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Langjähriger sh:z-Chefredakteur : Stephan Richter in den Ruhestand verabschiedet

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein Urgestein des Journalismus und langjähriger Chefredakteur des sh:z geht in den Ruhestand.

shz.de von
erstellt am 30.Sep.2015 | 20:36 Uhr

Glückburg | Das große Aufgebot war kein Selbstgänger. Nicht, weil sich der Verlag geziert hätte – sondern wegen der Bescheidenheit der Hauptperson. Das Schwierigste sei gewesen, Stephan Richter selbst von der Idee eines Festakts zu überzeugen, verriet sein Nachfolger Stefan Hans Kläsener. Unter der Maßgabe, die Veranstaltung als „Geste des Respekts vor der ganzen Redaktion“ zu verstehen, stimmte Richter nach langer Bedenkzeit zu. Und so verneigten sich am Mittwoch auf Schloss Glücksburg gut 200 Weggefährten aus Journalismus, Kultur, Politik und Wirtschaft vor dem Lebenswerk des dienstältesten Chefredakteurs der schleswig-holsteinischen Zeitungslandschaft.

Im September 1989 war der heute 65-Jährige Mitglied der in Flensburg ansässigen Chefredaktion geworden. Von einem „Urgestein des schleswig-holsteinischen Journalismus“ sprach deshalb Uli Wachholtz, Vorsitzender des Gesellschafterausschusses. Zumal der aus Brunsbüttel stammende Richter bereits vor 41 Jahren beim Flensburger Tageblatt den Einstieg in den Beruf gefunden hatte. „Er setzte konsequent auf Qualität“, bescheinigte Wachholtz dem obersten Journalisten seines Hauses. „Eine Kompassnadel für viele im Land, auch wenn sie nicht immer seiner Meinung waren“ sei Richter gewesen. Nicht zuletzt dank eines „Gespürs für Strömungen, die im politischen Fastfood-Geschäft viel zu häufig untergehen“. „Als Journalist war, ist und bleibt Stephan Richter eine Auszeichnung für Verlag und Redaktion“, betonte Wachholtz. Der in Glücksburg lebende Richter werde für das Haus weiter als Autor tätig sein.

Dass sich der Geehrte nicht allein um die Tageszeitung, um „Schleswig-Holstein am Sonntag“ und viele weitere Titel verdient gemacht hat, sondern um das Bundesland insgesamt, würdigten Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) und Vorgänger Peter Harry Carstensen (CDU) in Videobotschaften. Als Beispiele nannten sie die Schleswig-Holstein-Topographie, die in zehn Bänden mehr als 1000 Gemeinden beschreibt, das monumentale Geschichts-Projekt Jahrhundert-Story, die Ehrung „Mensch des Jahres“ und andere Events. Dazu zählt etwa der Ruder-Cup auf dem Kanal.

Ein Blatt nur für den Chef: Jürgen Muhl, stellvertretender Chefredakteur, überreicht Stephan Richter eine persönliche Ausgabe aus der Redaktion.
Ein Blatt nur für den Chef: Jürgen Muhl, stellvertretender Chefredakteur, überreicht Stephan Richter eine persönliche Ausgabe aus der Redaktion. Foto: Marcus Dewanger
 

Vier Begleiter warfen im Gespräch mit RSH-Chefkorrespondent Carsten Kock vier Blicke auf Stephan Richter. „Eine Grundsatztreue zur Fairness“ machte Ex-Wirtschaftsminister Dietrich Austermann aus, und zwar schon, als er noch Bundestagsabgeordneter war und Richter Ende der 80er Jahre als Bonn-Korrespondenten kennenlernte. Als jemanden, „der keine Fallen stellt“ und eine „seismografische Gabe“ für aufziehende Themen besitze, hat der Schleswiger Altbischof Hans Christian Knuth den Zeitungsmann erlebt. Für die bildende Kunst habe der Chefredakteur Interesse in breiten Bevölkerungskreisen geweckt, freute sich der Maler Klaus Fußmann. Der langjährige sh:z-Chefkorrespondent Erich Maletzke rühmte Richter für ein angenehmes Betriebsklima und zollte ihm doppelt Anerkennung im Umgang mit Kommentaren. Möge der Chefredakteur auch nicht alle Meinungen persönlich gebilligt haben, so habe er sie doch im Blatt zugelassen. Und größten Respekt verdiene, wie Richter trotz immensen Zeitdrucks und zig Unterbrechungen durch Kollegen seine eigenen Kommentare zustande gebracht habe – die den Eindruck erweckten, es stecke ein ganzer Arbeitstag darin.

Der Geehrte gab am Ende zu: „Man glaubt gar nicht, wie viel Lob man ertragen kann, ohne Schaden zu nehmen“ – blieb aber letztlich doch seinem Understatement treu: Sein Anteil sei „der Geringste an allem“, was an der Arbeit der Redaktion gelobt worden sei. „Vieles hat sich gefügt durch Menschen, die mich unterstützt haben – innen wie außen.“

Was das Ungewöhnliche des Tages besonders dokumentiert: Vize-Chefredakteur Jürgen Muhl präsentierte der Festgesellschaft eine Zeitung, die ausnahmsweise nicht Richter für andere gemacht hat, sondern andere für Richter – acht Seiten voller Redaktions-Anekdoten als Souvenir für den neuen Lebensabschnitt. Titel: „Richter 2.0“

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