Sex-Clubs durchsucht : Soko gelingt Schlag gegen Rocker

Razzia in Kiel und Flensburg: Rocker der "Legion 81" sollen junge Frauen zur Prostitution gezwungen und anschließend das Geld einkassiert haben.

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10. Dezember 2010, 12:27 Uhr

Kiel/Flensburg | Das Ambiente ist vornehm: Es gibt griechische Statuen, rote Samtvorhänge und einen ozeanblauen Whirlpool im Bordell "Aphrodite" in Grevenkrug an der Autobahn 215 nach Kiel. Den Gast erwarten barbusige Mädchen mit einem Lächeln - doch offenbar arbeiten nicht alle freiwillig in diesem Etablissement.
Ermittler der Sonderkommission (Soko) Rocker haben das "Aphrodite" gestürmt, zeitgleich dazu den Nachtclub "White House" in Flensburg und zwei Wohnungen in Kiel. In einer lebt der Anführer (39) der "Legion 81", eines Unterstützerclubs der Rockerbande "Hells Angels", in der zweiten ein Geschäftsführer (23) aus der Rotlichtszene.
Junge Frauen zur Prostitution gebracht
Stefan Jung, Sprecher des Landeskriminalamts: "Anlass der konzertierten Aktion war ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Kiel gegen die beiden Männer. Sie sollen junge Frauen unter 21 Jahren gegen ihren Willen dazu gebracht haben, als Prostituierte in dem Bordell und dem Nachtclub tätig zu sein." Ob dazu Gewalt angewendet wurde, geben die Ermittler nicht preis. Aber: Die Beschuldigten sollen den Mädchen den Erlös für ihre Dienste abgenommen und für sich selbst verwendet haben.
Bei der Durchsuchung wurden Unterlagen sichergestellt. Ob allerdings die jungen Prostituierten, deren Personalien Ermittler aufgenommen haben, eine Aussage machen werden, ist fraglich. In Rockerkreisen gilt das Gesetz des Schweigens. Die etwa zwölf Mitglieder der "Legion 81" stützen in Kiel als verlängerter Arm der "Hells Angels" deren Macht im Rotlichtmilieu und erledigen die Drecksarbeit. So überfielen im November "Legion 81"-Rocker einen Unterstützer der verfeindeten "Bandidos" am Kieler Hauptbahnhof, wollten ihn in ein Auto zerren. Warum, ist unklar, die Entführung misslang. Und bereits im Januar hatten zwei Mitglieder der "Legion 81" auf eine Motorradwerkstatt der "Bandidos" in Preetz (Kreis Plön) geschossen. Die beiden Männer (28 und 30) fuhren mit ihrem Opel Omega vor, ließen die Beifahrerscheibe herunter und feuerten mit einem Revolver "Weihrauch Arminius Kal .38 Spezial" auf das Garagentor der Werkstatt. Das Projektil schlug unmittelbar neben den "Bandidos" ein, die dort Schnee schippten. Auf der Flucht nach Kiel stoppten Polizisten den Opel. Im Wagen lagen die Tatwaffe, die im Jahr 2000 beim Einbruch in eine Hamburger Spedition gestohlen worden war, außerdem Munition, eine Sturmhaube, Messer und Tränengas.
Bordell hinter dem Sparfuchs-Markt?
Die beiden Rocker legten ein Geständnis ab und wurden wieder auf freien Fuß gelassen. Doch umfangreiche Ermittlungen zu ihrer Gruppierung und möglichen kriminellen Geschäften begannen. Beide Rocker und der Halter des geliehenen Opel Omega waren im "Sozialladen" in Kiel beschäftigt, das ist ein Verein unter der Schirmherrschaft der ehemaligen Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD). Dort werden gebrauchte Sachen, etwa aus Haushaltsauflösungen, an sozial schwache Menschen zu günstigen Preisen verkauft.
In den Verkaufsräumen, dem "Sparfuchs-Markt", hatten sich die Mitglieder der "Legion 81" häuslich eingerichtet. In ihrem heimlichen Hauptquartier sollen nun neben gebrauchten Möbeln, Klamotten und Küchenwaren für den kleinen Geldbeutel im Hinterzimmer die Dienste von Prostituierten angeboten worden sein.
Beschuldigte schweigen
Im Juli wurde der "Sparfuchs-Markt" auf Antrag der Staatsanwaltschaft vom Spezialeinsatzkommando (SEK) abgeriegelt und durchsucht. Etwa 20 Mitglieder und Sympathisanten der "Legion 81" wurden erkennungsdienstlich behandelt. Dann stürmten Beamte auch die Wohnungen der beiden Revolver-Schützen. Dort sollen Munition und Waffenteile entdeckt worden sein.
Nachdem die Hinterzimmer-Prostitution im "Sparfuchs-Markt" nicht mehr möglich war, suchten sich die Mitglieder der "Legion 81" augenscheinlich neue Räumlichkeiten. Dazu zählen offenbar die Clubs in Grevenkrug und Flensburg, die jetzt durchsucht wurden. Die Beschuldigten schweigen zu den Vorwürfen.

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