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Kritik an Verdi : Streit um den Streik auf dem Nord-Ostsee-Kanal

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Gewerkschaftsmitglieder kritisieren „dilettantische“ Verdi-Führung: Ein neuer Ausstand müsse besser organisiert werden.

shz.de von
erstellt am 10.Sep.2013 | 07:52 Uhr

Brunsbüttel | Es hätte ein großer Schlagabtausch werden sollen – doch gestern früh waren die Regentropfen das einzig zahlreiche, was auf dem Brunsbütteler Gustav-Meyer-Platz an den Kanalschleusen zu sehen war. Nur ein paar versprengte Mitglieder der Gewerkschaft Verdi waren trotz der Absage des Streiks an den Nord-Ostsee-Kanal gekommen, die Lotsen hatten ihre Gegenveranstaltung kurzfristig abgesagt. Aber das, was einige einfache Verdimitglieder zu sagen hatten, ist nicht ohne Brisanz. „Verdi wird es schwer haben, hier nochmal einen Streik durchzukriegen“, sagt ein Mitarbeiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will.

Mit seinem Urteil ist er nicht allein, mehrere Mitglieder von der Basis begehren auf, vor allem gegen den „dilettantischen“ Kurs der Verdi-Spitze im Norden und in Berlin. „Wir waren bereit, den Streik mitzutragen, haben aber Bedenken geäußert – und allen Widerspruch gegen den Kurs von oben doch ertragen. Und jetzt wird wieder ausgesetzt, das können wir nicht nachvollziehen.“ Groß sei der Druck der Nachbarn und Freunde auf die Mitglieder. „Und wir wollen uns auch nicht mehr dem Vorwurf aussetzen, dass wir den Kanal kaputtsparen.“ Einige Mitglieder hätten Angst, dass Arbeitsplätze im Laufe des Arbeitskampfes verlorengingen.

Jochen Penke von Verdi Nord kann die Zweifel der Mitglieder nicht verstehen, im Gegenteil: Die Motivation sei sehr gut. „Keiner will den Kanal kaputtsparen. Wir streiken nicht um jeden Preis, sondern für den Erhalt von 3000 Arbeitsplätzen bei Umbau der Wasser - und Schifffahrtsverwaltung.“ Bis zum 15. September sei der Ausstand ausgesetzt. Jetzt läge ein Gesprächsangebot vom Bundesinnenminister und dem -verkehrsminister vor, die Verhandlungen würden wieder aufgenommen. „Nichts anderes hatten wir mit der Ankündigung des Streiks gefordert“, sagt Penke. Allerdings stammen die Gesprächsangebote schon aus dem Juni.

Der Verdacht, dass die Verdi-Führung den Ausstand nur auf Druck aussetzt, liegt auch bei vielen einfachen Mitgliedern nahe. Von „Erpressungspotenzial“ der Gewerkschaften hatte der parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Fraktion im Landtag, Hans-Jörn Arp deswegen gesprochen. Diesen Vorwurf nahm er gestern zurück: „,Ich bedaure, dass ich durch die Verwendung dieses Begriffes nicht richtig verstanden wurde. Mir ging und geht es ausschließlich um den Erhalt der Arbeitsplätze.“ Viele Mitarbeiter kleiner und mittelständischer Unternehmen bangten um ihre Jobs. „Sie haben mir geschildert, wie hilflos sie sich angesichts des ja auch unter Gewerkschaftern umstrittenen Streikbeschlusses vom Freitag fühlten. Diese Gefühlslage habe ich aufgenommen“, so Arp.

Gestern lief der Betrieb auf dem Kanal wieder normal, in Brunsbüttel und Kiel waren je eine große Schleuse geöffnet. „Das Verkehrsaufkommen ist groß“, sagte die Sprecherin der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung, Claudia Thoma. Dass das so bleibt, dafür kämpft auch der Gewerkschafter aus Brunsbüttel. Wie alle anderen setzt er auf den Erfolg der Verhandlungen: „Und wenn das nicht geht: Dann entweder Streik auch am Kanal mit allen Mitteln bis wir ein gutes Ergebnis haben oder eben nicht. Aber immer hin und her, da habe ich keinen Bock mehr drauf.“

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