Arbeitsmarkt : So viele Zweitjobber in SH wie nie

Der typischste Minijob: Reinigungskraft. Foto: dpa
Der typischste Minijob: Reinigungskraft. Foto: dpa

Ein Arbeitsplatz ist nicht genug: In Schleswig-Holstein haben immer mehr Menschen einen Zweitjob. DGB: "Die Zukunft der Arbeit kann keine Kette von Minijobs sein."

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14. August 2013, 09:27 Uhr

Kiel | Arbeiten nach der Arbeit: Im Norden haben immer mehr Menschen mehr als einen Job. Im Dezember vergangenen Jahres arbeiteten 10,6 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Norden nebenbei in einem Zweitjob, wie die Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit am Montag auf Nachfrage mitteilte. 2011 waren es 10,4 Prozent. Im Dezember 2003 lag der Anteil bei nur 6,2 Prozent. Seitdem ist er kontinuierlich gestiegen.
Ähnlich sieht es - wenn auch auf niedrigerem Niveau - in Hamburg aus: Demnach gingen Ende vergangenen Jahres 7,9 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zusätzlich einem Minijob nach. 2011 waren es 7,7 Prozent und im Dezember 2003 lag der Anteil bei 5,1 Prozent. Aber auch hier gilt: Einen sprunghaften Anstieg gab es nicht. Damit liegt Hamburg unter dem Bundesschnitt von 9,1 Prozent und Schleswig-Holstein darüber.

Neuordnung des Arbeitsmarkts gefordert

Die Gründe für die Zunahme der Nebenjobber sind nach Angaben eines Sprechers der Regionaldirektion vielfältig. "Sie reichen von der verhaltenen Lohnentwicklung in den letzten Jahren - ein Job reicht finanziell nicht - bis hin zu gewachsenen Konsumansprüchen." Insgesamt besserten Ende vergangenen Jahres in Schleswig-Holstein rund 91.500 Vollzeitbeschäftigte ihr Haupteinkommen mit einem Minijob auf, 2011 waren es 88.700. In Hamburg hatten Ende 2012 knapp 68.400 Beschäftigte einen geringfügig entlohnten Nebenjob (2011: 65 900).
Der Deutsche Gewerkschaftsbund forderte eine Neuordnung des Arbeitsmarktes. "Die Zukunft der Arbeit kann keine Kette von Minijobs sein", sagte der DGB-Nord-Vorsitzende Uwe Polkaehn. Mehr soziale Sicherheit und eine gut geregelte Arbeit - darin sieht Polkaehn die größte Baustelle der kommenden Bundesregierung. Laut DGB ist der Norden eine Hochburg der Minijobs. Insgesamt seien allein in Schleswig-Holstein mehr als eine Viertelmillion Minijobs gemeldet und rund 170 000 in Hamburg.

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