Sylt : Straßenausbau: Teures Anliegen für Keitumer

Wolfgang Holst (l.) und Hans-Bunde Boysen wollen gegen den Anliegerbeitrag zum Ausbau der Munkmarscher Chaussee klagen. Foto: Pfeifer
Wolfgang Holst (l.) und Hans-Bunde Boysen wollen gegen den Anliegerbeitrag zum Ausbau der Munkmarscher Chaussee klagen. Foto: Pfeifer

Sie fühlen sich ungerecht behandelt - und wollen zur Not vor Gericht ziehen: Anlieger in Keitum auf Sylt sollen 75 Prozent der Kosten für den Ausbau ihrer Straße zahlen.

Avatar_shz von
06. Juni 2013, 10:25 Uhr

Keitum | Wenn es hart auf hart kommt, wollen Wolfgang Holst und Hans-Bunde Boysen bis vors Gericht ziehen. Der Grund: 34.000 und 20.000 Euro sollen sie als Anliegerbeitrag zum Ausbau der Munkmarscher Chaussee bezahlen. "Dann ist die Rente erst einmal für zwei Jahre weg. Und ich muss auch noch einen Kredit aufnehmen", sagt Boysen. Seine Schwester trifft es mit 82.000 Euro noch härter. Die beiden haben auf einem von ihren Eltern geerbten Grundstück gebaut. Nachdem 2011 die Keitumer Straße für rund 864.000 Euro komplett neu ausgebaut wurde, werden jetzt 75 Prozent der Kosten auf alle 167 Haus- und Wohnungsbesitzer umgelegt. Wie viel der Einzelne zahlen muss, hängt davon ab, wie groß sein Grundstück ist.
Dieser Anteil von 75 Prozent ist nach Ansicht von Holst, Boysen und anderen Anwohnern viel zu hoch. Sie finden, dass die Gemeinde einen größeren Beitrag übernehmen müsste. "Joachim Schweitzer, der Leiter der Bauverwaltungsabteilung, hat willkürlich festgelegt, dass die Munkmarscher Chaussee eine Anlieger- und keine Haupterschließungsstraße ist", sagt Wolfgang Holst. Ein wichtiger Unterschied, denn in diesem Falle könnte die Gemeinde nur 50 Prozent der Kosten auf die Anlieger umlegen.

"Das ist sogar für Laien erkenntlich"

Ursprünglich war die Munkmarscher Chaussee in der Ausbaubeitragssatzung der Gemeinde als Haupterschließungsstraße geführt - wie übrigens auch der direkt angrenzende Pröstwai, der ebenfalls frisch saniert ist. "Die Einstufung haben wir vor drei Jahren eins zu eins aus den Unterlagen der Gemeinde Sylt-Ost übernommen", erklärt Joachim Schweitzer, "diese Eingruppierung hatte aber ausschließlich deklaratorischen Charakter." Wenn es aber darum geht, die Höhe der Ausbaugebühren für die Anwohner festzulegen, habe sich die Gemeinde nach der tatsächlichen Nutzung der Straße zu richten. Weil eine Haupterschließungsstraße nach offizieller Definition dazu dient, den überörtlichen beziehungsweise den durchgehenden innerörtlichen Verkehr abzuwickeln, sei die Munkmarscher Chaussee auf jeden Fall als Anliegerstraße einzustufen, so Schweitzer: "Das ist sogar für Laien erkenntlich. Die meisten, die in die Munkmarscher Chaussee fahren, haben ein Anliegen. Sie wollen etwa zum Supermarkt oder in eine der kleinen Nebenstraßen. Als reine Durchgangsstraße oder zur Erschließung eines größeren Wohngebiets wird die Straße nicht benötigt."
Diese Ansicht teilen Wolfgang Holst und Hans-Bunde Boysen keineswegs: "Jeden Morgen zwischen sieben und acht Uhr fahren hier die ganzen Mitarbeiter der Bau- und Handwerksfirmen durch. Die kaufen sich beim Supermarkt ihr Frühstück und fahren dann weiter in Richtung Munkmarsch", erklärt Wolfgang Holst, Eigentümer der Gebäude, in denen der Edeka-Marktes und die Sanitär-Firma Schlüter untergebracht sind. Auch würden viele die Munkmarscher Chaussee nutzen, um von Norden aus nach Keitum zu gelangen und auch der Bus nutze diese Strecke.

"Ein Richter muss dann entscheiden, wer im Recht ist"

Als Bürger fühlt sich Holst ungerecht behandelt. "Bei der Bürgeranhörung vor Baubeginn wurde uns noch versprochen, das hier würde als Haupterschließungsstraße gelten. Im Februar kamen dann die Bescheide, dass wir 75 Prozent der Baukosten tragen müssen." Jetzt will Holst zusammen mit anderen Anliegern gegen den Bescheid vorgehen. Widerspruch hat er schon eingelegt, der wurde von Joachim Schweitzer als unbegründet zurückgewiesen. Überwiesen hat Holst erst den Anteil, den er für gerechtfertigt hält: 50 Prozent.
"Anwohner vertreten natürlich immer den Standpunkt, dass sie an keiner Anliegerstraße wohnen", sagt Joachim Schweitzer. "Dass Leute deshalb klagen, passiert in Schleswig-Holstein bestimmt tausend Mal im Jahr. Ein Richter muss dann entscheiden, wer im Recht ist. Obwohl ich mir in diesem Fall sehr sicher bin, dass ich Recht habe."

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen