Wilster : Sie mussten nur über eine Straße

An der Unfallstelle versorgten Retter die drei Damen, die auf dem Asphalt lagen. Zwei von ihnen starben im Krankenhaus.
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An der Unfallstelle versorgten Retter die drei Damen, die auf dem Asphalt lagen. Zwei von ihnen starben im Krankenhaus.

Am Tag nach dem Unfall mit zwei getöteten und einer schwer verletzten Rentnerin sitzt der Schock tief im kleinen Wilster (Kreis Steinburg). Wie hätte der Unfall verhindert werden können?

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22. November 2008, 10:41 Uhr

Wilster | Es gab gestern kein anderes Gesprächsthema in Wilster (Kreis Steinburg) als den tragischen Unfall. Fast jeder in der Stadt mit nur 4400 Einwohnern kannte die drei alten Damen, die auf der Straße von einem Auto erfasst wurden. Nur eine der Freundinnen, die von einer gemütlichen Kartenrunde kamen, überlebte: Hedwig B. (80), Ehrenvorsitzende des Roten Kreuzes, liegt in Itzehoe auf der Intensivstation. Ärzte beschreiben ihren Zustand als stabil. In den Kliniken von Pinneberg und Heide starben Herta H. (94) und Magdalene R. (86) an den Folgen ihrer Verletzungen.
Sachverständige müssen nun den Unfallhergang klären. Nach Polizeiangaben passierte es um 17.59 Uhr. Die drei Damen wollten nach dem Doppelkopfspiel nach Hause - der Heimweg war nicht weit, nur eine Straße mussten sie überqueren. Arm in Arm untergehakt, traten sie vom Bürgersteig auf die Fahrbahn. Es war dunkel, die Beleuchtung der Straßenlaternen nur spärlich. Und es hatte geregnet.
Ungebremst fuhr der Opel in die kleine Gruppe
"Die Damen waren zwar noch rüstig, aber natürlich nicht mehr ganz so schnell", sagt Ludger Kockmeyer (73), Vorsitzender des Seniorenbeirats von Wilster. Anwohner berichten, dass zudem alle dunkel gekleidet waren.
Ungebremst fuhr der Opel Astra Kombi eines Familienvaters (38), der mit seiner Frau und seinen beiden Kindern (2, 6) unterwegs war, in die kleine Fußgängergruppe. Alle drei Damen wurden erfasst, eine prallte gegen die Windschutzscheibe. "Ich sah plötzlich nur drei Körper durch die Luft fliegen", schilderte ein nachfolgender Autofahrer das entsetzliche Geschehen. Der Opel-Fahrer habe nicht einmal einen Schlenker gemacht, die Damen offenbar erst im letzten Moment bemerkt.
Notarzt- und Rettungswagen rasten heran
Anwohner leisteten sofort Erste Hilfe, hüllten die Unfallopfer in wärmende Decken. "Sie haben sich rührend und vorbildlich gekümmert", sagt Polizeisprecher Joachim Böttger. "Solch ein Engagement haben die altgedienten Beamten vor Ort lange nicht gesehen." Notarzt- und Rettungswagen rasten heran, die Männer der Feuerwehr leuchteten die Unfallstelle aus. Dann wurden die Unfallopfer auf drei Krankenhäuser verteilt.
Der Familienvater, dessen Frau und Kinder unverletzt geblieben waren, erkundigte sich früh am nächsten Morgen bei der Polizei nach dem Zustand der alten Damen. Dort erfuhr er, dass zwei von ihnen gestorben waren. Wie hätte das Unglück verhindert werden können?
Seniorenbeiratsvorsitzender Kockmeyer sagt: "Für Jogger und Schulkinder ist es selbstverständlich, Warnwesten oder Reflektoren zu tragen. Leider sind viele ältere Leute da sehr eigen und eitel. Auf unserem nächsten Klön-Nachmittag werde ich das zum Thema machen."

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