Sterbegeldversicherungen : Sparen für die letzte Ruhe - Experten warnen

grafik bestatungskosten 11-2013 rz

Die Angst, den eigenen Kindern nach dem Tod auf der Tasche zu liegen, treibt viele ältere Menschen um. Doch Experten warnen, Sterbegeldversicherungen seien eher ein Grab für das eigene Geld.

Avatar_shz von
22. November 2013, 07:13 Uhr

Kiel | Die Deutschen sind „Versicherungs-Könige“: Fast für jeden Spezialfall besitzen sie die passende Versicherung. Sogar für die Bestattung wird vorgesorgt. Je nachdem, ob es für den Eichensarg samt üppigem Blumenarrangement reichen soll oder für eher bescheidenes Programm, bieten Assekuranzen entsprechende Sterbeversicherungen an.

Stirbt der Versicherte, zahlen die Anbieter die vorher vereinbarte Summe an die Hinterbliebenen aus. Sterbegeldpolicen sind im Prinzip kleine Kapitallebensversicherungen. Ein Teil der Kundenbeiträge fließt in den Sparanteil, den die Anbieter verzinsen, der Rest in den Risikoschutz und die Verwaltungskosten. In eine Sterbegeldpolice zahlt man üblicherweise bis zum 85. Lebensjahr ein, danach endet die Einzahlphase.

Die Branche betreibt offensive Werbung: „Nichts ist umsonst, nicht einmal der Tod“. Und es wird vorgerechnet, dass eine durchschnittliche Beerdigung ohne großen Pomp um und bei 5000 Euro kostet.

Doch Experten warnen, Sterbegeldversicherungen seien eher ein Grab für das eigene Geld. „Die Sterbegeldversicherung rangiert unter den Top fünf der überflüssigsten Versicherungen“, urteilt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten in Henstedt-Ulzburg (Kreis Segeberg).

In der Regel sind es die Älteren, die sich für eine solche Versicherung interessieren. Doch gerade für sie ist ein solcher Vertragsabschluss genau zu prüfen. Einerseits tritt nämlich der volle Versicherungsschutz erst drei Jahre nach Abschluss des Vertrags ein. Das heißt, wer vorher verstirbt, dessen Angehörige haben von der Sterbegeldversicherung nichts. Andererseits zahlen besonders Ältere häufig mehr ein, als sie nachher ausgeschüttet bekommen. Das zeigte auch ein Vergleich der Stiftung Warentest, die zu dem Schluss kommt, dass für Menschen ab 65 Jahren Sterbegeldversicherungen immer zu teuer sind. Grund: Der Anteil der Risikoabsicherung ist zu hoch. Selbst im günstigsten Tarif musste ein 65-jähriger Mann für eine garantierte Versicherungssumme von 5000 Euro im Laufe von 20 Jahren insgesamt 7245 Euro einzahlen. Auch Frauen ab 65 Jahren zahlen, wenn sie das Ende der Beitragszahlungsdauer erleben, mehr ein als die Angehörigen bei ihrem Tod erhalten.

Der Bund der Versicherten rät deshalb eher zu einer Risikolebensversicherung. Die springt, anders als die Sterbegeldversicherung, sofort ein, wenn es zum Todesfall kommt. Allerdings muss man beachten, dass der Schutz der Risikolebensversicherung je nach Anbieter meist mit 75 Jahren endet. Um danach noch Geld für die Beerdigungskosten zu haben, muss man parallel zur Risikolebensversicherung einen Sparvertrag abschließen. Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) betont angesichts solcher Zahlen den Vorsorgegedanken: „Die ausschließliche Fokussierung auf die Rendite bei Erleben eines hohen Lebensalters ist bei diesem Produkt unangemessen“ , meint GDV-Chef Peter Schwark. Für die Kunden gehe es vielmehr um die Absicherung eines persönlichen Risikos. „Ziel der Kunden ist üblicherweise nicht die Geldanlage, sondern sicherzustellen, dass im Todesfall – unabhängig vom konkreten Sterbezeitpunkt – ausreichend Mittel für eine angemessene und würdige Beerdigung zur Verfügung stehen.“ Tatsächlich bieten einige Anbieter dem Kunden Pakete an, bei denen er auch die Organisation der Zeremonie mitbestimmen kann. In manchen Fällen fließt das Geld auch direkt an ein Bestattungsunternehmen. „Das kann sogar sinnvoll sein“, sagt Thorsten Rudnik – zum Beispiel, wenn der Versicherte befürchtet, dass die eigenen Angehörigen das Geld nicht für die Beerdigung einsetzen, oder nicht so, wie sie es nach dem Willen des Verstorbenen sollen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen