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Wir verlieben Sie : Singles 50plus – Liebe lieber ungewöhnlich

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ja, auch jenseits der Pubertät geht noch was – entgegen anders lautender Befürchtungen auch für Frauen. Weil sie jetzt endlich die richtigen Entscheidungen treffen, um den besseren Männern zu begegnen. Teil 3 unserer Serie „Wir verlieben Sie“.

Es war ein kleiner Schritt für das Paar, aber ein sehr großer für alle Frauen ab 50 weltweit: Als Prinz Charles am 8. April 2005 mit der damals 59-jährigen Camilla Parker Bowles vor den Traualtar trat. „Geht doch!“, dachte man sich und dass es tatsächlich möglich sein kann, auch im höheren Alter noch mal sein Glück zu finden. Mit einem gleichaltrigen Mann. Ein Happy-End, von dem viele Single-Frauen ab 50 allerdings fürchten, es könnte so selten sein wie Kühlschränke in der Antarktis. Dazu fallen ihnen gleich gute Gründe ein. Zuerst einmal, dass zwar viele gleichaltrige Männer suchen, aber sicher nicht die gleichaltrige Frau. Männer wie Joschka Fischer, Roberto Blanco, Franz Beckenbauer, Gerhard Schröder oder Sky Dumont, die natürlich auf dem Single-Markt der über 50-Jährigen fehlen. Und das ist nur das statistische Problem. Dazu kommt noch ein emotionales: Frauen 50plus, oft nach sehr langen Beziehungsjahren wieder allein, fühlen sich auf der Suche nach einem Partner ohnehin wie blutige Laien. Und leiden dann noch unter der Aussicht, als älterer Single wohl nicht mehr zu den heißesten Trophäen zu gehören. Das stimmt zwar alles irgendwie, ist aber gleichzeitig auch ganz schön falsch. Und nicht bloß, weil Frauen in den mittleren Jahren Männer wie Fritz Wepper und Roberto Blanco auf dem Single-Markt ungefähr so ernsthaft vermissen wie einen eingewachsenen Zehennagel.

Es gibt viel bessere Gründe, Hoffnung zu schöpfen: Zum Beispiel, dass Frauen ab 50 noch nie so attraktiv, so hinreißend waren wie heute. „Downaging“ (Herabstufen im Alter) nennt es der Trendforscher Matthias Horx. Es sorgt längst dafür, dass sich immer häufiger auch Frauen altersmäßig nach unten orientieren und mit einem Jüngeren verbandelt sind. So wie Nena (12 Jahre Unterschied), Tina Turner (15 Jahre Unterschied), Vivienne Westwood (28 Jahre), Inga Humpe (7 Jahre). Gleichzeitig bekommt man als Single 50plus ein sehr großes Geschenk frei Haus, eines, für das man sich als Frau erst im fortgeschrittenen Alter qualifiziert: Die Freiheit, sein Leben und das Lieben ganz nach eigenen Wünschen gestalten zu können. Anders als etwa eine 35jährige, die unter dem Druck steht, noch rechtzeitig den Richtigen für die Familiengründung zu finden, einen, der finanziell und emotional als Versorger taugt, können Frauen in den mittleren Jahren ganz entspannt und frei von diesen Zwängen auf die Suche gehen. Man weiß ja jetzt viel besser, worauf es ankommt beim Lieben und worauf man verzichten kann. Das ist wohl mit ein Grund, weshalb Frauen nach einer langen Beziehungsphase, nicht mehr so viel Wert darauf legen, mit einem neuen Partner zusammen zu leben. (Anders als ältere Männer übrigens. Was vermutlich auch etwas damit zu tun hat, dass für Männer „Zusammenleben“ oft nur ein anderes Wort für „Rundumversorgung“ ist.) Es könnten also die entspannteren Partnerschaften sein, die in diesem Alter geschlossen werden. Solche, in denen man vor allem die schönen Seiten des Lebens teilt. Gäbe es da nicht ein Problem: Den dazu passenden Mann zu finden. Das gerade empfinden Frauen ab 50 oft als beinahe aussichtslos. Obwohl sie doch so viel zu bieten haben und so viel dafür tun.

Single-Reisen, Single-Parties, Mitgliedschaften in mindestens zwei Partnersuch-Portalen – es nützt alles nichts. Vermutlich weil der Mann 50 plus gerade selbst eine Anzeige formuliert: „Suche Frau bis 30, bin 63, werde aber von allen jünger geschätzt!“ Denken Frauen. Sicher haben sie mit fortschreitendem Alter immer weniger Auswahl. Aber das ist nichts Persönliches. Das ist Statistik. Stehen einer 20-Jährigen theoretisch noch alle gleichaltrigen und alle älteren Männern zur Verfügung, bleiben einer 50-Jährigen vorwiegend die Gleichaltrigen und die Älteren. Dafür braucht sie sich nicht mehr so sehr um Status und Versorgerqualitäten zu kümmern. Was die Auswahl letztlich auch wieder immens vergrößert. Beziehungsweise, sie würde es, würde das Beuteschema der meisten Frauen in den mittleren Jahren nicht noch Schulterpolster tragen. Meint: Beim zweiten Anlauf soll zwar alles anders sein, damit es sich ‚richtig’ anfühlt. Maßstab für dieses ‚richtig’ sind aber oft die alten Liebes-Ideale.

So entsteht die paradoxe Situation, dass man beim ersten Treffen mit einem neuen Mann bereits überlegt, ob es der für den Rest des Lebens sein könnte. Obwohl man doch eigentlich gerade ziemlich genießen könnte, keine Pläne mehr machen zu müssen. Man freut sich, endlich viel Zeit für sich haben, erwartet aber, dass einer kommt, der diese Zeit komplett mit Beschlag belegen möchte. Man braucht schon längst keinen Ernährer mehr, würde sich aber beim Kennenlernen am liebsten die Gehaltsabrechnung des potentiellen Kandidaten zeigen lassen. Man möchte schon noch zu einem Mann aufsehen können, ist aber konsterniert, wenn der nicht nur eine Schulter zum Anlehnen bieten, sondern folgerichtig auch regieren will. Wenn aber stimmen soll, was Frank Sinatra einmal sang „love is lovier the second time around“ braucht es aber vor allem den Mut, die Beziehungsform tatsächlich den eigenen neuen Bedürfnissen anzupassen. Und es braucht die Vernunft, den inneren Monolog – „die guten Männer sind alle weg“, „es ist sowieso zwecklos“, „ich bin viel zu alt“ – einmal einer gründlichen Überarbeitung zu unterziehen.

Klar, Realitätstüchtigkeit ist nun nicht gerade das, was man ausgerechnet in der Liebe sucht. Aber ganz ehrlich: Ist es nicht auch ziemlich berechnend und ganz schön dünkelhaft, wenn die Zahnärztin den charmanten Metzger ignoriert, bloß weil er erstens weniger verdient und zweitens lieber zum Fußball geht als zum ‚Ring der Nibelungen’? Oder wenn die Studienrätin den Altenpfleger verschmäht, weil der sich nicht die Bildungsreise durch China leisten kann? Das gilt natürlich auch umgekehrt: Für den Hausmeister, der die erfolgreiche Nagelstudio-Besitzerin dauernd mit seinen Großtaten an der Arbeitsfront nervt, bloß weil er Schwierigkeiten damit hat, dass sie mehr Geld und ein größeres Auto hat. Für den Elektriker, der seiner neuen Freundin – einer Lektorin – sehr uncharmant erklärt, dass seine Freunde es schon nett finden, dass er sich mit einer Gleichaltrigen trifft, wo er doch so einen Schlag auch bei Jüngeren hätte. Warum nicht einfach all die unwichtigen Dinge wie Status und Alter außen vor lassen und sich dort treffen, wo man sich bestens verstehen könnte: Beim gemeinsamen Lachen, bei Ausflügen, beim Sex? Wollten wir nicht einfach einen netten Mann? Eine nette Frau? Stattdessen hängen wir Kalendersprüchen aus den Glückskeksen der Ratgeberliteratur an: „Jetzt bloß keine Kompromisse mehr!“ oder „Endlich Ich!“. Alles hat seinen Preis. Auch und vor allem die Liebe in den späteren Jahren. Wer sich in einem Alter begegnet, in dem der Alltag längst komplett eingerichtet ist, der muss nun bereit sein, Platz zu schaffen: Im Zeitplan, im Bad, auf dem Sofa, vor allem aber in den Gedanken und Gefühlen.

Jede Entscheidung im Leben, die man für etwas trifft, trifft man auch gegen etwas. Und wenn man sich für die Liebe entscheidet, dann entscheidet man sich immer auch dagegen, an diesem zuckrigen Hollywood-Ideal des vollkommen beglückenden Mannes festzuhalten, das wir aus ‚Die Brücken am Fluss’, ‚Zeit der Unschuld’ oder ‚Schlaflos in Seattle’ kennen. Wäre man mal solchermaßen tiefenentspannt unterwegs, würde man nicht gleich bei jeder neuen Bekanntschaft denken: „Ok, er sieht gut aus, er ist nett – ganz bestimmt will er was Jüngeres oder sicher hat er schlimme sexuelle Vorlieben oder er lebt noch bei seiner Mutter...“ und könnte man sich dann noch zusammenreißen und einmal nicht hektisch gleich wissen wollen, woran man ist, wohin das führt und man nicht spätestens nach einer Woche schon ein Etikett finden muss, für das, was da gerade passiert- und auch nicht nächsten Monat und möglicherweise nicht mal im nächsten Jahr – dann, ja dann – könnte es ja vielleicht selbst mit 60, 70, 80 Jahren doch noch etwas werden mit der Liebe. Fragt sich nur wo.

Darum wird es in der nächsten Folge gehen. Schleswig-Holstein am Sonntag stellt dann die besten Jagdreviere vor. Ja, auch das Worldwideweb wird unserem Tauglichkeitstest unterzogen. Vorab so viel: Es wird viel zu viel gelogen....

Was Singles vom Leben gelernt haben
1. Die Chancen, jemand wirklich Interessantem zu begegnen, wachsen enorm, wenn man gerade mit Zungenvollnarkose als Folge von fünf Betäubungsspritzen beim Zahnarzt sitzt.
2. Sie sind aber auch nicht schlecht, wenn man gerade entdeckt hat, dass einem in den letzten fünf Minuten ein etwa zehn Zentimeter langes Haar am Kinn oder in den Ohrmuscheln gewachsen ist.
3. Derjenige der zuerst einschläft, ist immer der, der schnarcht.
4. Man soll sich niemals noch mal mit einem Mann treffen, der Service-Personal schlecht behandelt.
5. Wenn ein Mann sagt „Du bist zu gut für mich!“, stimmt es meistens.
6. Man kann gerade dann besonders glücklich sein, wenn nicht alles perfekt ist.
7. Niemals einen Tanga unter weißen Hosen tragen.
8. Wenn ein Mann sagt, er ruft an und er ruft nicht an, dann liegt er mit ziemlicher Sicherheit nicht mit zwei gebrochen Armen im Krankenhaus und er befindet sich auch nicht in einem Funkloch von der Größe des Polarkreises. Er ruft nicht an, weil er nicht anrufen möchte.

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