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Internetkriminalität : SH: Polizei fehlen Internet-Ermittler

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In Schleswig-Holstein gibt es zu wenig Experten zur Bekämpfung von Computerkriminalität. Doch der Bedarf an IT-Spezialisten bei der Polizei wächst.

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erstellt am 08.Apr.2014 | 06:23 Uhr

Kiel | Der millionenfache Diebstahl von E-Mail-Konten samt Passwörtern zeigt es: Internetkriminalität ist längst ein flächendeckendes Problem. Dennoch fehlt es der Polizei in Schleswig-Holstein im Kampf gegen die gut vernetzten Täter im Internet an Personal. „Wir sind im Bereich Computerkriminalität überlastet. Zwar plant das Land, diesen Bereich personell aufzustocken. Das ist aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“, sagt Antje Gerlieb, Sprecherin des Bundes Deutscher Kriminalbeamter in Schleswig-Holstein (BDK) unserer Zeitung. Nach Angaben der Landesregierung waren 2013 nur 30 Polizisten mit 4235 Beweismitteln befasst. Sie beschlagnahmten und sicherten Datenträger. Dazu gehörten auch die Analyse, Wiederherstellung und Aufbereitung von Daten.

Der Bedarf an IT-Spezialisten bei der Polizei wächst. „Es sind unglaubliche Datenmengen für die wir Zeit, technische Ausstattung und Personal brauchen“, so Gerlieb. Bei zu wenig Personal bestehe die Gefahr, dass kleinere Delikte verjähren, weil die Beweismittel nicht bearbeitet werden konnten.

Staatsanwaltschaften müssen deshalb bei der Beweissicherung teilweise auf externe Sachverständige zurückgreifen – Unternehmen aus der freien Wirtschaft, die sich auf die Auswertung und Sicherstellung von Speichermedien wie Festplatten oder Handys spezialisiert haben. „Darauf sind wir in gewissen Fällen angewiesen, wenn es um schnelle Verfahren geht und das Landeskriminalamt ausgelastet ist“, bestätigte die Kieler Staatsanwältin Birgit Heß. So sicherte zum Beispiel bei der Razzia auf dem Gelände des Fleischverarbeiters Vion ein externes Unternehmen die Computer. 

Für die notwendige Personalverstärkung erarbeitet das Innenministerium derzeit ein Konzept zur Verteilung von Planstellen bei der Landespolizei. Genauere Angaben, wieviele neue Stellen geschaffen werden sollen, gibt es derzeit noch nicht.

Für Patrick Breyer, Landtagsabgeordneter der Piratenpartei, kommt diese Entwicklung zu spät: „Wenn im Jahr 2014 gerade einmal 30 von 8000 Polizeibeschäftigten in Schleswig-Holstein mit der Auswertung digitaler Daten befasst sind, hat der Innenminister das Zeitalter der Informationsgesellschaft verpennt.“ Breyer befürchtet, dass Ermittler zusehends durch technische Überwachung wie der Funkzellenabfrage ersetzt werden sollen. Hier hält Innenminister Andreas Breitner (SPD) entgegen: „Diese Entwicklung gibt es nicht. Funkzellenabfragen entlasten die Polizei überhaupt nicht. Sie binden Zeit und Personal. Für die Zukunft gilt: Im Bereich Ermittlung werden keine Stellen abgebaut.“

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