Dithmarschen : So wird Plattdeutsch wieder echt

Entdeckte das Niederdeutsche neu für sich: Ingrid Ralf aus Büdelsdorf. Foto: Becker
Entdeckte das Niederdeutsche neu für sich: Ingrid Ralf aus Büdelsdorf. Foto: Becker

Für Günter und Ingrid Ralfs war es eine bewusste Entscheidung. Das Ehepaar spricht nur noch Platt.

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01. September 2012, 12:24 Uhr

Büdelsdorf | Wenn sich Ingrid und Günter Ralfs unterhalten, dann "op platt" - ausschließlich. Das war nicht immer so. Der Auslöser für die bewusste Entscheidung für das Plattdeutsche war ein Treffen mit Freunden in ihrer alten Heimat Dithmarschen vor dreißig Jahren. "Da merkten wir, dass unser Platt inzwischen ziemlich holperig geworden war", erklärt die pensionierte Lehrerin. "Es klang nicht mehr so echt." Um die Sprache ihrer Kindheit und Jugend für sich lebendig zu halten, beschloss das Ehepaar, jede Woche einen "plattdeutschen Tag" einzulegen. Inzwischen unterhalten sich die Eheleute nur noch auf platt.
Als Ingrid Ralfs (74) dann den Aufruf in unserer Zeitung las, für das Buch "So spricht Schleswig-Holstein" typische Redewendungen und regionale Begriffe einzusenden, war sie sofort Feuer und Flamme. "Ich fand die Idee großartig. Damit wird das Interesse für die Sprache geweckt." Zwei Tage lang saß die Frau aus Büdelsdorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde) am Computer und tippte plattdeutsche Redewendungen und Begriffe sowie Erklärungen ein. "Die plattdeutsche Sprache ist halt mein Hobby."
Lustige Situationen durch Gespräche auf Platt
Ende des Zweiten Weltkriegs war Ingrid Ralfs als Kind von Pommern nach Reinsbüll (Kreis Dithmarschen) gekommen. "Da lernte ich dann sehr schnell und gut Platt sprechen, denn alle sprachen Platt". Während des Studiums in Kiel und später in ihrem Beruf als Lehrerin habe es dann immer weniger Gelegenheiten gegeben, Plattdeutsch zu sprechen. Sie habe sich aber immer bemüht, ihren Schülern durch Arbeitsgemeinschaften und Teilnahmen an Vorlesewettbewerben die plattdeutsche Sprache weiterzugeben.
Seit Ingrid und Günter Ralfs nur noch Platt miteinander reden, haben sie dadurch immer wieder lustige Situationen erlebt. Auf einer Zugfahrt von Hamburg nach München trafen sie chinesische Touristen, die anfangs wegen der Sprache nicht glauben wollten, dass sie aus Deutschland kommen. Ingrid Ralf: "Und Leute aus Süddeutschland meinten häufig, wir sprächen norwegisch oder holländisch."

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