Untaugliche Helikopter : Streit um Rettung über dem Meer

Hilft schon jetzt bei der Seerettung öfter aus: ein Hubschrauber vom Typ „Super Puma“ der Bundespolizei.
Hilft schon jetzt bei der Seerettung öfter aus: ein Hubschrauber vom Typ „Super Puma“ der Bundespolizei.

Zu massig, schnell rostig und wenig vielseitig: Die geplanten „Sea-Lions“ sind als Marinehelikopter laut Experten eher drittklassig. Auch die Seerettung wäre betroffen.

shz.de von
23. Juni 2014, 10:43 Uhr

Kiel | Pläne des Bundes zur Zukunft des Such- und Rettungsdienstes über Nord- und Ostsee (SAR) stoßen auf massive Kritik bei Politikern und Bergungsexperten. Denn Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) will mit dem zivilen SAR-Dienst auch künftig die Marineflieger in Nordholz bei Cuxhaven betrauen – obwohl deren Hubschrauber dazu nach Dobrindts eigener Erkenntnis inzwischen weniger geeignet sind als die der Fliegerstaffel der Bundespolizei in Fuhlendorf bei Bad Bramstedt. „Das Angebot der Marine enthält mehr Risiken“, räumt Dobrindts Staatssekretär Enak Ferlemann in einem vertraulichen Bericht an den Rechnungsprüfungsausschuss des Bundestags ein. Dafür sei es aber – anders als letztes Jahr vom Bundesrechnungshof behauptet – billiger als das der Bundespolizei: Es belaste den Etat in den nächsten zehn Jahren nur mit 350 Millionen Euro statt mit 600 Millionen.

Mit den Risiken meint der Cuxhavener Ferlemann die immer größere Reparaturanfälligkeit der 40 Jahre alten „Sea-King“-Marinehelikopter, die einst in Kiel stationiert waren und noch bis 2020 weiterfliegen sollen. „Das Risiko einer längerfristig eingeschränkten Verfügbarkeit ist hoch“, erklärt Ferlemann. Schon jetzt hilft oft die Bundespolizei mit ihren zuverlässigeren „Super-Puma“-Maschinen aus. Und auch die geplanten 18 neuen „Sea-Lion“-Marinehelikopter, die ab 2020 die „Sea Kings“ ablösen sollen, sind wegen ihres hohen Gewichts laut Experten keine gute Lösung für den SAR-Dienst. „Die Super-Pumas mit ihrer größeren Reichweite wären besser geeignet“, sagt etwa Holger Stockmeyer, Chef vom „Wiking Helikopter Service“ in Wilhelmshaven.

Mehr noch: Auch ihren Zweck als Bordhubschrauber für Marineschiffe erfüllen die „Sea Lions“ unzureichend. Sie seien nicht vielseitig genug und militärisch „nur die drittbeste Lösung“, meint der Chef des Verteidigungsausschusses im Bundestag, der Kieler SPD-Abgeordnete Hans-Peter Bartels. Weil die „Sea Lions“ zudem in salziger Seeluft schnell rosten, hat Ministerin Ursula von der Leyen (CDU) deren Kauf nun sogar in Frage gestellt. Auch Bartels warnt: „Wir dürfen jetzt nicht über das SAR-Konzept eine Entscheidung für einen schlechten Marinehelikopter präjudizieren.“

Statt dessen sei es womöglich klüger, die Bundespolizei mit zwei zusätzlichen „Super-Pumas“ auszustatten und ihr die Rettung über dem Meer zu überlassen. Dass die Vergabe an die Marine angeblich 250 Millionen Euro billiger ist, sei „eine Luftbuchung“, sagt Bartels: „Da niemand weiß, welche neuen Hubschrauber die Marine beschaffen wird, kann auch noch niemand wissen, was günstiger ist.“ Dennoch hat der Rechnungsprüfungsausschuss die SAR-Pläne Dobrindts schon abgesegnet.

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