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Schleusen in Brunsbüttel : Streik am Nord-Ostsee-Kanal: Albig mahnt

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Drei Tage wird an den Schleusen in Brunsbüttel gestreikt. Ministerpräsident Torsten Albig fordert ein schnelles Ende des Ausstands am Nord-Ostsee-Kanal.

shz.de von
erstellt am 10.Aug.2013 | 05:44 Uhr

Brunsbüttel | Schleswig-Holsteins Landesregierung hat ein schnelles Ende des Streiks an den Schleusen des Nord-Ostsee-Kanals gefordert. Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) appellierte an die Beteiligten, die Verhandlungen wieder aufzunehmen. "Wenn der Nord-Ostsee-Kanal nicht funktioniert, dann funktioniert das ganze Land nicht", mahnte Albig am Freitag im Sender RSH. Das Tarifrecht sei ein hohes Gut in unserer Gesellschaft. Beide Seiten müssten jedoch darauf achten, nicht zu überziehen. "Alle die den Kanal nutzen, brauchen die Verlässlichkeit", sagte der Regierungschef.
Die Gewerkschaft hat wegen der geplanten Umstrukturierung der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung seit Mittwoch zum Arbeitskampf aufgerufen. Verdi fürchtet durch die geplante Reform den Abbau von bis zu 3000 der insgesamt 12.000 Arbeitsplätze.

Lotsen kritisieren Gewerkschaft

Auch die Unternehmen forderten ein Ende des Arbeitskampfes. "Der Kanal ist eine bedeutende Lebensader für Schleswig-Holstein", sagte Heinrich Ritscher vom Unternehmensverband Unterelbe-Westküste. Er warnte, dass die Schiffe statt der Kanal-Passage künftig verstärkt die längere, aber zuverlässige Route um Jütland nehmen werden. "Mit diesem Streikaufruf löst sich Verdi aus der Solidarität mit der Westküste und dem Unterelberaum", sagte Ritscher.
Auch die Kanal-Lotsen kritisieren das Vorgehen der Gewerkschaft: "Wir vermissen die überzeugenden Argumente, die diesen Arbeitskampf mit seinen drastischen Auswirkungen rechtfertigen", hieß es in einem offenen Brief der Lotsenbrüderschaft NOK I an die Gewerkschaft Verdi.

Schiffe fahren Umwege

Für Außenstehende sind die Auswirkungen des Streiks kaum sichtbar. Vor den Schleusen stauen sich keine wartenden Schiffe. Der Grund: "Wir haben deutlich weniger Verkehr als sonst", sagte WSA-Sprecher Thomas Fischer. Offensichtlich bevorzugen die meisten Reedereien derzeit die 250 Seemeilen (rund 400 Kilometer) längere Route um Dänemark. "Die wissen, wann die Festmacher in Brunsbüttel arbeiten", sagte Fischer. Zwei der insgesamt fünf Wachen seien bei Fremdfirmen beschäftigt und würden sich an dem Arbeitskampf nicht beteiligen. "Und danach richten sich die Kapitäne." Das klappt jedoch nicht immer, so dass ein Tanker am Donnerstagabend in Brunsbüttel sogar kehrtmachte: Als sich das Tor in einer Schleuse nicht mehr schloss, ließ der Kapitän das Schiff von einem Schlepper rückwärts aus der Schleusenkammer ziehen und fuhr zurück nach Kiel, um über den Umweg durch die Ostsee rund um Dänemark letztendlich Zeit zu sparen.
Verdi-Sprecher Jochen Penke verteidigte den Ausstand. "Streik ist für uns immer das allerletzte Mittel, zu dem wir greifen, wenn im Verhandlungsvorwege ansonsten gar nichts mehr passiert", sagte er dem Sender NDR 1 Welle Nord. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) weigere sich seit Monaten mit Verdi zu verhandeln. "Insofern ist der Erzwingungsstreik jetzt leider die letzte Konsequenz." Ziel des Streiks ist ein Tarifvertrag zur rechtsverbindlichen Absicherung der Beschäftigten in der Wasser und Schifffahrtsverwaltung. Ramsauer lehnt einen Tarifvertrag ab. Er halte bislang gegebene Zusicherungen für ausreichend und habe allen Beschäftigten die geforderten Zusagen gemacht, sagte er.

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