Sieben Jahre Haft für Markos Mutter

Verurteilt: Mutter Uta G.  Foto: hok
Verurteilt: Mutter Uta G. Foto: hok

Sie liebte ihr Kind und ertränkte ihn dennoch in der Badewanne. Uta G. (46) aus Lübeck muss dafür sieben Jahre ins Gefängnis. Der letzte Tag des Prozesses zeigte ein zutiefst zerstörte Person.

Avatar_shz von
22. November 2008, 05:27 Uhr

Lübeck | Sieben Jahre Haft wegen Totschlags: So heißt das Urteil im Lübecker Prozess gegen die 46 Jahre alte Uta G., die ihren acht Jahre alten Sohn Marko ertränkte. Anders als die Staatsanwaltschaft sah das Gericht einen minder schweren Fall, folgte aber nicht dem Antrag der Verteidigung auf eine niedrige Strafe. Der Richterspruch spiegelt eine zutiefst zerrüttete Verurteilte.

Von einem Urteil wird gemeinhin erwartet, dass man sich zu dem Menschen auf der Anklagebank in Position setzen kann. Nach dem Urteil gegen Uta G. allerdings scheinen viele Beobachter den Gerichtssaal wie auf schwankendem Boden zu verlassen. Die Frau ist für schuldig befunden, ihr Kind mit einem "nicht unerheblichen Kraft- und Zeitaufwand" getötet und die Tat vorbereitet zu haben; und zugleich ist klar, dass die Täterin an ihrem Leben regelrecht verkrüppelt ist.
Uta G.s Seele ist nicht intakt

Die Katastrophe, Markos gewaltsamer Tod und die versuchte Selbsttötung seiner Mutter, ereignete sich am 26. Mai 2008. Ein Gutachter hat versucht, ihr Werden zu erhellen, aber wie eine Mutter ihr sich wehrendes Kind so lange unter Wasser drücken kann, bis es sich nicht mehr rührt, ist von einem seelisch intakten Laien kaum zu fassen.

Uta G.s Seele ist nicht intakt. Als Kind missachtet und missbraucht, übersehen und übergangen, entwickelt sie sich einerseits als erstaunlich normale und intelligente Schülerin und Studentin, andererseits bildet sich aber auch eine tiefe Persönlichkeitsstörung heraus, in die hinein ihr Kind geboren wird, das sie von Anfang an liebt und deren Betreuung sie zugleich überfordert. Alkoholsucht, schließlich geschäftlicher und finanzieller Ruin tun im Leben der alleinerziehenden selbstständigen Ernährungsberaterin ein Übriges: Am 26. Mai 2008 will Uta G. sterben und ihren Jungen mit in den Tod nehmen, da haben sich für sie alle Hilfsangebote in feindliche Übergriffe verwandelt. "Fast hätte ich Dich in dieser furchtbaren Welt allein zurückgelassen", habe sie beim Anblick ihres Jungen gedacht. Und so wird Markos gewaltsamer Tod zum abartigen Akt der Führsorge.
Marko versuchte sich zu wehren

Uta G. hört dem Richter aufmerksam zu, wirkt in ihrem schwarzen Blazer und mit dem Goldkreuz über dem dunklen Pullover beinahe feierlich. Dass das Urteil sie erleichtere, will der Verteidiger nicht gelten lassen: Zwar sei man nicht "komplett unzufrieden", aber sieben Jahre seinen eine sehr lange Zeit. Tatsächlich ist der "untere Bereich des gesetzlichen Rahmens", den die Verteidigung beantragt hatte, weit überschritten.
Für einen minder schweren Fall von Totschlag sieht die Rechtsprechung einen Strafrahmen von einem bis zu zehn Jahren vor. Vermindert sieht das Gericht den Totschlag durch reduzierte Steuerungsfähigkeit, Raum für eine niedrige Strafe indessen sieht es nicht. Uta G. habe immerhin erhebliche Widerstände zu überwinden gewusst: das Misstrauen ihres Kindes der mit Betäubungsmitteln versetzten und deshalb widerwärtig schmeckenden Cola gegenüber, die heftigen Abwehrreaktion Markos in der Badewanne.
Uta G. ist nach wie vor suizidgefährdet

Dass Uta G. ihr Kind liebte, ist für fast jeden Prozesszuschauer sicht- und spürbar gewesen - dass sie es über das übliche Maß elterlicher Zuneigung hinaus liebte, für wenige. Marko sei ihr Sinnstifter und Lebensspender gewesen, hatte der Gutachter erläutert. Marko war für seine Mutter keine eigenständige Person, sagt auch Richter Christian Singelmann. Auch diese Feststellung bringt den Boden der Beobachter zum Schwanken, denn hier wird ihm klar: Für Uta G. ist die Tat nicht vollendet. Laut Gutachter und Richter ist sie nach wie vor suizidgefährdet.

Sieben Jahre - Uta G. zeigt keine Regung. In sieben Jahren ist sie 53. "Dennoch bleibt eine Perspektive", sagt der Richter.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen