Siebenschläfer : So wahr sind alte Bauernregeln

Wenn das Wetter zum Sieberschläfertag schlecht ist, sollte man auch in den folgenden sieben Wochen stets einen Regenschirm dabei haben.
Foto:
Wenn das Wetter zum Sieberschläfertag schlecht ist, sollte man auch in den folgenden sieben Wochen stets einen Regenschirm dabei haben.

Jahrhunderte galten Bauernregeln als zuverlässiges Instrument zur Wettervorhersage, doch auch in Zeiten von Regenradar und Windmesser haben sie längst nicht ausgedient. Pünktlich zum Siebenschläfertag sprach shz.de mit dem Meteorologen Sebastian Wache über ihre Aussagekraft.

shz.de von
27. Juni 2014, 05:00 Uhr

Kiel | „Ist der Siebenschläfer nass, regnet's ohne Unterlass“, heißt es in einer alten Bauernregel. Einst verknüpften Bauern Wetterlagen mit Festtagen und stellten Regeln für die Zukunft auf. Statistiken zufolge treffen die Vorhersagen zum Siebenschläfer zu 62 bis 70 Prozent zu. shz.de hat beim Meteorologen Sebastian Wache von der Wetter-Welt GmbH in Kiel nachgefragt, was es mit dem Siebenschläfertag am 27. Juni auf sich hat und wie es um den Wahrheitsgehalt weiterer Bauernregeln steht.

1. Das Wetter am Siebenschläfertag sieben Wochen bleiben mag.

„Beim Siebenschläfer handelt es sich um eine sogenannte meteorologische Singularität. Das sind Wetterereignisse, die eigenwillig sind und sich regelmäßig wiederholen“, sagt Sebastian Wache. In Süddeutschland träfen die Prognosen vom Siebenschläfertag zu 70 bis 80 Prozent zu, in Norddeutschland zu 50 Prozent. Auch in diesem Jahr soll der Siebenschläfer sich nicht irren – laut der Vorhersage für die nächsten Wochen soll das Wetter wechselhaft bleiben.

2. Auf einen trüben Morgen folgt ein heiterer Tag.

Diese Bauernregel stimmt mit Einschränkungen, da die Formulierung schwammig ist. Wenn bereits trübe Wolken am Himmel hängen, sei kein gutes Wetter in Sicht. „Bodennaher Nebel kündigt meist schönes Wetter an. Die warme Morgensonne lässt die Tau-Tröpfchen aus der Nacht verdunsten, ein Nebelschleier entsteht“, sagt Wache. „Wenn die Sonne im Laufe des Tages kräftiger wird, löst sich der Nebel auf.“

3. Je weißer die Schäfchen am Himmel gehen, desto länger bleibt das Wetter schön.

Stimmt ebenfalls mit Einschränkungen. „Weiße Schönwetterwolken begleiten einen sonnigen Tag. Vielschichtige, hochreichende Wolken bringen jedoch Regen und Gewitter.“ Auch diese könnten, je nach Blickrichtung, weiß aussehen.

4. Strengen Wintern folgen heiße Sommer

Stimmt nicht. „Diese Regel ist viel zu weit gegriffen. Die Wetterdaten zeigen zumindest keinen Zusammenhang zwischen besonders strengen Wintern und heißen Sommern“, erklärt Wache.

5. Viele Buchnüsse und Eicheln, dann wird der Winter auch nicht schmeicheln.

Dazu fällt es dem Meteorologen schwer, Aussagen zu treffen. Aber gehört hat er von dem Phänomen bereits. Anderen Quelle sagen jedoch, dass auch Eichen das Wetter nicht vorhersehen könnten.

6. Abendrot – Gutwetterbrot, Morgenrot mit Regen droht

Diese Regel trifft wiederum ganz gut zu. „Abendrot entsteht meist dann, wenn der Regen abzieht und die Sonne untergeht.“ Und auch Morgenrot ließe Rückschlüsse auf das Wetter des kommenden Tages zu. „Morgenrot entsteht, wenn die Sonne beim Aufgehen aufziehende Wolken aus Westen anstrahlt. Diese führen häufig Regen mit sich.“

7. Eisheilige: „Mamertius, Pankratius, Servatius bringen oft Kälte und Verdruss“

„Auch bei den Eisheiligen handelt es sich um eine meteorologische Singularität. Der Spruch trifft auch heute noch relativ gut zu“, meint Wache. Die Eisheiligen finden vom 11. bis zum 15. Mai statt. Während dann nachts meist Bodenfrost herrsche, sei es tagsüber mit um die elf Grad schon recht warm. Zwischen einem Hochdruckgebiet im Nordwesten und Tiefdruck im Südosten strömt Wind aus der Arktis nach Mitteleuropa und sorgt für einen Kälteeinbruch. Auch in diesem Jahr herrschten in Schleswig-Holstein um die Eisheiligen herum frostige Temperaturen in der Nacht. „Bei Quickborn lag die Mindesttemperatur bei -1 Grad.“

Für den weiteren Sommer hat Wache noch eine Prognose: „Es bleibt erst einmal wechselhaft. Es deutet sich aber an, dass das Wetter – ganz im Sinne des Altweibersommers – im August noch einmal richtig schön wird.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen