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Vor Totensonntag : Streit um frühe Weihnachtsmärkte in SH

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Kirche ist empört: Mindestens neun Festbasare in Schleswig-Holstein sind schon vor dem Totensonntag geöffnet.

Dass Weihnachtsgebäck schon im Spätsommer Einzug in die Geschäfte hält, ist seit Langem Gewohnheit – aber sollten auch Weihnachtsmärkte schon vor Totensonntag eröffnet und die festliche Beleuchtung in Innenstädten eingeschaltet werden? An mindestens neun Standorten in Schleswig-Holstein gibt es an diesem Wochenende bereits Weihnachtsmärkte. Dazu gehört auch eine der größten Veranstaltungen dieser Art im Land überhaupt: 250 Aussteller haben auf Gut Basthorst (Kreis Stormarn) ihre Stände aufgebaut. Die Meile mit adventlicher Musik und täglichem Feuerwerk ist beliebt. Doch nicht jeder gerät bei heißen Maronen und Punsch in Weihnachtsstimmung.

Pastor Stefan Döbler, Sprecher der Nordkirche, ärgert sich über die Märkte in der traditionell „Stillen Zeit“ im November. „Viele Menschen besuchen die Gräber verstorbener Angehöriger. Aus Respekt davor und um diese Gelegenheit für Stille und Besinnung allen zu bewahren, sollten Adventsbeleuchtung und Weihnachtsmärkte warten können – bis nach dem Ewigkeitssonntag“, findet Döbler. „Zur Vorfreude auf Weihnachten gehört das Warten“, sagt er und fragt:. „Worauf sollen wir uns noch freuen, wenn schon Mitte November Straßen und Geschäfte weihnachtlich geschmückt sind?“

Anderer Meinung ist Hannelore Müller-Spreer. Schon zum 25. Mal hat sie an diesem Wochenende einen Weihnachtsmarkt für Kunsthandwerk in einem Itzehoer Autohaus organisiert. „Dazu gibt es hier keine Diskussionen mit der Kirche, weil wir weder Karussell noch Musik haben“, sagt sie. Mit dem Pastor habe sie nur vereinbart, dass der Markt erst um 11 Uhr beginnt, damit es keine Überschneidungen mit dem Gottesdienst gibt. „Wir hatten hier auch schon Besucher und Aussteller, die sich mit dem Weihnachtsmarkt vom Tod eines Angehörigen ablenken wollten“, gibt Müller-Spreer zu bedenken.

Neue Nahrung über verfrühten Adventszauber erhält die Diskussion aus Niebüll: Dort leuchten im Stadtzentrum bereits seit über einer Woche 29 Girlanden in Bäumen sowie 50 Kometen und Sterne an Laternenpfählen und erhitzen die Gemüter. Auch in der Rendsburger Fußgängerzone und der Hollerstraße-West in Büdelsdorf wurde vor zwei Tagen die Weihnachtsbeleuchtung angeschaltet. Geschäftsleute verwiesen auf die fest installierte Stromversorgung, die von ihnen nicht beeinflusst werden könne.

Der Landesvorsitzende der Vereinigung City- und Stadtmarketing, der Pinneberger Stadtmanager Dirk Matthiessen, weiß, „dass hier und da immer mal wieder darüber diskutiert wird“, ob das Einschalten der Weihnachtsbeleuchtung vorgezogen werden solle. Weitere Städte, die den Termin wie Niebüll und Rendsburg tatsächlich auf die Zeit vor den Totensonntag vorgezogen haben, kann er jedoch nicht nennen, ebenso wenig der Einzelhandelsverband Nord. Auch nach Recherchen unserer Zeitung gibt es zumindest unter den Städten keine weiteren Beispiele.

Monika Dürrer, Geschäftsführerin des Einzelhandelsverbands Nord, erklärt, es müsse jeweils vor Ort entschieden werden. Beim Termin spiele auch eine Rolle, welche Events die Kaufleute-Vereinigungen im Kalender unterbringen wollten, „um ihre Besucher mit schönen Impressionen zu verzaubern“. Grundsätzlich lässt Dürrer Sympathie für einen zeitigeren Start durchklingen: „Viele Kunden schätzen die Atmosphäre in den Innenstädten. In der dunklen Jahreszeit ist eine aufwendig dekorative Beleuchtung ein Hingucker, der vom Grau des Alltags ablenkt.“

Einen Teilrückzieher hat der Niebüller Handels- und Gewerbeverein gemacht: Nach Protesten aus der Bevölkerung hat er 65 Lichterketten, die quer über die Einkaufsstraße gespannt waren, wieder ausgeschaltet. Bei den Baumgirlanden sowie Kometen und Sternen sei dies jedoch technisch nicht möglich. Ihr An- und Ausmechanismus sei mit den Straßenlaternen gekoppelt. Die müssten sonst auch bis zum Totensonntag dunkel bleiben.

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erstellt am 22.Nov.2014 | 08:30 Uhr

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