Familientragödie in Eutin : Sohn gesteht Bluttat - Mutter außer Lebensgefahr

Mit seinem Shanty Chor 'Eutiner Wind' war Gustav D. noch im Oktober unterwegs.
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Mit seinem Shanty Chor "Eutiner Wind" war Gustav D. noch im Oktober unterwegs.

Ein 48-jähriger Neu-Eutiner ist in Haft. Der Tatvorwurf der Justiz: Mord und versuchter Totschlag an den Eltern.

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26. November 2009, 10:04 Uhr

Eutin/Lübeck | Verzweiflung über seine hoffnungslos desolaten Lebensumstände - dieses Motiv könnte aus Sicht der Polizei der Auslöser für die Bluttat im Geschwister-Scholl-Ring gewesen sein. Der 48-jährige Burkhard S., der bei den Vernehmungen der Kripo in Lübeck die für den Vater tödliche Messerattacke auf seine Eltern gestanden hat, wurde am Mittwochabend auf richterliche Anordnung in Haft genommen; dem Mittellosen, der als Hartz-IV-Empfänger erst vor wenigen Wochen von Hamburg nach Eutin gezogen ist, wird Mord und versuchter Totschlag vor geworfen. Wegen seines zerrütteten Gemütszustandes soll er vorläufig in einer psychiatrischen Klinik untergebracht werden.

Seine Mutter Brigitte S. (69), die am Dienstag Morgen mit lebensbedrohlichen Stich- und Schnittverletzungen in die Eutiner Sana Klinik eingeliefert worden war, ist nach ärztlicher Auskunft außer Lebensgefahr. Fast drei Stunden hatte ein Ärzteteam am Dienstag um ihr Überleben gekämpft. "Wir waren am Morgen gleich vom Rettungsdienst angerufen worden, dass gleich ein sehr schwerer Fall kommen würde. Diese Zusammenarbeit hat hervorragend geklappt", sagte Chefarzt Dr. Hinrich Sees ko dem OHA.
"Sie will ihre Ruhe"
Der gesundheitliche Zustand der Patientin habe sich gestern stabilisiert; ihr stehe psychologische Hilfe und geistlicher Beistand zur Verfügung. "Sie will aber vor allem ihre Ruhe", sagte der Chefarzt mit Blick auf die Medien.

In der Eutiner Klinik hatte am Dienstag Morgen auch der 48-jährige Burkhard S. medizinische Hilfe gesucht, nachdem sein Selbstmordversuch mit Aufschneiden der Pulsadern gescheitert war. Aufgrund seiner Äußerungen, dass noch mehr passiert sei, habe das Klinikpersonal dann die Polizei benachrichtigt, sagte Sana Geschäftsführer Dr. Stephan Puke. Der Tatverdächtige wurde im Krankenhaus festgenommen.
"Unfassbar - das haut einen von den Füßen"
"Er gab am Abend nach mehreren Stunden Vernehmung zu, die Tat begangen zu haben. Als Motiv kommt möglicherweise Verzweiflung über seine Lebenssituation in Betracht", sagte Polizeisprecher Jan-Hendrik Wulff. Spezialisten der Kriminaltechnik haben am Tatort, einem Einfamilienhaus in einer Stichstraße des Geschwister-Scholl-Ringes, mehrere blutverschmierte Messer sichergestellt. Ein offizielles Gutachten, ob es sich hierbei um die Tatwaffen handelt, liegt noch nicht vor.

Ungläubigen Schrecken weckte die Bluttat in Eutin. "Man meint immer, so etwas passiert nur in Hamburg, Frankfurt oder München und nicht hier. Aber nun ist das anders. Unfassbar - das haut einen von den Füßen!" So aufgewühlt reagierte gestern Hartmut Hausfeldt, der Vorsitzende des Shanty Chors "Eutiner Wind", auf den gewaltsamen Tod des Chormitglieds Gustav S.
"Er war ein lebenslustiger Mensch"
Seit über sechs Jahren war er als aktiver Sänger dabei. Nicht nur das: Der ehemalige Zimmermann hat auch den Text zur Vereinshymne "Eutiner Wind, Eutiner Jungs" verfasst. "Er war ein lebenslustiger Mensch und ist in unserer Runde und dem Singen richtig aufgegangen", erinnert sich Hausfeldt. Auch die Ehefrau habe lebhaft Anteil an dem Chorleben genommen, noch Ende Oktober habe sie beim Jubiläumsfest in Sielbeck zusammen mit den anderen Frauen den Männern ein Ständchen zum zehnjährigen Chor-Bestehen dargeboten.

Wie die Sangesgemeinschaft das Schreckensgeschehen verkraften kann, sollte gestern beim regulären Probenabend besprochen werden. "Alle sind schockiert ob des Todes eines uns lieben Kameraden und der Umstände. Ich denke, zuerst werden wir ganz still werden", stimmte sich Hausfeldt auf das Zusammentreffen ein. Und setzte hinzu: "Wir werden, wenn wir ein Zeichen aus der Familie erhalten, natürlich auf unsere Weise bereit stehen. Irgendwie wird es uns gelingen." Das Abschiedslied, das der Chor in Trauerfällen anzustimmen pflegt, heißt "Leise kommt die Nacht".

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