Benzinpreis-Frust : Spritklau: Nur Nordlichter sind ehrlich

Tanken ist zum teuren Spaß geworden. Foto: dpa
Tanken ist zum teuren Spaß geworden. Foto: dpa

Die Deutschen klauen immer öfter Benzin - aber nicht in Schleswig-Holstein. Während andere Bundesländer über mehr Tankbetrüger klagen, gibt das nördlichste Bundesland keinen Alarm.

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08. August 2008, 01:52 Uhr

Explodierende Kraftstoffpreise führen bei Autofahrern zu Frust an den Zapfsäulen - gleichzeitig wird Benzin in einigen Bundesländern immer häufiger geklaut. Tatorte sind fast immer Baustellen, Firmengelände oder Rastplätze, auf denen große Lastwagen oder Baufahrzeuge geparkt sind oder große Tanks stehen, wie eine Umfrage der Deutschen-Presse-Agentur dpa ergab. Insbesondere in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Brandenburg und Thüringen spricht die Polizei teilweise sogar von einer drastisch steigenden Zahl von Tankbetrugsdelikten.
"Wir führen das auf die hohen Spritpreise zurück", sagte Maren Leisner von der Kölner Polizei. Die Zahl von 2500 registrierten Fällen aus dem Jahr 2007 werde im laufenden Jahr voraussichtlich klar überschritten. Auch die Polizei in Düsseldorf sprach von einem drastischen Anstieg. In Aachen wurden allein im ersten Halbjahr 2008 rund 400 Mal die Tankrechnungen nicht bezahlt - im Vorjahreszeitraum waren es 275 Fälle gewesen. Ein Polizeisprecher in Bonn sagte, seit diesem Jahr werde Tankbetrug erstmals gesondert in die Kriminalstatistik aufgenommen. In der früheren Bundeshauptstadt seien dabei in den ersten sechs Monaten bereits 250 Fälle von Betrug an der Zapfsäule gemeldet worden.
Ludwigshafen: 479 Fälle von Tankbetrug
Auch in Rheinland-Pfalz gibt es teilweise einen Trend zum "Spritklau". "Die Preisentwicklung macht Diesel - ähnlich wie Altmetall - derzeit zu einem begehrten Diebesgut", sagte eine Sprecherin der Trierer Polizei. Obwohl von Trier aus die preisgünstigeren luxemburgischen Tankstellen nicht weit sind, hat die Polizei dort einen deutlichen Anstieg der Diebstahlszahlen festgestellt. In diesem Jahr seien bis Ende Juni 70 Fälle angezeigt worden, sagt die Sprecherin. Nur dreimal hätten es die Täter auf Benzin abgesehen. In allen übrigen Fällen sei Diesel abgezapft worden - insgesamt rund 20.000 Liter. Vor allem große Baustellenfahrzeuge wie Bagger und Radlader, aber auch Busse und Lastwagen würden aufgebrochen.
Im Gebiet des Polizeipräsidiums Rheinpfalz in Ludwigshafen hat der Tankbetrug in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen: Schlugen die Betrüger 2005 im ersten Halbjahr noch 241 zu, so waren es im ersten Halbjahr 2008 bereits 479 Fälle. Es gebe aber kaum noch noch Tankstellen ohne Überwachungssysteme, so sei die Gefahr, erwischt zu werden, recht hoch. Die Aufklärungsquote bei Tankbetrug liege inzwischen bei 50 bis 60 Prozent. "Täter ist dabei übrigens in den letzten beiden Jahren in jedem dritten Fall eine Frau."
Brandenburg: Benzindiebe schlugen 702 Mal zu
Angeheizt durch die hohen Spritpreise haben Dieseldiebe im ersten Halbjahr in Brandenburg allein 702 Mal zugeschlagen - ein deutlicher Anstieg, wie das Landeskriminalamt in Eberswalde mitteilte. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren noch 553 Kraftstoff-Diebstähle registriert worden. "Angesichts der drastisch gestiegenen Spritpreise hat die kriminelle Energie bei den Tätern deutlich zugenommen", sagte der Sprecher des Potsdamer Polizeipräsidiums, Rudi Sonntag.
In Thüringen wurden im ersten Halbjahr 2008 laut Landeskriminalamt rund 100.500 Liter Diesel gestohlen. Das entspricht der gesamten abgezapften Menge von 2007. Betroffen seien vor allem abgelegene Baustellen und Lastwagen, die an Wochenenden auf Rastplätzen geparkt werden. Im Thüringer Wald seien auch Forstmaschinen sehr beliebt. "Mehr Forstmaschinen als üblich waren für Aufräumarbeiten nach Orkan Emma im Einsatz. Das haben die Dieseldiebe genutzt", sagte ein Sprecher der Polizeidirektion Suhl.
Schleswig-Holstein: Spritklau hat nicht zugenommen
Auch in Baden-Württemberg zapfen mehr Menschen ihren Sprit einfach aus Baufahrzeugen ab oder stehlen ihn an der Tankstelle, anstatt die hohen Preise zu bezahlen, wie die Polizei mitteilte. Auffällig sei im Südwesten, dass neben Autos aus Deutschland auch häufig Fahrzeuge mit ausländischen Kennzeichen ermittelt würden.
In Schleswig-Holstein dagegen hat der Spritdiepstahl nicht zugenommen. "Die Zahlen sind nicht gestiegen, sondern gleich geblieben", sagt Uwe Keller, Pressesprecher des Landeskriminalamts Schleswig-Holstein in Kiel.Gelegentlich sei organisierter Benzinklau zu beobachten. Gerald Seher, Geschäftsführer des Bauindustrieverbands Schleswig-Holstein bestätigt: "Es gibt keine aktuellen Fällen von Spritklau in Schleswig-Holstein." Vermutliche liege dies daran, dass man den Tank auf den Baustellen nicht mehr stehen lasse.

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