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Nach Verbrennungen : Steine am Strand: Phosphor nicht die einzige Gefahr

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Der Nabu geht davon aus, dass in vielen Wohnzimmern in SH Sprengstoffbrocken liegen. Weil sie für schöne Steine gehalten werden. Doch das kann gefährlich werden. Wie jüngst bei Phosphor-Funden.

shz.de von
erstellt am 07.Okt.2014 | 06:43 Uhr

Kiel | Er sieht aus wie Bernstein, ist aber brandgefährlich: Weißer Phosphor hat innerhalb weniger Tage drei Menschen in Schleswig-Holstein schwer verletzt, darunter ein acht Jahre altes Mädchen, das am Plöner See Steine gesammelt hatte.

Jetzt warnt Ingo Ludwichowski vom Naturschutzbund Nabu: „Phosphor ist nicht die einzige Gefahr. Ich gehe davon aus, dass in vielen Wohnzimmern Sprengstoffbrocken liegen, die Strandbesucher für besonders schöne Steine gehalten haben.“

Neben Phosphor werden zwei Stoffe immer wieder angespült: Stangenpulver und Schießwolle. So entdeckte ein Neumünsteraner 2013 am Ostseestrand einen elf Zentimeter langen Stab, der ihn an den Donnerkeil eines Belemniten erinnerte, das fossile Skelett einen Kopffüßlers. „Tatsächlich bestand der Fund aus einem Treibladungspulver, das früher in Stangenform in Granaten verwendet wurde, damit die Geschosse eine höhere Geschwindigkeit erreichten“, sagt Ludwichowski. Wird es angezündet, brennt Stangenpulver mit einer starken Stichflamme. Der Fund blieb kein Einzelfall. „Es gab weitere in der Eckernförder Bucht, in der Nähe der ehemaligen Flugabwehr-Batterie Boknis Eck.“

Immer wieder taucht auch Schießwolle am Strand auf, die mit hochgiftigem „Kaisergelb“ angereichert ist. Knapp 70 Jahre nach der Versenkung von Minen, Torpedos oder Bomben sind deren Hülsen durchgerostet, ihr Inhalt ist ausgetreten und von den Wellen rundgespült worden. Schießwolle sieht daher oft aus wie ein Stein mit besonders schöner Zeichnung, färbt jedoch die Hände gelb. „Ein Hautkontakt ist unbedingt zu vermeiden“, betont Ludwichowski. „Die ehemals gießbare Mischung aus TNT, Hexanitrodiphenylamin und Aluminium ist hochgiftig, krebserregend und erbgutschädigend.“

Nach dem Phosphorfund am Plöner See suchte der Kampfmittelräumdienst nach weiteren Brocken. In St. Peter Ording, wo eine Nordsee-Urlauberin und ihr Ehemann verletzt wurden, ist die Gemeinde aktiv geworden. Bürgermeister Rainer Balsmeier: „Wir lassen den Strand jetzt regelmäßig absuchen.“

Während in Mecklenburg-Vorpommern bereits Schilder am Strand vor der Gefahr einer Verwechslung von Bernstein mit Phosphor warnen und die Gemeinden teilweise feuerfeste Behälter zum Steinesammeln anbieten, ist das Thema bei der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (TASH) noch nicht angekommen. Sprecher Marc Euler: „Wenn aus den Urlaubsorten das Signal kommt, tätig zu werden, dann greifen wir das auf. Unnötig Ängste schüren wollen wir aber nicht.“

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