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Geminiden und Ursiden : Sternschnuppen im Advent: Spielt das Wetter mit?

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Sie haben den Geminidenstrom der letzten Tagen verpasst? Mit ein bisschen Glück haben Sie noch bis zum 26. Dezember die Möglichkeit, Sternschnuppen zu beobachten.

Hamburg/Flensburg | Für Sternschnuppenfans bringt der Dezember meist viele gute Tage - denn in dieser Zeit sind besonders viele Sternschnuppenströme zu sehen. Noch bis zum 17. Dezember macht sich ein besonders starker Strom der Geminiden über Schleswig-Holstein bermerkbar - der Höhepunkt wurde letzte Nacht (von Sonntag, den 13. auf Montag, den 14. Dezember) erreicht. Auch das Wetter spielte mit, und so konnten Sternengucker stündlich bis zu 120 Meteore über den Himmel huschen sehen. Wer dieses Schauspiel verpasst hat, hat bis zum 26. Dezember noch die Möglichkeit, den jetzt folgenden Ursidenstrom zu beobachten. shz.de hat den Kieler Diplom-Meteorologen Sebastian Wache gefragt, ob es die Chance auf klare Nächte in Schleswig-Holstein gibt.

Pro Jahr gibt es 30 bis 40 Sternschnuppenströme, auch Meteorströme genannt. Nach dem Geminidenstrom der letzten Tage ist auch der Ursidenstrom im Dezember ein Höhepunkt für Sternschnuppen-Fans.

Um die Sternschnuppen in den kommenden Nächten sehen zu können, braucht man schon ein bisschen Glück. Es ziehen besonders im Norden Schleswig-Holsteins Regenfelder auf, die natürlich mit dichten Wolken einhergehen. Besonders in der Nacht auf Donnerstag wird starker Regen erwartet. „Allerdings gibt es in den frühen Abendstunden, bevor es in der Nacht abkühlt, die Möglichkeit auf freie Sicht auf den Sternenhimmel.“, sagt Wache.

Am besten sieht man das Himmels-Schauspiel übrigens außerhalb von Städten und weit weg von hellen Lichtquellen. „Es sollten auch keine Straßenlaternen in der Nähe sein“, verrät Marco Ludwig, Leiter der Sternwarte Neumünster. Ganz wichtig fürs Beobachten: „Man muss seine Augen an die Dunkelheit gewöhnen.“ Dies dauert bis zu 30 Minuten. Deswegen gilt: Nichts auf das Handy gucken. Wer auch nur kurz einen Blick auf sein Smartphone wirft, kann noch einmal von vorn beginnen.

Wenn sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben empfiehlt der Sternwarten-Leiter, den Sternenhimmel zu genießen. „Es lohnt sich, sich nachts mal eine Stunde nach draußen zu setzen.“

Warum bringen Sternschnuppen Glück?

Sternschnuppen zaubern einen Lichtstreifen an den Nachthimmel. Dies zu sehen, soll Glück bringen - wenn man niemandem seinen Wunsch verrät und die Sternschnuppe als Einziger sieht.

Woher der Aberglaube kommt, ist unbekannt. Einst sahen Menschen in Sternen göttliche Lichtfunken am dunklen Firmament. Sternschnuppen galten als Dochte, die Engel beim Putzen der Himmelskerzen fallen ließen. Entsprechend hoffte man bei ihrer Erscheinung auf göttlichen Beistand oder zumindest einen Engel an der Seite, wenn es um unerfüllte Wünsche geht.

Allerdings bringen Sternschnuppen nicht überall Gutes. So gelten sie in der Mongolei als Unglückszeichen. Im Volksglauben der Steppenbewohner sind es sichtbar gewordene Seelen Gestorbener auf der Reise ins Jenseits. Auch die Ureinwohner auf den Andamanen-Inseln im Indischen Ozean fürchten sich vor Sternschnuppen. Sie sehen darin Fackeln, mit denen böse Waldgeister Jagd auf Menschen machen, die sich unvorsichtigerweise nachts im Freien aufhalten.

Nach den Geminiden in der ersten Dezemberhälfte folgt um die Weihnachtsfeiertage der Ursidenstrom. Sie sind vom 17. bis 26. Dezember aktiv. Sein Maximum wird er in der Nacht zum 23. Dezember gegen Mitternacht erreichen. „Es werden aber nur etwa zehn Meteore pro Stunde erwartet“, sagt Andreas Goerigk.

Foto: dpa/Grafik: Dengl, Redaktion: K. Klink
 

Die Geminiden sind nach dem Sternbild benannt, aus dem sie zu kommen scheinen: Es sind die Zwillinge (lateinisch: Gemini). Die Häufigkeit der Geminiden ist mit der der Perseiden im August vergleichbar. „Die Geminiden sind momentan eigentlich der ergiebigste Strom der Sternschnuppen“, sagt Sirko Molau von der Vereinigung der Sternfreunde mit Sitz im südhessischen Heppenheim. Sie dürften mit bloßem Auge gut zu sehen sein, sofern das Wetter mitspielt. Das Licht des Mondes stört dieses Mal nicht. „Er ist nur eine kleine Sichel.“ Bleibt die Frage, ob Wolken die Sicht in SH stören könnten.

So entstehen Sternschnuppen und Meteorströme

Leuchterscheinungen am Himmel werden Meteor oder Sternschnuppe genannt. Das Licht der Sternschnuppen stammt nicht von den verglühenden kosmischen Geschossen selbst, sondern von den Luftmolekülen der Erdatmosphäre: Die schnellen Teilchen aus dem All übertragen einen Teil ihrer Energie auf die Luftmoleküle, die daraufhin Licht aussenden. Besonders helle Objekte werden als Boliden bezeichnet.

Meteorströme treten jeden Jahr auf. Am bekanntesten sind die Quadrantiden im Januar, die Perseiden im Juli und August, die Leoniden im November und die Geminiden im Dezember. Meteorströme entstehen, wenn die Erde in die Flugbahn eines Kometen kommt.

 

Wer von den Sternschnuppen länger etwas haben möchte und sie fotografiert, sollte ein paar Dinge beachten. Eine Expertin gibt dafür Tipps: Hobbyfotografen greifen am besten zu einem Weitwinkel-Objektiv, wenn sie Sternschnuppen auf dem Speicherchip festhalten wollen. Damit könne ein möglichst großer Himmelsbereich abgelichtet werden, sagt Constanze Clauß vom Photoindustrie-Verband. „So erhöht man die Wahrscheinlichkeit, keine Sternschnuppe zu verpassen.“ Interessante Perspektiven biete etwa ein extrem weitwinkliges Fischaugen-Objektiv.

Fotografen auf Sternschnuppen-Jagd sollten der Expertin zufolge Spiegelreflex- oder kompakte Systemkameras nutzen. „Prädestiniert für Sternschnuppen-Fotografie sind Kameras, die sich manuell einstellen lassen“, erklärt Clauß. Damit das Bild scharf wird, bleibt der Autofokus aus und wird manuell auf unendlich gestellt - ansonsten versucht die Kamera immer wieder, selbst zu fokussieren. Die Handykamera ist dagegen eher ungeeignet.

Wichtig ist es, lange zu belichten, die Blende möglichst weit zu öffnen und die ISO-Empfindlichkeit gering zu halten. Bei einer langen Belichtungszeit von 30 Sekunden und mehr könne man sehr wahrscheinlich einige Sternschnuppen einfangen, erläutert Clauß.

Doch auch auf das Zubehör kommt es an: Damit die Aufnahmen bei den langen Belichtungszeiten nicht verwackeln, sei ein Stativ unverzichtbar. Hilfreich sei es auch, einen Fernauslöser zu nutzen: „Das macht das Fotografieren nicht nur bequemer, sondern vermeidet auch Kameraerschütterungen“, sagt Clauß. Fotograf Marcus Dewanger bringt es auf den Punkt: „Hände weg von der Kamera und in Ruhe belichten lassen.“

Wenn es das Modell hergibt, kann die Kamera auch über ein Tablet gesteuert werden. Der Vorteil sei hier, dass man die Bildkontrolle über ein größeres Display hat. Allerdings brauchen die Augen dann auch mehr Zeit, um sich vom hellen Bildschirm-Licht wieder an den dunklen Nachthimmel zu gewöhnen.

Grundsätzlich gelte fürs Fotografieren: Je dunkler der Himmel, desto besser. Fotografen seien deswegen auf dem Land erfolgreicher als in der Stadt. Für die optimale Ausbeute empfiehlt Clauß Sternenparks, Sternwarten, Felder oder Hügel auf dem Land.

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erstellt am 14.Dez.2015 | 12:11 Uhr

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