspannungstrassen aber bereits so massive Proteste, dass die CSU-Landesregierung nun ein Moratorium fordert. 2013 hatten Bundestag und Bundesrat allerdings mit CSU-Beteiligung das Bundesbedarfsplangesetz beschlossen, das die 36 Projekte umfasst.

Mit der geplanten Ökostrom-Reform ändere sich die Geschäftsgrundlage, argumentiert Seehofer. Mit Blick auf eine mögliche Drosselung beim Ausbau gerade der Windenergie fordert er, die Planungen neu zu justieren. Die Bundesregierung wies die Argumentation Bayerns zurück. Eigentlich gebe es einen breiten Konsens zwischen Bund und Ländern. Es wäre nicht sehr hilfreich, die gesamte Netzarchitektur infrage zu stellen, sagte Gabriels Sprecher.

 
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erstellt am 05.Feb.2014 | 18:04 Uhr

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