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Sicherheitsdienste sollen Jobcenter bewachen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Kieler Arbeitsvermittler wollen Eingangszonen und Wartebereiche kontrollieren lassen

shz.de von
erstellt am 31.Jan.2014 | 00:31 Uhr

Beleidigungen, Drohungen, Aggression: Der Frust über die Hartz-IV-Gesetze entlädt sich zuweilen auch in Jobcentern. Leidtragende sind die Sachbearbeiter. Das Jobcenter Kiel mit seinen sechs Außenstellen geht neue Wege, will jetzt einen Sicherheitsdienst anstellen. Eine entsprechende Ausschreibung findet sich im Internet.

Zu den Aufgaben der Sicherheitskräfte gehört danach auch die „Durchführung permanenter Kontrollen in den Eingangszonen sowie in den Fluren und Wartebereichen, auch in Bezug auf Drogen und Waffen.“ Ziel sei es, die „subjektive Sicherheit“ von Mitarbeitern und „Kunden“, wie Bedürftige hier genannt werden, zu erhöhen, sagte der Leiter des Kieler Jobcenters, Michael Stremlau, auf Nachfrage.

Bundesweit war es in der Vergangenheit mehrfach zu Übergriffen auf Mitarbeiter von Jobcentern gekommen. Im nordrhein-westfälischen Neuss wurde eine Mitarbeiterin auf dem Arbeitsamt erschossen, in Leipzig eine Sachbearbeiterin mit dem Hammer attackiert. „Solche Ereignisse wirken prägend auf die Befindlichkeit von Mitarbeitern“, sagt Stremlau.

Jobcenter, das sind eben auch Orte, an denen oft verzweifelte Menschen auf bürokratische Hürden treffen. Auf 60 Änderungen im Sozialgesetzbuch II kommt Stremlau. Komplizierter geht Rechtssetzung kaum. Im Paragraphendschungel gehen da nicht selten die Nerven durch. „Krasse Beleidigungen“ und körperliche Übergriffe gebe es, berichtet die Präsidentin der Arbeitsagentur Nord, Margit Haupt-Koppmann. Doch solche Fälle seien – jedenfalls in Schleswig-Holstein – eher selten.

Sachbearbeiter, die zu 70 Prozent weiblich sind, haben zwar in der Regel ein Deeskalationstraining absolviert, wissen danach, auch mit schwieriger Klientel umzugehen. Eine Garantie, „Kundschaft“ zu beruhigen, der die Nerven durchgeht, ist das nicht. Es gebe kritische Situationen, „da fühlen sich die Kollegen einfach nicht gut“, berichtet Stremlau. Rund 30 solcher „Vorkommnisse“ gab es im vergangenen Jahr – bei fast 130 000 „Kundenkontakten“. Die Reaktion auf dem Amt: Befristete Hausverbote. Wer Hilfe sucht, muss auf Telefon oder Postweg ausweichen.

Am 1. März soll der Sicherheitsdienst seine Arbeit aufnehmen. Je zwei Sicherheitsleute werden dann im täglichen Schichtbetrieb an einem der sechs Jobcenter Dienst tun. Das heißt auch: „Schutz der Mitarbeiter sowie Kunden vor verbalen und tätlichen Bedrohungen und Angriffe“, „deeskalierende Einflussnahme zur Abwendung von Konfliktsituationen“, oder „Unterstützung bei der Durchsetzung der Hausordnung“.

Wie notwendig diese Unterstützung sein kann, zeigt ein Beispiel: Im Jobcenter für Jugendliche in Kiel-Gaarden, einem sozialen Brennpunkt der Stadt, gibt es bereits seit 2005 Sicherheitspersonal. Murat B. (27), der seinen Namen schützen möchte, ist dort seit einigen Jahren für die Firma Stolzenburg Security im Einsatz. „Wir haben schon fast alles hier gehabt“, sagt er, „von Taschenmessern bis Schlagstöcken“. An einen Vorfall erinnert er sich gut: „Einem Kunden wurde die Leistung gestrichen. Nach dem Gespräch sollte ich ihn hinausbegleiten, weil er aggressiv war. Er fühlte sich provoziert, zückte ein Messer, wollte auf mich losgehen.“ Er habe den jungen Mann aber überwältigen können. Für Murat B. gehört so etwas zum Job – aber Teamleiter Gero Scheuermann (55) möchte auf die Securitymänner „nicht mehr verzichten“.


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