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Hintergrund : Sonderweg mit Risiken

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ein Jahr lang wurde diskutiert und gestritten, jetzt steht das Konzept der künftigen Lehrerausbildung in Schleswig-Holstein.

Ähnlich wie in anderen Bundesländern war die Reform der Lehrerausbildung notwendig, um die Ausbildung an die geänderten Schulformen anzupassen. Selbst im reformabstinenten Bayern gibt es inzwischen einen „reinen“ Grundschullehrer. „Vieles ist in der Bildungslandschaft höchst umstritten, aber dass wir bei Grundschulkindern eine andere Pädagogik brauchen als bei Jugendlichen, darüber herrscht großes Einvernehmen“, erklärte der Präsident der Flensburger Universität, Werner Reinhard.

Doch damit hört der Gleichschritt mit anderen Bundesländern auch schon auf. So führt Schleswig-Holstein keine Stufenlehrer ein – also Lehrer jeweils für die Klassen 1 bis 4, fünf bis 10 und die Oberstufe. Wegen der bekannten Animositäten zwischen Kiel und Flensburg einigte man sich vielmehr auf diesen Kompromiss: Beide Unis bilden Lehrer für die Klassen fünf bis 13 aus. Flensburg schwerpunktmäßig für den Einsatz an Gemeinschaftsschulen, Kiel für Gymnasien. Zudem gibt es Mischformen. So kann man in Flensburg ein Fach auf mittlerem und eines auf höherem Niveau studieren. Diese ungewöhnliche Konstruktion müsse dringend auf ihre Machbarkeit hin überprüft werden, forderte gestern der FDP-Landtagsabgeordnete Christopher Vogt. Es besteht die Gefahr, „dass dieses Modell nicht von anderen Bundesländern anerkannt wird, weil es nicht mit den Vorgaben der Kultusministerkonferenz vereinbar ist“. Schleswig-Holstein wage hier einen Sonderweg, „der die Mobilität der Studenten und Lehrern zwischen den Ländern einschränken könnte“, so seine Sorge.

Auch die Frage der Besoldung der „neuen“ Lehrer ist ungeklärt. Grundschullehrer, die ab August 2014 ein genauso langes und anspruchsvolles Studium absolvieren wie Gymnasiallehrer, wird man kaum drei Gehaltsstufen schlechter bezahlen können. Bislang machten Grundschullehrer nach acht Semestern ihr Staatsexamen. Ex-Bildungsminister Ekkehard Klug (FDP) hatte berechnet, dass mit der Umstellung jährlich 30 Millionen Euro Zusatzkosten auf das Land zukommen und sie deshalb verworfen.

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erstellt am 13.Sep.2013 | 00:31 Uhr

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