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Untreueverdacht gegen TASH-Chefin : Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Andrea Gastager

vom

Nutzte die Geschäftsführerin der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein die Agentur-Kreditkarte für private Zwecke? Das zumindest wirft ihr die Staatsanwaltschaft vor.

shz.de von
erstellt am 20.Jan.2016 | 07:25 Uhr

Kiel | Die Staatsanwaltschaft Kiel ermittelt gegen die Geschäftsführerin der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (Tash) – wegen des Verdachts der Untreue. Andrea Gastager, verantwortlich für die touristische Vermarktung des Landes, soll privat mit der Firmenkreditkarte eingekauft haben. Gestern rückten Ermittler mit einem Durchsuchungsbeschluss in ihrem Büro im Sell-Speicher am Kieler Wall an.

Oberstaatsanwältin Birgit Heß: „Die Geschäftsführerin soll die ihr seitens der Tash zur Verfügung gestellte Kreditkarte genutzt haben, um private Ausgaben im unteren vierstelligen Bereich zu begleichen.“ Aufgefallen ist das im Kieler Wirtschaftsministerium bei einer „Verwendungsnachweisprüfung“ für das Jahr 2014. Das Wirtschaftsministerium fördert die Tash mit 1,5 Millionen Euro pro Jahr, kontrolliert daher regelmäßig, ob die Gelder zweckgebunden genutzt werden. Eine Stellungnahme wollte der Sprecher mit Rücksicht auf die Ermittlungen nicht abgeben. Nach Informationen des sh:z waren eine Reihe mit der Kreditkarte bezahlte Posten so offensichtlich nicht dienstlich, dass der Fall der Staatsanwaltschaft gemeldet wurde.

„Ich habe ein sehr positives Verhältnis zu Frau Gastager, bin aufs Äußerste irritiert“, sagte Peter Bartsch, Aufsichtsratsvorsitzender der Tash und Ehrenvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga). Er ist vom Wirtschaftsministerium über den Sachverhalt informiert worden, hat am Mittwoch um 10 Uhr einen Termin dort. „Ich nehme einen Rechtsanwalt mit, um zu klären, wie wir juristisch korrekt vorgehen“, teilte Bartsch mit. Eine Aussage, die darauf hindeutet, dass über eine Freistellung der Geschäftsführerin für die Dauer der Ermittlungen nachgedacht wird.

Gastager soll die in Rede stehenden Posten mittlerweile vollständig zurückgezahlt haben. Sie war am Dienstag auf Dienstreise, telefonisch nicht zu erreichen. Auch ihr Sprecher wollte sich mit Blick auf die noch laufenden Ermittlungen nicht äußern.

Begleitet von großen Hoffnungen der Touristiker des Landes, war Gastager erst vor anderthalb Jahren einstimmig zur Geschäftsführerin der Tash gewählt worden. Sie löste Christian Schmidt ab, der zunehmend glücklos agierte und sich auf die regionale Ebene in seiner hessischen Heimat wegbewarb. „Frau Gastager ist eine hochkompetente und bundesweit gut vernetzte Expertin“, sagte Wirtschaftsminister Reinhard Meyer zum Amtsantritt der neuen Chefin. Der SPD-Politiker ist zugleich Präsident des Deutschen Tourismusverbands und hat touristische Weichenstellungen im Land zur Chefsache gemacht.

Vor ihrem Wechsel an die Tash-Spitze war die aus Bayern stammende Gastager lange Jahre Tourismus-Chefin in Lübeck. Dort hatte sie durch innovative, auch überregional wahrgenommene Marketing-Ideen auf sich aufmerksam gemacht. Auch auf Landesebene sorgte sie für Aufmerksamkeit. Insbesondere mit der Marketing-Kampagne für das „Glückswachstumsgebiet“ Schleswig-Holstein. Es verzahnt die Vorstellung vom Urlaubsglück mit Umfrageergebnissen, in denen die Schleswig-Holsteiner selbst sich regelmäßig als glücklichste Menschen in Deutschland bezeichnen. Erst im Herbst hat Gastager erstmals eine Kampagne für eine schleswig-holsteinische Auslandswerbung gestartet.

Der Wirbel an der Spitze trifft die Tash zu einem Zeitpunkt, an dem es ganz besonders auf die zentrale Marketinggesellschaft ankommt: Gerade erst hat sich Schleswig-Holstein eine neue Tourismusstrategie mit ehrgeizigen Wachstumszielen gegeben, die es jetzt mit Leben zu erfüllen gilt.

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