Brücken-Fiasko an der A7 : Sperrung der Hochbrücke: Unternehmen leiden

NOK-Brücke für Lkw gesperrt:Die Verkehrsprobleme am Nord-Ostsee-Kanal werden mindestens vier Monate für Chaos und Ärger sorgen.  Foto: Marcus Dewanger
NOK-Brücke für Lkw gesperrt:Die Verkehrsprobleme am Nord-Ostsee-Kanal werden mindestens vier Monate für Chaos und Ärger sorgen. Foto: Marcus Dewanger

Für die Unternehmen ist SH zweigeteilt, seitdem die Rader Hochbrücke für Lkw gesperrt ist. Ein Logistiker schimpft: "Das ist wie in einer Bananenrepublik."

Avatar_shz von
30. Juli 2013, 04:08 Uhr

Kiel | "Schleswig Holstein up ewig ungedeelt" - so wurde anno 1460 im Vertrag von Ripen die Unteilbarkeit der Herzogtümer von Schleswig und Holstein festgeschrieben. "Jetzt - mehr als 550 Jahre später - sorgt der bröselnde Beton auf der Rader Hochbrücke dafür, dass Schleswig-Holstein doch geteilt wird - in die Region nördlich und südlich des Kanals", stellt der Flensburger Getränkegroßhändler Dietmar Brummer sarkastisch fest. Seine Lieferanten sitzen südlich des Kanals: Coca-Cola in Neumünster oder der Mineralbrunnenhersteller in Norderstedt. "Wir müssen jetzt mit viel mehr Vorlauf den Nachschub ordern, um Engpässe auszugleichen. Das bindet viel Kapital", klagt Brummer, der zugleich Sprecher des GEKO-Verbundes namhafter Getränkegroßhändler im Norden ist. Die Zusatzkosten, die einige Speditionen bereits angekündigt haben, könne er nicht auf seine Kunden abwälzen. "Wo soll ich dann die Rechnung hinschicken? An das Land oder an den Bund?" fragt er. Notfalls will er vor Gericht ziehen. Zumal er nicht davon ausgeht, dass die Brückenschäden wie vom Kieler Verkehrsministerium prognostiziert, bis November behoben sein werden. Das werde eher Sommer 2014, so Brummers Befürchtung.
Exakt nachgerechnet, wieviel die Sperrung der Kanalbrücke pro Monat kosten wird, hat bereits Ralf Schliestedt, Leiter der Logistik bei Citti in Kiel. "Wir rechnen mit bis zu 30.000 Euro zusätzlich pro Monat für Personal und Diesel" . Im Moment arbeitet das Handelsunternehmen mit Standorten auch in Lübeck und Flensburg auf Hochtouren daran, die Touren so umzuplanen, damit die Kunden möglichst wenig von dem Debakel merken.

"Wie in einer Bananenrepublik"

Auch das Genossenschaftsunternehmen Hage, spezialisiert auf den Transport von Futtermitteln, Getreide und Baustoffen, geht von Mehrkosten in Höhe von 15 Prozent aus - bei Touren über den Kanal. Hage-Chef-Logistiker Joachim Pinn lässt kein gutes Haar an den Verantwortlichen in Kiel und Berlin. "Das ist wie in einer Bananenrepublik. Mitten im Sommer wird die wichtige Nord-Süd-Achse gekappt und keiner will vorher etwas von den Schäden bemerkt haben."
Der Unternehmensverband Nord spricht inzwischen von einem nachhaltigen Imageschaden für den Wirtschaftsstandort. "Wie sollen wir Werbung für die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes betreiben, wie sollen wir Investoren für Schleswig-Holstein begeistern, wenn diese den Standort entweder nicht vernünftig erreichen oder ständiger Staugefahr ausgesetzt sind?", kritisiert Michael Thomas Fröhlich, Hauptgeschäftsführer des UV-Nord. Statt sich in Schuldzuweisungen zu verlieren, sollten alle Lobby-Arbeit in Berlin für die A 7 betreiben, die die wichtigste Verbindung zwischen den skandinavischen Ländern und Mitteleuropa sei. Sofern eine "belastbare und zukunftsfähige Sanierung der Rader Hochbrücke" nicht möglich sei, müssten auch die Überlegungen für einen Neubau forciert werden. Die Politik müsse endlich anerkennen, "dass Verkehrsinfrastruktur nicht nur ein lästiges Übel ist, sondern die Grundlage für Wachstum und Beschäftigung darstellt", so Fröhlich.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen