"Gorch Fock" : "Sie war eine schlanke sportliche Frau"

Sarah S. stürzte auf der 'Gorch Fock' in den Tod. Foto. shz
Sarah S. stürzte auf der "Gorch Fock" in den Tod. Foto. shz

War die junge Kadettin zu übergewichtig, um Dienst an Bord der Gorch Fock tun zu können? Der Anwalt ihrer Familie weist das zurück. Sie sei eine "schlanke sportliche Frau" gewesen.

Avatar_shz von
10. Februar 2011, 12:01 Uhr

War sie zu übergewichtig für die Arbeit auf der "Gorch Fock"? Eine Untersuchung zum Tod der jungen Kadettin, die im November aus der Takelage des Segelschulschiffs in den Tod gestürzt war, offenbart: Die 1,58 Meter große Soldatin habe 83 Kilo gewogen und habe an der Übung, bei der sie aus der Takelage des Großseglers stürzte, nicht teilnehmen dürfen, berichtet die "Bild"-Zeitung. Sie beruft sich auf einen ihr vorliegenden Untersuchungsbericht der Marine.
Die ermittelnde Kieler Staatsanwaltschaft teilte mit, dass unter anderem die Frage der Borddienstverwendungsfähigkeit der Offiziersanwärterin Gegenstand der staatsanwaltschaftlichen Prüfungen sei. Die Marine in Glücksburg lehnte jede Stellungnahme ab.
Der Hamelner Anwalt Thomas Kock, der die Mutter der Kadettin vertritt, sagte jedoch, die junge Frau habe nicht 83, sondern gut 60 Kilo gewogen. Die Mutter des Unfallopfers sei "erschüttert" über diese Falschangaben. Die Verunglückte sei "eine schlanke sportliche Frau" gewesen. Wo die unzutreffende Gewichtsangabe herkomme, sei ihm unklar, sagte der Anwalt. Bisher habe er bei der zuständigen Staatsanwaltschaft Kiel keine Akteneinsicht erhalten.
Dass Sarah S. möglicherweise wegen ihrer vergleichsweise geringen Körpergröße von 1,58 Metern für den Dienst auf dem Schulschiff ungeeignet gewesen sein könnte, "steht auf einem anderen Blatt", sagte Kock. Informationen darüber habe er noch nicht. Der Tod der Kadettin sei allerdings die Folge eines Ausbildungsfehlers gewesen. "Sie war ziemlich erschöpft". Vor dem tödlichen Sturz habe sie mehrfach "rauf- und runterentern" müssen.
Mangelnde Fähigkeiten der Kadetten?
Das Segelschulschiff, bislang der Stolz der Marine, steht im Fokus der Aufmerksamkeit, weil Offiziersanwärter der Stammmannschaft einen unsensiblen Umgang mit dem Tod der Kameradin und massive Drangsalierung der Kadetten bis hin zu sexuellen Nötigung vorgeworfen hatten. Eine Untersuchungskommission der Marine ist an Bord gegangen, um die Vorwürfe aufzuklären. Das nach Deutschland zurückbeorderte Schiff befindet sich derzeit auf dem Rückweg von Südamerika.

Am 7. November 2010 stürzte Obermaatin Sarah S. (25) bei einer Übung im Hafen von Salvador de Bahia (Brasilien) vor den Augen ihrer entsetzten Kameraden aus der Takelage der "Gorch Fock" 27 Meter tief auf das Deck. Die junge Soldatin starb im Krankenhaus.
"Sie hat mit beiden Händen losgelassen und ist rückwärts in die Tiefe gefallen", sagte der Kommandant der "Gorch Fock", Norbert Schatz, später in einem Interview und klagte über mangelnde Fähigkeiten der Kadetten. Die Angehörigen waren tief verletzt. Der Lebensgefährte der Obermaatin, Daniel W.: "In Zeiten, in denen die Unfallverhütung jungen Rekruten schon den Laufschritt in nicht geeignetem Schuhwerk verbietet, darf die Ausbildung auf der Gorch Fock aus Traditionsgründen weiter Opfer fordern." Nach dem Tod der Offiziersanwärterin leitete die Kieler Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren ein.
(ge, dpa, shz)

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen