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Schikane im „Friesenhof“ : Skandal-Heim in Dithmarschen: Druck auf Ministerin Alheit wächst

vom

Die CDU wirft der SPD-Politikerin vor, die Unwahrheit gesagt zu haben. Zwei Mädchenheime wurden am Mittwoch geschlossen.

shz.de von
erstellt am 04.Jun.2015 | 07:30 Uhr

Jetzt ist es amtlich: Das Kieler Sozialministerium hat am Mittwoch zwei Heime der umstrittenen Friesenhof-Jugendhilfe in Dithmarschen geschlossen. Die Mädchen sind sofort in andere Einrichtungen verlegt worden.

In den drei Häusern der Einrichtung leben Mädchen und junge Frauen - auch aus Hamburg - mit schweren psychischen Problemen, verhaltensauffälligkeiten oder kriminellem Hintergrund. Im zweiten Halbjahr 2014 hatten Mädchen, aber auch zwei ehemalige pädagogische Mitarbeiter massive Vorwürfe über inakzeptable Praktiken erhoben - etwa, dass sich die Mädchen nach ihrer Ankunft nackt vor männlichem Personal ausziehen müssten.

Sozialministerin Kristin Alheit bläst unterdessen politischer Gegenwind ins Gesicht: Die Union wirft der SPD-Politikerin vor, die Unwahrheit gesagt zu haben. Nachdem am Dienstag bereits die FDP die Forderung erhoben hatte, dass Alheit vor dem Sozialausschuss  des Landtages zum Heim-Skandal Rede und Antwort stehen soll, fordert die CDU sogar eine Sondersitzung des Sozialausschusses „zum nächstmöglichen Zeitpunkt“.

Ausschlaggebend sind Aussagen der Dithmarscher Kreisverwaltung, deren Mitarbeiter das Landesjugendamt in der Vergangenheit bei etlichen Kontrollen der Heime begleiteten: Dabei seien Mängel in der pädagogischen Ausrichtung aufgefallen, weshalb der Kreis die Friesenhof-Heime schon seit Jahren nicht mehr belege. Das sei auch auf Landesebene bekannt gewesen. „Wenn das stimmt, dann hätte das Sozialministerium zum Schutz der Mädchen viel früher tätig werden müssen“, erklärte Katja Rathje-Hoffmann (CDU).  Die Meldungen vom Dithmarscher Jugendamt ließen die Vorgehensweise des Ministeriums „mehr als fragwürdig erscheinen“.  

Staatssekretärin Anette Langner habe den  Eindruck erweckt, das Ministerium sei sofort aktiv geworden, als die ersten Vorwürfe laut wurden und habe schnell und entschlossen gehandelt. „Nun stellt sich die Frage, ob die Behandlung der Mädchen vom Ministerium so lange stillschweigend geduldet wurde, bis die Öffentlichkeit davon Kenntnis erhielt“. Schließlich sei das Landesjugendamt noch im Januar nach einer Kontrolle nicht von einer Kindeswohlgefährdung ausgegangen. „Ich will wissen, wann die Landesregierung erstmals von Vorwürfen erfuhr, und was danach konkret unternommen wurde“, so Rahtje-Hoffmann. Auch die Gründe für die nun geänderte Bewertung der Einrichtung müssten von Alheit erklärt werden.

Das „Friesenhof“-Jugendheim in Hedwigenkoog.
Das „Friesenhof“-Jugendheim in Hedwigenkoog. Foto: dpa
 

Dem Entzug der Betriebserlaubnis am Mittwoch war eine Anhörung der privaten Trägerin vorausgegangen. Leiterin Barbara Janssen konnte die Vorwürfe, dass der Umgang mit den Mädchen nicht vereinbarten pädagogischen Maßstäben entspricht und qualifiziertes Personal fehlt, offensichtlich nicht entkräften.

Im Internet berichten derweil immer mehr der ehemaligen Bewohnerinnen über ihre Erlebnisse. So schreibt Laura: „Ich war selbst vor einiger Zeit in dieser Einrichtung und kann bestätigen, dass wir uns bei der Ankunft im sogenannten Mädchencamp Nanna komplett ausziehen mussten, damit unsere Sachen und wir durchsucht werden konnten. Außerdem mussten wir ... unsere Klamotten abgeben und bekamen Einheitskleidung mit der Aufschrift Kinder- und Jugendhilfe Barbara Janssen. So mussten wir sogar in das öffentliche Fitnesscenter. Unter anderem auf Grund solcher Handlungen  haben viele Betreuer diese Einrichtung verlassen.“

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