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Kampf gegen Verbrecherbanden : SH wappnet sich gegen Einbrecher

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Zahl der Wohnungseinbrüche im Land steigt. Die Ermittler erhöhen den Druck – und Opferschützer reagieren erleichtert.

Die Opferschutzorganisation „Weisser Ring“ begrüßt, dass Staatsanwaltschaften und Polizei den Druck im Kampf gegen Einbrecherbanden erhöhen. Wie berichtet, sollen eingereiste Straftäter künftig häufiger in Untersuchungshaft wandern, um Folgetaten zu verhindern. Außerdem sollen sie schneller vor Gericht gestellt werden. Es sei „dringend erforderlich“, alle Mittel einzusetzen, um Straftaten aufzuklären und zu beschleunigten Verfahren zu kommen, sagte Uwe Döring, Landesvorsitzender des „Weissen Rings“. „Die Menschen müssen wieder das Gefühl haben, dass der Staat schnell reagiert.“

Einbrüche sind in Schleswig-Holstein und Hamburg ein großes Problem. Das zeigen auch die Zahlen in der Kriminalststistik.

Generalstaatsanwalt Manfred Zepter hatte den Leitern der Staatsanwaltschaften Kiel, Lübeck, Flensburg und Itzehoe bei einem Treffen Anfang des Jahres in Schleswig eine Reihe von Handlungsempfehlungen mitgegeben, die jetzt umgesetzt worden sind. Wiebke Hoffelner, Sprecherin der Generalstaatsanwaltschaft: „Justiz und Polizei werden künftig konsequenter versuchen, den Verdächtigen jeweils weitere Taten zuzuordnen.“ Als vermeintliche Ersttäter waren etliche Einbrecher wieder auf freien Fuß gekommen, was für Empörung gesorgt hatte. Außerdem gilt eine Erstaufnahme künftig nicht mehr als fester Wohnsitz – daran waren Haftbefehle für Mitglieder albanischer Banden gescheitert, die Asyl beantragt hatten. „Eine Meldeanschrift dort reicht nun nicht mehr aus, um zu sagen, es besteht keine Fluchtgefahr“, so Hoffelner. Als ein dritter Schritt ist vorgesehen, verstärkt beschleunigte Strafverfahren zu initiieren, die sich im Jugendstrafrecht bewährt haben. Beim beschleunigten Verfahren ist zudem eine „Hauptverhandlungshaft“ möglich. Für sie reicht der Verdacht, der Angeklagte könnte dem Prozess fernbleiben – bei einem kriminellen Asylbewerber durchaus denkbar.

Neben den Zepter-Empfehlungen hat die Staatsanwaltschaft Kiel entschieden, Banden-Einbrüche zentral vom Dezernat Organisierte Kriminalität bearbeiten zu lassen. Behördenleiterin Birgit Heß kündigte am Freitag ferner an, bei Prozessen die Folgen für Betroffene stärker deutlich zu machen. Die Gerichtshilfe soll dazu Opferberichte verlesen, die zeigen, welche körperlichen oder seelischen Wunden durch den Einbruch entstanden und geblieben sind. Beim „Weissen Ring“ trifft das auf große Zustimmung. Döring: „Neben den materiellen Schäden sind die seelischen Verletzungen häufig sehr viel größer. Jeder achte Betroffene fühlt sich in seinem Heim nicht mehr sicher, jeder Fünfte bis Sechste leidet unter Ängsten und psychosomatischen Belastungen.“ Das Delikt müsse daher dringend als Tatbestand in das Opferentschädigungsgesetz aufgenommen werden, damit traumatologische Behandlungen finanziert werden könnten.

Gedanken machen sich Politik und Strafverfolger auch über eine mögliche Abschiebung von Tätern. Das Landeskriminalamt (LKA) hat die Arbeitsgruppe „Straffällige Zuwanderer“ gegründet und eine Liste von 100 kriminellen Asylsuchenden erstellt, denen 750 Straftaten vorgeworfen werden, darunter 250 Wohnungseinbrüche. LKA-Sprecher Uwe Keller: „Wir haben diese Personen ausgewählt, um einen Querschnitt aller denkbaren Fallkonstellationen bezüglich Aufenthaltsstatus und Straftaten abzubilden.“ Die 100 Täter bilden die Basis, um im Zusammenspiel von Polizei, Justiz, Ausländerbehörden und dem Bundesamt für Migration eine schnelle Abschiebung zu ermöglichen. Das Konzept dazu soll Ende des Monats vorgelegt werden.

Post von der Polizei für 1900 Geschädigte

Nach ihrer Festnahme sanken die Einbruchzahlen spürbar: Fünf albanische Asylbewerber (19 bis 35) waren im Januar in Kiel-Friedrichsort und Altenholz erwischt worden – jetzt steht die Anklageerhebung kurz bevor, wie die Kieler Staatsanwaltschaft am Freitag mitteilte. Und 1900 Geschädigte, bei denen im vergangenen Jahr eingebrochen worden ist, haben Post von der Polizei bekommen – um sichergestelltes Diebesgut zu identifizieren.

Oberstaatsanwalt Axel Bieler: „Es gab bereits zwölf Rückmeldungen, die allerdings zum Einbruch einer deutschen Bande gehören. Was die albanischen Verdächtigen angeht, brauchen wir noch Hilfe.“ Die Männer waren seit Herbst 2015 im Großraum Kiel, Plön, Rendsburg und Neumünster aktiv, sie stiegen vorwiegend in Einfamilienhäuser ein. Ein Teil der Gruppe lebte zuletzt in einer Asylbewerberunterkunft im Kreis Plön.

Unterdessen laufen auch die Großeinsätze gegen Einbrecher weiter. In Norderstedt (Kreis Segeberg) sichteten 60 Beamte mehrere tausend Autofahrer, kontrollierten 200 Wagen. Es wurde niemand festgenommen. „Aber mit Start der Aktion  hat es in Norderstedt bis zu deren Ende  nicht einen einzigen angezeigten Einbruch gegeben“, sagte Polizeisprecherin Sandra Mohr.

Beute-Fotos: www.polizei.schleswig-holstein.de und unter: www.shz.de/12979866

 
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erstellt am 12.Mär.2016 | 11:45 Uhr

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