GDL aktuell im Mai 2015 : So trifft der Bahnstreik Schleswig-Holstein und Hamburg

Zahlreiche Bahnreisende müssen sich erneut nach Alternativen umschauen. Die GDL zeigt sich bisher zufrieden.

shz.de von
05. Mai 2015, 10:30 Uhr

Frankfurt | Die Arbeitsniederlegungen der Lokomotivführer haben Pendlern und Reisenden im Norden bereits Einiges abverlangt. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) bestreikt seit Dienstagfrüh den Personenverkehr. Wie andernorts im Bundesgebiet fielen auch in Hamburg und Schleswig-Holstein am Dienstag zahlreiche Züge aus. Die Deutsche Bahn richtete einen Ersatzfahrplan ein. „Wir gehen davon aus, dass im Fernverkehr etwa ein Drittel der Züge fährt, im Nahverkehr sind es 50 Prozent“, sagte eine Sprecherin der DB Nord.

Der Tarifstreit zwischen der Lokführergewerkschaft GDL und der Deutschen Bahn dauert schon Monate, bislang hat die GDL sieben Mal den Güter- oder Personenverkehr bestreikt. Der Konflikt ist so schwierig, weil die GDL mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) um Einfluss im Konzern ringt. Beide wollen zum Teil für dieselben Berufsgruppen verhandeln. Die Bahn will in getrennten Verhandlungen vergleichbare Ergebnisse erzielen.

Die Deutsche Bahn will nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung auf die streikenden Lokführer zugehen. Bahnchef Rüdiger Grube kündigte in der Zeitung (Mittwoch) an, er wolle am Mittwoch gemeinsam mit Bahn-Vorstand Ulrich Weber „einen Vorschlag zur Befriedung der Lage“ unterbreiten. „Der Tarifkonflikt darf nicht auf dem Rücken unserer Kunden und Mitarbeiter ausgetragen werden“, sagte Grube. Der Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg wollte sich am Dienstag bei einem Statement in Berlin nicht dazu äußern, ob es aktuell Gespräche mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer gebe.

Die GDL war am Dienstag mit dem Streikbeginn zufrieden. „Ich kann Ihnen sagen, die Straßen waren heute Morgen voll. Wir gehen davon aus, dass auch dieses Mal in ganz Norddeutschland etwa 600 Lokführer die Arbeit niederlegen werden“, sagte Hartmut Petersen, Bezirksvorsitzender GDL Nord.

Reisende müssen sich trotz Ersatzfahrplan auf sechs Tage voller Zugausfälle und ungewisser Verbindungen einstellen. Die GDL will den Schienenverkehr in Deutschland für fast eine Woche lahmlegen. Seit Montagnachmittag um 15 Uhr rollen keine Güterzüge mehr. Der Personenverkehr wird seit Dienstagnacht bis Sonntagmorgen um 9 Uhr deutschlandweit bestreikt. Es ist bereits der achte Streik in dem Tarifkonflikt.

Bahnreisende brauchen während des Streiks viel Geduld.
dpa
Bahnreisende brauchen während des Streiks viel Geduld.
 

In der sogenannten Live-Auskunft können sich Betroffene informieren, ob ihr Zug ausfällt oder nicht. Ausfallende Züge sind dabei nicht mehr aufrufbar. Im Fernverkehr werden erneut mindestens ein Drittel der Züge verkehren. Im Nahverkehr sollen es je nach Region 15 bis 60 Prozent sein. Die Ersatzfahrpläne werden jeweils im Voraus für zwei Tage veröffentlicht.

Im Norden werden im Stundentakt die Bahnstrecken Kiel-Hamburg und Lübeck-Hamburg bedient, wie eine Bahn-Sprecherin sagte. Regionalzüge sollen entweder zeitverzögert fahren oder durch Busse ersetzt werden. Die Hauptlinien der Hamburger S-Bahn - S1, S3, S21 und S31 - sollen im 20-Minuten-Takt fahren.

„Voller als sonst üblich“ sei es auf den Autobahnen rund um Hamburg gewesen, hieß es aus der Hamburger Verkehrsleitzentrale. Auf der A7 und der A23 sei der morgendliche Stau bis zu 5 Kilometer länger gewesen als gewöhnlich. „Voller als sonst“ fuhren auch U-Bahnen und Busse durch die Elbmetropole, wie eine Sprecherin der Hamburger Hochbahn berichtete. Hier ein etwas längerer Stau, dort ein Drängeln in der Bahn: „'tschuldigung, ich muss hier raus.“ Auf Bahnsteigen warteten Menschentrauben zwar geduldig auf den ersehnten Zug. Aber dann erschallte auch: „Rückt doch mal zusammen, ich muss hier rein.“

Dicht gedrängt warten während des Lokführer-Streiks im Hamburger Hauptbahnhof Fahrgäste auf eine S-Bahn.
dpa
Dicht gedrängt warten während des Lokführer-Streiks im Hamburger Hauptbahnhof Fahrgäste auf eine S-Bahn.
 

Der Unternehmensverband Nord (UV-Nord) warnte, dass der Streik einen „millionenschweren Schaden in der norddeutschen Wirtschaft hinterlassen“ werde. Bundesweit werden Schäden in Höhe von einer halben Milliarde Euro erwartet. „Bei vielen Unternehmen läuten bereits jetzt die Alarmsirenen, da sie befürchten müssen, wichtige Zuliefererteile nicht rechtzeitig zu erhalten“, sagte UV-Nord-Präsident Uli Wachholtz. Der Tarif- und Sozialpartnerschaft in Deutschland erweise die Lokführergewerkschaft einen Bärendienst.   

Das müssen Sie zum Streik wissen:

Wer ist die GDL?

GDL steht für die „Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer“ und ist mit fast 150 Jahren die älteste deutsche Gewerkschaft. Die GDL wurde 1867 gegründet und organisiert mittlerweile mehr als 80 Prozent der Lokomotivführer und zahlreiche Flugbegleiter in ganz Deutschland. Die Deutsche Bahn AG und andere Privatbahnen in Deutschland sind Tarifpartner der GDL.

Warum gibt es Streiks bei der Deutschen Bahn?

Die GDL verlangt unter anderem fünf Prozent mehr Lohn und zwei Stunden weniger Wochenarbeitszeit für Lokführer. „Es gibt den Knackpunkt, an dem es gescheitert ist: Das sind die Lokrangierführer“, sagte GDL-Chef Claus Weselsky am Freitag. „Hier versucht die Deutsche Bahn AG, den billigen Jakob im Tarifvertrag mit der GDL zu verankern.“ Offensichtlich pocht die GDL auf eine weitgehende Gleichstellung der 3100 Lokrangierführer mit den rund 20.000 Lokführern, die im Personen- und Güterverkehr unterwegs sind.

Was ist neu?

Beide Seiten hatten sich im Februar grundsätzlich auf eine Kombination von Flächentarifvertrag und Haustarifverträgen geeinigt. Dabei soll der Flächentarifvertrag, der bisher für Lokführer gilt, auch auf weitere Berufsgruppen des Zugpersonals ausgedehnt werden - also etwa auf Zugbegleiter und auch Lokrangierführer. Die Details für die diversen Berufsgruppen werden in den Haustarifverträgen geregelt.

Den Flächentarifvertrag will die GDL - wie bisher - zur Grundlage von Tarifverhandlungen mit anderen Eisenbahnunternehmen machen. Eine Schlichtung des Tarifstreits lehnte die Gewerkschaft ab.

Warum sind die Gespräche mit der Bahn gescheitert?

GDL-Chef Weselsky fuhr schon Ende April schwere Geschütze auf: Die Bahn spiele in unverantwortlicher Weise auf Zeit. „Was heute auf dem Tisch ist, ist nichts wert, weil alles wieder zurückgenommen werden kann“, sagte er nach der inzwischen 16. Verhandlungsrunde. Dann legte Weselsky noch einmal nach - und warf Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber vor, „an der Stelle“ zu lügen.

Wann wurde schon gestreikt?

Die Lokführergewerkschaft GDL legte am Dienstag, 7. Oktober, den Zugverkehr in Deutschland für neun Stunden lahm. Die GDL rief ihre Mitglieder zu einem bundesweiten und flächendeckenden Streik von 21 Uhr bis Mittwochmorgen 6 Uhr auf. Fern- und Regionalzüge standen ebenso still wie Güterzüge und die von der Deutschen Bahn betriebenen S-Bahnen. Zum Streik aufgerufen waren unter anderem die Lokomotivführer, Zugbegleiter, Bordgastronomen und Disponenten in allen Eisenbahnverkehrsunternehmen der Deutschen Bahn.

Am Mittwoch, 14. Oktober, wurde zum zweiten Mal gestreikt - von 14 Uhr bis 4 Uhr am Donnerstag. Auch 500 Lokführer in Norddeutschland legten die Arbeit nieder. Etwa 80 Prozent der Züge fielen laut GDL aus. Viele Zugverbindungen wurden gestrichen. Im Fernverkehr fuhr nach Angaben der Deutschen Bahn nur jeder dritte ICE, Intercity oder Eurocity.

Zum dritten Mal hatten die Lokführer vom 17. bis zum 20. Oktober insgesamt 50 Stunden lang gestreikt. Massive Kritik gab es an der kurzfristigen Ankündigung des Streiks und der Wahl des Zeitpunktes an einem Wochenende zum Start der Herbstferien in vielen Bundesländern und einem Bundesliga-Wochenende.

Vom 6. November bis zum 8. November wurde ebenfalls gestreikt. Eigentlich hatte die GDL vor, den Streik bis zum 10. November auszuweiten. GDL-Chef Weselsky lenkte jedoch ein und verkürzte den Streik als „Versöhnungsgeste“.

Zuletzt hatten die Lokführer vom 21. bis 23. April gestreikt.

Wie lang soll der neue Streik dauern?

Die Lokführergewerkschaft GDL will den Personenverkehr ab Dienstag für sechs Tage bestreiken. Im Güterverkehr soll schon ab Montag sieben Tage lang gestreikt werden.

Wo bekomme ich aktuelle Informationen über die Streiks?
  1. Im Netz: Auf www.bahn.de/abfahrtstafel können Kunden der Deutschen Bahn ihre Strecken eingeben und sehen, ob ihr gewünschter Zug eine Verspätung hat oder ganz ausfällt. Zusätzlich bietet die Deutsche Bahn noch einen „Verspätungs-Alarm“ an, den man sich entweder per Mail oder direkt als Push-Nachricht auf das Handy zukommen lässt.
  2. Per Telefon: Unter 0800-1507090 erreichen Kunden kostenlos die Fahrplan-Auskunft.
  3. Die Bahn schaltet zudem ab Streikbeginn eine kostenlose Servicenummer unter 08000-996633.
  4. Informationen sind mit Streikbeginn auch unter www.bahn.de/aktuell oder unter m.bahn.de abrufbar.
Wie bekomme ich mein Geld für eine ausgefallene oder verspätete Zugfahrt zurück?

Fahrgäste, die aufgrund von streikbedingten Zugausfällen, Verspätungen oder Anschlussverlusten ihre Reise nicht wie geplant durchführen können, können ihre Fahrkarte und Reservierung im DB Reisezentrum oder in den DB Agenturen kostenlos erstatten lassen. Alternativ können Reisende den nächsten - auch höherwertigen - Zug nutzen. In diesem Fall wird bei zuggebundenen Angeboten, wie beispielsweise Sparpreis-Tickets, auch die Zugbindung aufgehoben. Ausgenommen hiervon sind regionale Angebote mit erheblich ermäßigtem Fahrpreis (Schönes Wochenende-, Quer-durchs-Land- oder
Länder-Tickets) sowie reservierungspflichtige Züge.

Ergänzend zu den freiwilligen Kulanzregelungen der DB können die betroffenen Fahrgäste auch
die gesetzlichen Fahrgastrechte in Anspruch nehmen. Unter www.bahn.de/fahrgastrechte kann ein Formular ausgedruckt werden. Dieses ist bei der Deutschen Bahn ausgefüllt mit ihrer Fahrkarte einzureichen. Generell gilt: Erst wenn ein Fahrgast mindestens eine Stunde zu spät an sein Ziel kommt, muss das verantwortliche Bahnunternehmen ihm 25 Prozent des Fahrpreises erstatten. Bei zwei Stunden Verspätung erhöht sich die Erstattung auf 50 Prozent.

Welche Alternativen zur Bahn gibt es?
  1. Mitfahrgelegenheiten: Um unkompliziert ans nächste Ziel zu gelangen, kann man sich im Netz auf zahlreichen Portalen Mitfahrer oder Fahrer suchen. Die Spritkosten werden dann durch alle Mitfahrer geteilt. Auf www.blablacar.de und www.mitfahrgelegenheit.de werden zahlreiche Mitfahrgelegenheiten angeboten und gesucht.
  2. Busse: Für längere Strecken sind Fernbusse eine gute Alternative zur Bahn. Einige Anbieter fahren mittlerweile auch größere Städte in Schleswig-Holstein an. Auf www.flixbus.de und www.fernbusse.de kann man online Strecken buchen.
Welche Bahnen fahren in SH und Hamburg?

Nordbahn: Hier wird nicht gestreikt. Die Lokführerstreiks bei der Deutschen Bahn können jedoch auch Auswirkungen auf den Zugverkehr der Nordbahn haben. Verspätungen seien möglich, weil sich der Streik bei der Deutschen Bahn möglicherweise auf den gesamten Bahnverkehr auf dem Netz auswirke. Die Nordbahn fährt von Neumünster Richtung Büsum sowie Richtung Bald Oldesloe.

AKN: Hier wird nicht gestreikt. Die AKN bedient die Linien Hamburg-Neumünster, Ulzburg Süd-Norderstedt Mitte und Ulzburg-Süd nach Elmshorn. Verspätungen sind ebenfalls möglich. Das Service-Telefon ist unter 04191-933933 zu erreichen.

Sylt-Shuttle: Die Verbindung von und nach Sylt ist nach Angaben der Bahn nicht vom GDL-Streik betroffen.

Nord-Ostsee-Bahn: Sie fährt von Hamburg-Altona über Husum nach Westerland. Außerdem bietet die NOB zahlreiche Busverbindungen an. Auch wenn die NOB nicht bestreikt wird, kann es vereinzelt zu Behinderungen kommen. Aktuelle Informationen erhalten gibt es unter der 24h-Servicenummer (01807-662662). Die ersten 30 Sekunden sind für Festnetz und Handy kostenfrei. Festnetz: Danach 14 Ct/Min., Handy: Max. 42 Ct/Min.

NEG: In Nordfriesland bietet die NEG unabhängig vom Streik Züge von Niebüll nach Dagebüll Mole an, wo Schiffsfähren nach Amrum und Föhr ablegen.

Metronom: Von Hamburg-Harburg aus, fährt der Metronom auch an den Streiktagen nach Lüneburg, Hannover und Göttingen.

HKX: Auch die Züge der Hamburg-Köln-Express GmbH fahren planmäßig. Das Unternehmen erwartet eine hohe Nachfrage und informiert über Twitter und Facebook sowie auf hkx.de über Verspätungen und aktuelle Ereignisse.

Hamburger S-Bahn: Die Hauptlinien fahren nur im 20-Minuten-Takt. Die Verstärkungslinien S11 und S2 fallen ganz aus.

Die Hauptverbindungen von Hamburg nach Kiel, Lübeck und Flensburg werden nur von der DB betrieben, die von der Lokführergewerkschaft GDL von Mittwoch bis Donnerstag früh bestreikt wird. Diese Haupt-Nahverkehrsstrecken werden stündlich bedient. Fernzüge fahren deutlich seltener als üblich.

Bei Twitter versuchen es die Nutzer mit Humor:

<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="de" dir="ltr">Von deutschen Bahnhöfen darf nie wieder ein Zug ausfahren. <a href="https://twitter.com/hashtag/GDLspontis?src=hash">#GDLspontis</a></p>&mdash; Georg Thalmann (@LaoGei) <a href="https://twitter.com/LaoGei/status/595507895971753984">5. Mai 2015</a></blockquote>

<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="de" dir="ltr">Eigentlich könnten die doch heute störungsfreie Streckenreparaturen durchführen!? <a href="https://twitter.com/hashtag/GDLspontis?src=hash">#GDLspontis</a></p>&mdash; Der André (@andreoppitz) <a href="https://twitter.com/andreoppitz/status/595501748984401920">5. Mai 2015</a></blockquote>

<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="de" dir="ltr">Stell dir vor, es ist Berufsverkehr, und keiner geht hin. <a href="https://twitter.com/hashtag/GDLspontis?src=hash">#GDLspontis</a></p>&mdash; nisjasper (@nisjasper) <a href="https://twitter.com/nisjasper/status/595486507940618240">5. Mai 2015</a></blockquote>

<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="de" dir="ltr">Ob das mit dem Zug nach Hamburg auch funktioniert?&#10;<a href="https://twitter.com/hashtag/GDLspontis?src=hash">#GDLspontis</a>  <a href="https://t.co/SbArxoHlYJ">https://t.co/SbArxoHlYJ</a></p>&mdash; Malerbekleidung.com (@Malerbekleidung) <a href="https://twitter.com/Malerbekleidung/status/595523533134024704">5. Mai 2015</a></blockquote>

Reaktionen zum Streik:

SH-Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD)

Mit ihrem neuen Streik überschreitet die GDL nach Ansicht des Kieler Verkehrsministers Reinhard Meyer (SPD) die Grenze des Zumutbaren. „Ich fordere die GDL auf, in die Schlichtung mit der Deutschen Bahn zu gehen“, sagte Meyer nach Angaben seines Hauses am Montag in Berlin am Rande einer Sitzung des Eisenbahninfrastrukturbeirates. Erst im Falle des Scheiterns einer Schlichtung sollte man über Weiteres nachdenken. „Aber so geht es nicht.“ Es gehe auch nicht, dass mit der GDL eine Gewerkschaft streike und mit der EVG eine andere verhandle.

Der aktuelle Fall zeige, wie richtig es von der Bundesregierung gewesen sei, das Tarifeinheitsgesetz zu beschließen. „All das geschieht auf dem Rücken der Kunden der Deutschen Bahn und auf dem Rücken der deutschen Volkswirtschaft“, sagte der Kieler Minister zum Vorgehen der GDL. „Das ist kaum noch zu ertragen.“

CDU-Fraktionschef in SH, Daniel Günther

Der CDU-Fraktionschef in Kiel, Daniel Günther, forderte die Lokführer im Norden auf, sich nicht „an diesem Missbrauch des Streikrechtes“ zu beteiligen. „Das verantwortungslose und unverhältnismäßige Handeln der GDL gefährdet zunehmend den Wirtschaftsstandort Deutschland.“ Die GDL könne in diesem Fall nicht länger die vor dem Hintergrund der Tarifautonomie übliche Zurückhaltung von Politikern einfordern.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU)

Der Bundesverkehrsminister Alexander hat die Streik-Ankündigung kritisiert. „Ich habe Verständnis dafür, dass viele Bürger über das Ausmaß des Streiks verärgert sind“, sagte Dobrindt der „Bild“-Zeitung. „Die Grenze der Akzeptanz dieser Tarifauseinandersetzung in der Bevölkerung ist zunehmend erreicht. Das sollten auch die Verhandlungsführer erkennen.“

DGB-Chef Nord Uwe Polkaehn

Der Deutsche Gewerkschaftsbund im Norden sieht die Mitarbeiter der Deutschen Bahn AG vor einer betriebsinternen Zerreißprobe. Nur ein solidarisches Vorgehen aller Bahnbeschäftigten und beider Gewerkschaften könne zu echten Verbesserungen im Unternehmen führen, sagte der DGB-Chef Nord, Uwe Polkaehn. „Dieser Egotrip führt zu nichts“, ergänzte er zum Streikaufruf der Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL). Polkaehn forderte die GDL auf, mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) Gespräche zur Bildung einer Tarifgemeinschaft aufzunehmen.„Wenn die GDL jetzt einen Sechs-Tage-Streik ankündigt, dann tritt sie damit gleichzeitig den Schaffnern, Stellwerkern und allen anderen Beschäftigten in die Kniekehle, die mit der EVG für ihre Rechte kämpfen“, teilte Polkaehn mit. Durch den einseitigen Streikaufruf befürchtet der DGB-Vertreter, dass das Ansehen der Gewerkschaften beschädigt wird.

 
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