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Nord-Ostsee-kanal : Steuerposse um Schlangen-Biotop

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Teurer Umzug für eine kleine Schlange: Schleswig-Holsteins Steuerzahlerbund nimmt eine Kolonie von Kreuzottern am Nord-Ostsee-Kanal (NOK) ins Visier.

shz.de von
erstellt am 12.Okt.2013 | 09:03 Uhr

Sehestedt | Das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) hatte die Schlangen vor vier Jahren umgesiedelt, damit sie beim Ausbau der Wasserstraße nicht in Gefahr geraten. Dafür gab das WSA 180.000 Euro aus. Bei 26 Vipern sind das immerhin fast 7000 Euro pro Exemplar. Doch der geplante Kanalausbau liegt seit Jahren auf Eis. Daher meldet sich jetzt der Steuerzahlerbund zu Wort: „Der Kreuzotterschutz hat sich zur Lachnummer entwickelt. Man war mit dem Biotopausgleich ausgesprochen voreilig“, kritisiert Geschäftsführer Rainer Kersten.

Zur Vorgeschichte: 2009 wurden die unter Naturschutz stehenden Giftschlangen auf einer sonnigen Böschung am Nordufer des Kanals auf Höhe Sehestedt bei Rendsburg eingefangen. Experten brachten sie in drei extra dafür angelegte Freilandterrarien westlich von Sehestedt. Das 2,5 Hektar große, eingezäunte Areal wurde vom WSA so eingerichtet, dass sich die Kreuzottern wohlfühlen – mit Verstecken in Form von Baumstubben sowie Reisig- und Steinhaufen. Die Kosten betrugen 130.000 Euro. Hinzu kamen 50.000 Euro für die biologische Begleitung des Projektes durch einen externen Fachmann. Auch die gärtnerische Pflege übernahm das WSA. Besonders absurd für den Bund der Steuerzahler: Mittlerweile gibt es an der Böschung in Sehestedt ein noch größeres Vorkommen der Giftschlangen.

Jörg Brockmann, Projektleiter für den Ausbau der Oststrecke des NOK, kann die Aufregung um die Kreuzottern nicht verstehen. Da die Tiere auf der Roten Liste gefährdeter Arten stehen, habe man sich entschieden, sie durch einen neuen Lebensraum vor den Bauarbeiten zu schützen. „Wenn der Ausbau des Kanals kommt, werden wir die Gehege brauchen. Das Geld wurde also nicht verschwendet“, erklärt der Projektleiter.

Das bezweifelt Kersten und sagt angesichts der erneut entstandenen Kreuzotter-Kolonie: „Möglicherweise unterschätzen wir die Selbstheilungskräfte der Natur. Da kann man sich fragen, ob wir diesen Automatismus, wenn irgendwo Tiere bedroht sind, nicht generell völlig übertreiben.“

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