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Arbeitslosengeld statt Gehalt : Sommerferien: Land setzt Lehrer auf die Straße

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Sechs Wochen arbeitslos: Für knapp 200 junge Lehrer bedeuten die Sommerferien, dass sie auf Unterstützung angewiesen sind. Eine Belastung für Steuerzahler - und Schulen.

shz.de von
erstellt am 15.Mai.2013 | 09:28 Uhr

Kiel | Das Land wird auch in diesem Jahr zum Ferienbeginn wieder angestellten Lehrkräften kündigen, um nach den Ferien wieder kräftig einzustellen. Dies bestätigte ein Sprecher des Bildungsministeriums in Kiel. Nach Zahlen der Agentur für Arbeit war im vergangenen Jahr fast jede siebte der 1400 befristet angestellten Lehrkräfte in den Monaten Juni, Juli und August auf die Straße gesetzt worden. Das war mit 196 Betroffenen die höchste Zahl seit 2008 (237). Mit dem Vorgehen dürfte die Landesregierung auf Kosten der Sozialkosten erneut deutliche Einsparungen erzielen.
"Wir sind natürlich nicht erfreut, dass die Zahl der arbeitslosen Lehrer in den Sommerferien regelmäßig ansteigt", sagte Thomas Letixerant von der Regionaldirektion Nord der Arbeitsagentur. Die Zahlungen von Arbeitslosengeld gingen zu Lasten der Versichertengemeinschaft. Für Leistungen aus der Grundsicherung, die fällig werden, wenn Betroffene keine ausreichenden Ansprüche aus der Arbeitslosenversicherung haben, müssten die Steuerzahler aufkommen. Fakt sei, dass arbeitslose Lehrkräfte in den Sommerferien kaum zu vermitteln seien. "Mündliche Zusagen über eine Wiedereinstellung erschweren diese Bemühungen zusätzlich."

Politik verspricht Besserung


Zugleich wies Letixerant darauf hin, dass betroffene Lehrkräfte ihren bisherigen Arbeitgebern nicht selten den Rücken zuwendeten oder die Region wechselten. Damit gingen hoch qualifizierte Fachkräfte verloren. Dies sei doppelt ärgerlich, weil das Land diesen Kräfte selbst ausgebildet habe.
Bildungsministerin Waltraud Wende bekräftigte das Ziel der Regierung, die Zahl der befristet beschäftigten Lehrkräfte "systematisch zu verringern". Dies sei das Land dem Lehrernachwuchs wie den Schulen schuldig, die auf eine verlässliche Personalplanung angewiesen seien. Zugleich wies Wende darauf hin, dass dieser Weg schwierig sei, weil befristet angestellte Kräfte auf Stellen beschäftigt würden, für deren Inhaber es etwa nach Krankheit oder Mutterschutz einen Rückkehranspruch gebe.
Nach einer Analyse der Bundesagentur für Arbeit meldeten sich zu Beginn der Sommerferien 2012 bundesweit 5400 Lehrer zusätzlich arbeitslos. Ein Drittel davon ging auf das Konto von Baden-Württemberg. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hält Entlassungen vor den Sommerferien für einen Skandal. Die Arbeitslosenversicherung sei nicht dazu da, Lehrer im Juli oder August zu bezahlen, hieß es dort.
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