Klimawandel : Storchenväter in Sorge

Risikoreicher Flug gen Süden: In Afrika und in Spanien droht dem Weißstorch Nahrungsknappheit.  Foto: sh:z
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Risikoreicher Flug gen Süden: In Afrika und in Spanien droht dem Weißstorch Nahrungsknappheit. Foto: sh:z

Neue Flugrouten durch den Klimawandel: Im Norden nisten mehr Storchenpaare als früher. Gleichzeitig lauern in den Überwinterungsgebieten große Gefahren.

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30. September 2011, 09:33 Uhr

Bergenhusen | Zunächst die gute Nachricht: In diesem Jahr haben zwölf Prozent mehr Storchenpaare als im Vorjahr einen Horst in Schleswig-Holstein besetzt, um für Nachwuchs zu sorgen. Diese Bilanz zogen jetzt die Storchenexperten vom Michael-Otto Institut des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) in Bergen husen (Kreis Schleswig-Flensburg).
Die schlechte Nachricht ist: Langfristig könnte sich das Bild eintrüben - denn die Nabu-Fachkräfte vermuten, dass der globale Klimawandel auch den Störchen zusetzen wird. Dabei haben sie vor allem die Überwinterungsgebiete der Störche im Blick. "Sollten lange Dürren als Folge des Klimawandels vermehrt auftreten, hätte dies verheerende Auswirkungen auf die Storchenbestände in Europa", so Kai-Michael Thomsen, Projektleiter im Bergenhusener Michael-Otto Institut.
Noch gibt es auf spanischen Müllkippen unbegrenztes Nahrungsangebot
Seit drei Jahren bereits geht der Nabu in der Erforschung des Zugverhaltens der Störche neue Wege. Die Tiere aus Schleswig-Holstein werden mit GPS-Sendern ausgestattet - nicht nur, um die Zugwege der Weißstörche zu erforschen. "Neben der Zugverfolgung ist das Projekt so angelegt, dass auch die Klima- und Wetterdaten in den Überwinterungsgebieten in der Sahelzone, im Tschad, im Sudan und in Südspanien aufgezeichnet und mit den genauen Positionen der Störche hinterlegt werden. Hieraus sammeln wir Erkenntnisse, um eine neue Einschätzung möglicher Veränderungen des Storchenzuges durch den Klimawandel zu erhalten", sagt Thomsen. Derzeit seien acht mit Sendern ausgestattete Störche aus Schleswig-Holstein unterwegs in ihre Winterquartiere, die ersten seien bereits im Tschad und im Sudan angekommen.
Zusätzlich werde sich für die in Spanien überwinternden Weißstörche auch bei den menschengemachten Einflussfaktoren etwas ändern. Bislang finden die Tiere dort ein fast unbegrenztes Nahrungsangebot - und zwar auf Müllkippen. Dies könnte sich schon bald verknappen. Denn die Deponien müssen aufgrund von EU-Richtlinien effektiver abgedichtet werden.
Insgesamt eine positive Storchen-Bilanz
Gleichwohl - insgesamt konnten die Storchenbeauftragten aus Schleswig-Holstein, die kürzlich zu einer Fachtagung im Bergenhusener Institut zusammen trafen, eine positive Bilanz ziehen. So freut sich Uwe Peterson, Nabu-Referent für Storchenschutz, nicht nur über die zwölf Prozent mehr Horstpaare in Schleswig-Holstein. Vielmehr konnte er auch auf eine verstärkte Neuansiedlung von Störchen hinweisen - und zwar besonders im Raum Angeln. Ein Phänomen sei zudem, dass verstärkt auch einjährige Störche hierzulande in den Brutgebieten auftauchen. Bislang gingen die Fachleute davon aus, dass die Jungstörche bis zur Geschlechtsreife von etwa drei Jahren in ihren Winterquartieren bleiben.
Zudem würden mehr und mehr Hindernisse entschärft. Nach Angaben der Vogelschutzbeauftragten des Energiekonzerns Eon-Hanse, Birgit Aufderheide, sollen die gesetzlich vorgeschriebenen Maßnahmen an Freileitungen zum Schutz der großen Zugvögel bis Ende des Jahres abgeschlossen werden.

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